Aachen - Studentenwerk „verschenkt” über 100.000 Euro an Fremde

Studentenwerk „verschenkt” über 100.000 Euro an Fremde

Von: Robert Esser
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Schlechte Noten an der Turmstraße: Der Student Kai Kreisköther sammelt im Internet Kritiken für die Aachener Mensen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Über 100.000 Euro „schenkte” das Aachener Studentenwerk allein im vergangenen Jahr seinen 160.000 Mensa-Gästen, die nicht als Studenten eingeschrieben waren. Noch höher war der Fehlbetrag in den Vorjahren.

Das bringt nicht nur den Maschinenbauer Kai Kreisköther in Rage. Der 24-Jährige ist Mitglied der liberalen Hochschulgruppe und sitzt seit drei Monaten im Verwaltungsrat des Studentenwerks - quasi das Aufsichtsorgan des Studentenwerks als Betreiber von zehn Mensen und Cafeterien.

Um Missstände auszuspüren und Verbesserungen durchzusetzen, hat Kreisköther vor einigen Wochen ein neues Internet-Portal eröffnet. Unter der Adresse http://www.mensakritik.de sammelt das Mitglied des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) Mängel, Hinweise, Anekdoten und Optimierungsvorschläge.

Nur 1,50 Euro Aufschlag

Ganz oben auf der Liste: das Preis-Leistungsverhältnis. Bemängelt wird, dass Studierende neben dem obligatorischen Sozialbeitrag pro Standardessen 2,60 Euro zahlen - alle anderen aber nur 1,50 Euro Aufschlag berappen müssen.

„Obwohl jedes der 1,4 Millionen Essen laut Studentenwerk schon vor einem Jahr mit 2,14 Euro bezuschusst werden musste!”, ärgert sich Kreisköther. „Das ergibt einen rechnerischen Fehlbetrag von 64 Cent für jedes der 160.000 Essen. Und dieses Minus geht auf Kosten der Studierenden.”

Außerdem gebe es immer wieder Gerichte, „bei denen man sich an den Kopf fasst”: zum Beispiel Lasagne mit kurioser Beilage - Nudeln oder Fritten. In ihren Internet-Bewertungen kritisieren die Mensa-Gäste zudem „verkochtes Gemüse, matschigen Salat”, versalzene Speisen. Beklagt wird auch, dass immer weniger Essen auf den Tellern lande.

Natürlich gilt das alles nicht für sämtliche Mensen: Die Mensa Vita am Uniklinikum schneidet in der Regel hervorragend ab, während die Mensa Ahornstraße miserable Noten kassiert.

Rüdiger Karbowski vom Studentenwerk bestätigte auf Anfrage der Aachener Zeitung, dass es bei der Bewirtung von Nicht-Studierenden - Professoren, Rentnern, Hochschulmitarbeitern etc. - keine Vollkostendeckung gebe. Man verdiene aber immerhin an dem Zuschlag von 1,50 Euro. Dem kritischen Internetportal stehe man aber positiv gegenüber, sagte er. Genauso wie der Bereichsleiter Gastronomie, Ulrich Bendisch: „Kritik ist mir und den 70 Mitarbeitern wichtig. Wir wissen, dass sie teilweise berechtigt ist.” Mit dem AStA stehe man mittlerweile im engen Kontakt, um Abhilfe zu schaffen.

Drei Großprojekte würden die Situation im Laufe des Jahres ohnehin erheblich verbessern. In Jülich und an der Aachener Bayernallee entstehen neue Mensa-Küchen. Und ab Juni soll die Mensa Turmstraße, die zum Teil noch mit über 50 Jahre alten Küchengeräten koche, für 14,5 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden.

Die Preise für Nicht-Studierende wolle man allerdings nach der Erhöhung vom Januar 2009 in nächster Zukunft nur langsam angleichen, um keine Kunden zu verprellen, erklärte Bendisch.
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