Studierende der Theaterschule spielen „Kasimir und Karoline“

Von: Svenja Pesch
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Bis heute zeitlos und aktuell: Studierende der Theaterschule Aachen haben Ödön von Horvaths Stück „Kasimir und Karoline“ aus dem Jahr 1929 auf die Bühne gebracht. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Man muss das immer trennen, die allgemeine Krise und das Private“, sagt Karoline zu einem Mann namens Schürzinger, den sie gerade frisch auf dem Oktoberfest kennengelernt hat. Doch macht sie das selbst auch? Wie geht die selbstbewusste und emanzipierte Karoline mit der Tatsache um, dass ihr Mann Kasimir seine Arbeit verloren hat? In dem Stück „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horvath beleuchtet die Theaterschule Aachen die Komplexität, die mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einhergeht.

Unter der Regie von Roman Kohnle zeigen neun Studierende aus dem Intermediate Semester im Space des Ludwig Forums, wie sich die Beziehung des Paares Karoline und Kasimir verändert und letztlich zerbricht. Zerbricht an der Gesellschaft, den Normen, den Erwartungen und an ihnen selbst. „Ödön von Horvath schrieb das Volksstück 1929, 1931 wurde es uraufgeführt. Mich fasziniert es bis heute zu. Denn es ist stets aktuell und zeitlos“, erzählt Kohnle und ergänzt: „Die unglückliche Liebesgeschichte des Paares ist gesellschaftskritisch. Sie kämpfen zwar umeinander, aber mit dem Verlust der Arbeit geht insbesondere für Kasimir auch der Verlust seines Selbstwertgefühls einher. Die Frage ist: Wie hoch ist der Status der Arbeit und was ist der Mensch ohne sie?“

„Vielleicht sind wir zu schwer füreinander“, fragt Karoline ihren Kasimir inmitten von Eis, Zuckerwatte und gespielter Fröhlichkeit. Doch sind sie zu schwer füreinander, oder sind es kollektive Auflagen, die die Beziehung des Paares scheitern lassen? „Menschen werden durch das wirtschaftliche Geschehen egoistisch. Jeder Mensch ist deshalb ein Pessimist“, so Kasimirs Worte. Aus dem „Wir“ wird ein „Ich“, und so geht jeder der Beiden seines Weges. Ob es der bessere oder richtige Weg ist, bleibt fraglich und offen.

Insbesondere die immer durch wechselnde Darstellerinnen gespielte Karoline ist hinterfragend und kritisch. Aber auch sie erhält nicht auf alle Belange Antworten. Das Stück nimmt viele Dinge gleichzeitig ins Auge: den Einzelnen, die Einsamkeit, die Verwundbarkeit, die Gesellschaft, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird und in der auf den Schein mehr gegeben wird als auf das Sein. So findet sich Karoline inmitten einer Gruppe „besserer Leute“ wieder. Doch hier interessiert man sich für das „Mädchen mit dem schönen Po“ nur vordergründig.

Sind Karoline und Kasimir schlussendlich doch nicht zu schwer füreinander, sondern genau richtig, so wie sie sind? Und schaffen sie es, die Welt mit all ihren Normen, Konventionen und vermeintlichen gesellschaftlichen Regeln außen vor zu lassen? Die Antwort gibt es in dem absolut sehenswerten Stück der Theaterschule.

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