Stück „Blütenträume“: Zarte Flirtversuche im VHS-Kurs

Von: Angelina Boerger
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Aachen. Senioren? Rentner? Alte Leute? So möchte kaum jemand bezeichnet werden. Doch was tun, wenn man sich als „Menschen in der nachberuflichen Lebensphase“ nicht so recht mit dem Ruhestand anfreunden kann und man nicht einsieht, die restliche Lebenszeit in einsamer Langeweile zu verbringen?

Richtig, man meldet sich bei einem VHS-Kurs an, der einem praktische Tipps gegen das einsame Altern geben soll.

Davon handelt auch das Theaterstück „Blütenträume“ des bekannten Regisseurs und Schriftstellers Lutz Hübner, das im Oktober bereits als Fernsehfilm TV-Premiere feierte. Am Donnerstag feierte es unter Regie von Ingrid Wiederhold und mit Darstellern der freien Aachener Theatergruppe „Spürbar Theater“ im Theater 99 Premiere.

In der Komödie über das würdevolle Älterwerden trifft man allerlei Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Zum Beispiel Friedrich, gespielt von Bert Voiss, ein ehemaliger Schuldirektor, der die Augen nicht vom schönen Geschlecht lassen kann, so wie die Witwe Frieda, die nie gelernt hat, alleine zu sein. Oder Britta (Monika Paar), eine staubtrockene und zynische Bibliothekarin, oder Julia (Christina Sodermanns), die eigentlich den 45plus-Kurs besuchen wollte, aber aufgrund ihrer gescheiterten Beziehungen sich auch mit Männern über 50 abgeben würde. Und dann ist da noch Ulf, der Modellschreiner mit Feingefühl, so wie die schöne Gila (Heike Thormeyer), eine junggebliebene Witwe, die sich „gerne kümmert“. Und dann ist da noch Heinz, der Mann ohne Eigenschaften.

Betreut werden die sieben von Kursleiter Jan, einem gescheiterten Schauspieler, der gerade sein Psychologiestudium absolviert hat und sein übermäßiges Talent in der Volkshochschule vergeuden muss. Der möchte den Teilnehmern mit „anerkannten Coaching-Methoden“ und einem Crashkurs im Speeddating die richtige „Flirt-Strategie“ klarmachen und versteht nicht, warum die Teilnehmer sich sowohl gegen Anglizismen als auch gegen sein Konzept sträuben sich „zu verkaufen“.

Als alles droht zu scheitern, jagen die Alten den „Jungspund“ zum Teufel und treffen sich privat wo schnell die euphorische Idee aufkommt: Wir machen es wie in Studentenzeiten – und gründen eine Wohngemeinschaft!

Wer wissen will, ob diese Entscheidung alle auf Dauer glücklich macht und wann die beste Zeit ist, darüber nachzudenken, wie und mit wem man die letzten Lebensjahre verbringen will, kann noch heute, 21. November, und am Sonntag, 22. November, die Chance nutzen, wenn es wieder heißt: „Ich begrüße euch alle herzlich zu unserem Flirtkurs 55+“. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Theater 99, Gasborn 9-11. Der Eintritt kostet 10 Euro .

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