Studentenorchester: Vom klassischen Barock zu Gustav Mahler

Von: Kathrin Albrecht
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Aachen. Was aus einem Frustprojekt werden kann. . . beispielsweise ein Orchester, das sich im Laufe seines 25-jährigen Bestehens zu einer festen Größe in der Aachener Konzertlandschaft gespielt hat. So wie das Aachener Studentenorchester.

1989 fanden sich eine Handvoll musizierende Studierende zusammen, die nicht nur das klassische Repertoire des Collegium Musicum, das ausschließlich aus Musik des Barock und der frühen Klassik bestand, spielen wollten, sondern auch Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Gustav Mahler, Richard Wagner – oder eben auch Philip Glass wie im aktuellen Konzertprogramm zum 25. Jubiläum.

Einmal in der Woche, von April bis Juli und von Oktober bis Januar, proben die über 80 Studenten der RWTH und FH Aachen gemeinsam und bringen Jahr für Jahr ein anspruchsvolles Konzertprogramm auf die Beine, das sich hinter professionellen Orchestern nicht verstecken muss.

Wie bereits das erste Konzert am 3. Februar 1990 war auch das erste der beiden Jubiläumskonzerte am Donnerstag in der Aula 1 im RWTH-Hauptgebäude ausverkauft. Als Stücke für dieses Programm hatten die Studierenden im ersten Teil das Violinkonzert Nr. 1 aus dem Jahr 1987 und für den zweiten Teil die Sinfonie Nr. 4 mit dem Beinamen „Die Romantische“ von Anton Bruckner ausgewählt. Mit dieser Auswahl, erklärte Dirigent Reiner Schuhenn zu Konzertbeginn, knüpft das Orchester an den Gründungsgedanken an: „aus der Vergangenheit schöpfen und in der Gegenwart präsent sein.“

Schuhen, ehemaliger Rektor der Musikhochschule Köln, leitet das Orchester seit 2012. Eine kleine Tradition ist auch die musikwissenschaftliche Einführung in das jeweilige Stück. So gehört der 1937 geborene Philip Glass neben John Cage zu den wichtigsten Vertretern der „Minimal Music“, einer Kompositionsrichtung, die in den 1960er-Jahren in den USA entstanden ist. Glass‘ Violinkonzert gilt als eines der wichtigsten Vionlinkonzerte der Gegenwart.

Die anspruchsvollen Soli übernahm der 23-jährige südkoreanische Violinist Hwa Pyung Yoo, der zurzeit an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln bei Mihaela Martin studiert. Ständige Wiederholungen kleinster motivischer Muster, auch „Pattern“ genannt, Phasenverschiebungen und flächige Töne zeichnen diesen Stil aus, der die Aufhebung der Zeit als künstlerische Absicht hat. Besonders deutlich arbeiten Orchester und Hwa Pyung Yoo dies im mittleren Teil des Stückes heraus, der fast eine hypnotische Wirkung beim Zuhören entfaltet.

Die Zeit spielte auch im zweiten Teil des Konzerts eine wichtige Rolle. Für seine Sinfonie Nr.4 brauchte Bruckner 14 Jahre Zeit, bis sie vollendet war. Der Faktor Zeit ist auch bei der Komposition ein wesentliches Gestaltungsmittel, ganze 60 Takte lang nimmt Bruckner am Schluss Anlauf, um dann in einem furiosen Schlussakkord in Es-Dur zu enden. Für die mitreißende Darbietung gab es langen Applaus, dreimal bat das Publikum Shuhenn zurück ans Dirigentenpult, als Zugabe gab es einen kurzen Auszug aus dem dritten Satz, in dem Bruckner zur Jagd blasen lässt und seine Verehrung für Richard Wagner mit großer Bläserbesetzung voll auskostet. „Hier spielt man nicht, weil man muss, sondern weil man will“, hob Schuhenn vor Kurzem das Besondere an diesem Orchester hervor. Dieser besondere Geist war auch an diesem Abend zu spüren.

Am Samstag, 19. Juli, gibt es einen weiteren Konzerttermin. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Aula 1 im Hauptgebäude der RWTH. Der Eintritt kostet sieben, ermäßigt 3,50 Euro.

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