Studentisches Wohnen bleibt brisantes Problem

Von: Valerie Barsig
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Aachen. In Zeiten der Wohnungsnot in Aachen hätte man mehr erwartet: Beim Sozialpolitischen Forum in der Katholischen Hoch-schulgemeinde bleibt der Saal gähnend leer.

Unter dem Motto „Wohnungsnot am Hochschulort“ soll laut Pastoralreferent Theo Pannen ein Austausch stattfinden, der Meinung bildet und informiert. Nur drei Studenten zog es in die KHG, zusätzlich zwei geladene Experten von den ASten der RWTH und FH sowie Markus Reissen, der an der KHG ausländische Studierende berät.

Dennoch war das Gespräch konstruktiv. Der kleine Talk machte vor allem eines deutlich: Das Wohnraumproblem ist noch immer da, trotz der Extraraum-Kampagne und trotz Bemühungen Einzelner. Das beweist auch die Statistik: Laut Prognose werden in Aachen bis 2020 jährlich 50 000 Studierende die Hochschulen besuchen. Die Kapazitätsgrenze der Stadt liegt aber nur bei 40 000 Studenten. „Das bedeutet, dass wir jährlich 10 000 Studierende zusätzlich in Aachen haben werden“, sagt Andreas Jendrzey, der die Kampagne „Extraraum“ mit initiiert hat. „Man rechnet, dass von den 10 000 zusätzlichen Studenten etwa die Hälfte von zu Hause aus pendeln.“ Der Rest ist Mathematik: 5000 Studenten brauchen ein Bett in Aachen oder der Umgebung. „826 Betten werden momentan fertig gestellt“, so Jendrzey. Das reicht also nicht mal ansatzweise um dem Ansturm der Studierenden des Doppeljahrgangs zu trotzen.

Ausländische „Problemklientel“

Eine weitere „Problemklientel“ sind Studenten aus dem Ausland. Philipp Schulz vom AStA der RWTH kann haarsträubende Geschichten erzählen: „Ein Vermieter hat uns gesagt, er wolle gerne einen deutschen Mieter haben, denn türkisch sprechen könne er nicht und sein Russisch sei eingerostet“, berichtet er.

Ein weiteres Problem ist das alte Spiel von Angebot und Nachfrage. „Der Preis für Wohnraum steigt“, stellt Markus Reissen fest. Vermieter schlagen da aus der Not der Studenten Kapital. Um zumindest kurzfristig Wohnraum zur Verfügung zu stellen, bietet die Katholische Hochschulgemeinde ab Juli ein „Nacht-Lager“ an. „Das Deutsche Studentenwerk fordert von Bund und Ländern 25 000 neue Wohnraumplätze deutschlandweit und das zu Recht“, sagt Theo Pannen. „Man hat zwar zusätzliche Studienplätze überall geschaffen, aber nicht die entsprechende Infrastruktur.“ Auch in Stolberg, Eschweiler und Herzogenrath müssten Kapazitäten genutzt werden, so Jendrzey.

Ein positives Beispiel seien Investoren aus Kerkrade: Die Stadt kämpft eher mit Abwanderung, daher ist man dort dankbar für Aachener Studenten. Man übernimmt sogar die vollen Kosten für ein Semesterticket – das sind rund 700 Euro pro Student. „Im Moment sind die Wohnungen noch leer“, sagt Jendrzey. Wenn der große Ansturm ab August kommt, sehe das sicher anders aus. Auch Philipp Schulz befürchtet einen Run auf seine Beratungsstelle: „Wir werden noch jemanden einstellen müssen, denn allein ist das nicht zu schaffen.“

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