Aachen - Studentenbuden: „Keine Notsituation mehr“

Studentenbuden: „Keine Notsituation mehr“

Von: Stefan Herrmann
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Die Verantwortlichen (v.l.): Arno Weiß (AStA RWTH), Ute von Drathen (Studentenwerk Aachen), Paul Baumann (AStA FH), Dr. Jutta Bacher (Leiterin Stadtmarketing), Prof. Christoph Scheller (Grafik Design an der FH ), Prof. Aloys Krieg (Prorektor RWTH), Roger Uhle (Pressesprecher FH), Prof. Manfred Sicking (Beigeordneter der Stadt) Foto: Michael Jaspers
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Marketing für mehr Studentenwohnungen: Seit Herbst 2011 läuft die Kampagne „Extraraum“. Nach gut drei Jahren ziehen die Initiatoren eine positive Bilanz. Die Aktion mit den auffälligen Plakaten hat auch überregional Aufmerksamkeit erregt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Drei Studenten quetschen sich im Kanalrohr zusammen, büffeln für den Abschluss. Leben unterm Gullydeckel? Das haben Aachener nur auf Plakaten gesehen. Mit kreativen wie mitunter provokativen Kampagnen macht „Extraraum“ seit Herbst 2011 auf das Thema studentischer Wohnungsnot aufmerksam. Die Werbebanner mit unterschiedlichen Motiven kamen als Hingucker bei vielen gut an.

Viel wichtiger aber: Die gesamte Initiative hat mitgeholfen, dringend benötigten Wohnraum für junge Menschen zu schaffen. Gut drei Jahre nach dem Start haben die Stadt, RWTH und FH, die ASten der beiden Aachener Hochschulen sowie das Studentenwerk daher ein positives (Zwischen-)Fazit gezogen. Tenor: Das Projekt „Extraraum“ soll weiterlaufen, allerdings mit einer neuen Ausrichtung.

Was ist in den vergangenen drei Jahren „Extraraum“ messbar passiert?

Die Studierendenzahlen sind in Folge von G8 und dem Wegfall der Wehrpflicht explodiert – von gut 42 000 im Jahr 2011 auf 52 000 im vergangenen Jahr. Rechnet man noch die Studierenden aus Jülich hinzu, beträgt die Zahl sogar 56 000. Und die Studierendenzahlen werden laut Prof. Aloys Krieg, Prorektor für Lehre der RWTH, bis etwa 2025 bei 50 000 und mehr liegen. Erst danach rechnen Experten mit einem Rückgang. Im Zeitraum 2011 bis Ende 2014 sind parallel im Bereich studentisches Wohnen über 1600 neue Betten durch genehmigungspflichtige Baumaßnahmen geschaffen worden. 700 weitere kommen bis 2016 hinzu, erläutert Dr. Jutta Bacher, Leiterin des städtischen Marketings. Die Dunkelziffer der neuen Betten liegt womöglich noch weit höher, da die offiziellen Zahlen nur neue Wohneinheiten berücksichtigen, für die Bauanträge bei der Stadt eingegangen sind. Damit ist ein großes Ziel von „Extraraum“ erreicht worden: Eigentümer und Bauherren wurden animiert, Wohnraum für Studenten zu schaffen.

Was schließen die Initiatoren daraus?

Bacher sagt ganz klar: „Eine Notsituation haben wir nicht mehr.“ Wohnraum sei zwar weiterhin knapp, das werde in Studentenhochburgen auch weiterhin so bleiben, aber für große Alarm-Kampagnen sehen die Verantwortlichen keine Veranlassung mehr. „Wir stehen gut da“, findet auch Aloys Krieg. Das fällt auch in anderen Städten auf. So hat München Interesse am Aachener „Extraraum“ gezeigt und möchte eine ähnliche Wohnraum-Kampagne für Studierende ins Leben rufen.

Wo liegen die Stärken von „Extraraum“?

Ganz eindeutig: Neben der Werbekampagne ist mit „Extraraum“ eine Institution entstanden, die als Anlaufstelle für wohnungssuchende Studierende dient. Und die soll weiter verbessert werden. Die Homepage erstrahlt Mitte März in neuem Design. Dann rückt die lokale und kostenlose Wohnbörse, auffällig platziert auf dem Startbildschirm, in den Mittelpunkt. „Extraraum ist für die Studierenden eine wichtige Alternative zu unseren immer sehr nachgefragten Wohnheimplätzen“, sagt Ute von Drathen vom Studentenwerk. 4800 Plätze stellt das Werk derzeit in seinen Studentenwohnheimen in Aachen und Jülich zur Verfügung. Auch dort soll die Platzanzahl weiter aufgestockt werden.

Was hat nicht so gut funktioniert?

Ein Teil der „Extraraum“-Kampagne zielte darauf ab, dass zum Beispiel ältere Menschen, die alleine in großen Wohnungen leben, Studenten als Untermieter aufnehmen sollten. „Das hat nicht so funktioniert“, gibt Christoph Scheller, Professor für Grafik-Design an der FH-Aachen, zu. Arno Weiß von der AStA der RWTH, bestätigt: Ein Großteil der Studierenden möchte mit dem Start des Studiums in eine eigene Wohnung ziehen oder aber in eine WG mit Gleichaltrigen.

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