Stühle, Tische, Kleid und Sexualhormone

Von: Kathrin Albrecht
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Der Raum als „Setting“: Patrycja German zeigt ihre Ausstellung nebst Performance beim Neuen Aachener Kunstverein. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Drei Stühle an einer Wand, in den gegenüberliegenden Ecke Tische, auf denen Kladden und ein Bleistift liegen. Ein Kleid hängt am Haken, außerdem ein Kasten, in dem eine kleine Flasche zu sehen ist.

Der Text verrät, dass es sich bei der Flüssigkeit in der Flasche um ein weibliches Sexualhormon, ein Pheromon, handelt. So präsentiert sich ein Teil der Ausstellung „Good things will come to those who wait“ („Gute Dinge werden zu denen kommen, die warten“) der Künstlerin Patrycja German in den Räumen des Neuen Aachener Kunstvereins.

Der Raum ist ein „Setting“, den Begriff hat German aus dem Film entliehen. Die Anordnung bildet den Rahmen für die Performance „Lustgewinnung/Leidvermeidung“, die am 1. Februar in der Zeit von 19 bis 22 Uhr stattfindet. Dann wird sie auf einem der Stühle Platz nehmen und trägt dabei ein Kleid, das mit den Pheromonen eingesprüht wurde.

Damit setzt sie sich sowohl den Blicken und Reaktionen der Protokollanten, aber auch der Besucher aus. Zwei Wochen später, am 15. Februar zur selben Zeit, wird die Performance wiederholt, diesmal unter Verwendung eines männlichen Pheromons. „No guts, no glory“ hat sie diesen Teil betitelt.

Die 1979 in Polen geborene Patrycia German versteht sich als bildende Künstlerin, auch, wenn sie nicht in einem Atelier arbeitet, sondern ihre Kunst im Ausstellungsraum entstehen lässt – unter Einbeziehung des Publikums. „Ich mache mein Publikum zum Mitspieler, zu meinem Partner. Ich lasse in meiner Kunst eine Leerstelle, und wir zusammen füllen die Arbeit aus“, reflektiert German über ihre Arbeit.

Die Frage, was von der Kunst bleibt, wenn die Performance endet, hat sie mithilfe der Protokollanten gelöst. „Ich verzichte auf Video- oder Fotoaufzeichnungen, um die Situation nicht zu verfälschen. Dennoch suchte ich nach einem Mittel, die Essenz der Performance festzuhalten.“ Die Präsentation ihrer Performance im Neuen Aachener Kunstverein ist das vierte Mal, German hat sie zuvor in Innsbruck und in Los Angeles gezeigt. „Durch die Wiederholung ergeben sich ständig neue Fragen, das Thema verdichtet sich.“

Ben Kaufmann, Geschäftsführer des NAK kennt Patrycja German seit drei Jahren. „Das Besondere an ihr ist, dass sie sich des Mediums der Performance bedient, aber diese konsequent in Form einer Ausstellung zeigt. Sie fordert die Betrachter heraus. Es liegt an ihen, wie viel sie aus dieser Begegnung mitnehmen oder wie sie sich einbringen.“ Für ihn ist die Ausstellung in doppelter Hinsicht eine Herausforderung. „Für uns als Kunstverein ist sie mutig, vor allem vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion. Auch für die Künstlerin selbst erfordert es Mut, sich vor dem Betrachter so auszustellen.“

Bis zum 2. März ist die Ausstellung zu sehen. Bei der Eröffnung am Samstag hatten sich trotz Prinzenproklamation und einem Konzert des Sinfonieorchesters rund 50 Gäste eingefunden, darunter Bürgermeisterin und Vorsitzende des Betriebsausschusses Kultur, Margrethe Schmeer ,Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs und Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig Forums.

Die Unterteilung in ein Davor, die Performances und ein Danach erzeuge Spannung, so der NAK-Vorsitzende Werner Dohmen, und lade ein, wiederzukommen. „Nehmen Sie Ihre Chance wahr“, lud er die Anwesenden ein.

Wer als Protokollant bei den Performances am 1. Und 15. Februar mitwirken möchte, kann sich beim NAK anmelden. Telefon: 0241/503255, E-Mail: info@neueraachenerkunstverein.de. Am 2. Februar findet um 15 Uhr ein Künstlergespräch mit Patrycja German und dem Kölner Bildhauer Jochen Heufelder statt.

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