Studenten spielen moderne Form von „Nathan der Weise“

Von: Jessica Jumpertz
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"Nathan der Weise" in der Theaterschule: Die Vorstellungen werden kombiniert mit einem Themenmonat zu Toleranz, Menschlichkeit und Aufklärung. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Drei junge Frauen und zwei junge Männer sitzen auf Matten auf dem Boden, vor ihnen stehen ein Stuhl und ein Beistelltisch. Es ist still auf der Bühne, bis ein weiterer junger Mann im Anzug die Bühne betritt. „Bin da – wer noch?“ – mit diesen Worten beginnt die moderne Inszenierung von Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“.

Sechs Studenten der Theaterschule Aachen agieren als Schauspieler im Stück – Regie führt ein weiterer Student. Die Premiere findet am Samstag statt. Gespielt wird das Stück von Mehdi Benjdila, Berna Kilicli, Carolin Leweling, Ramon Linde, Fabio Piana und Svenja Triesch.

Obwohl Lessings Stück etwas älter ist – Uraufführung war immerhin 1783 – ist die Thematik aktueller denn je. Nathan ist Jude und nimmt zur Zeit der Kreuzzüge ein Waisenkind auf, das Christin ist. Das Mädchen wird von einem Tempelherren, der zuvor vom Sultan begnadigt wurde, aus den Flammen gerettet. Der Tempelherr verliebt sich in das Mädchen, was schließlich zu Verwirrungen und zum Kampf gegen Vorurteile und starre Denkmuster führt.

Das Stück zeigt auch das Zusammenleben von verschiedenen Religionen. Nicht nur der Regisseur Florian Wugk, sondern auch die Schauspieler hatten sich vorher Gedanken über das Stück und den Inhalt gemacht. Für Svenja Triesch könnte das Zusammenleben der Religionen funktionieren. „Wenn man die Denkmuster aufbricht, ist, glaube ich, alles ganz einfach“, erklärte sie.

Es gehe in dem Stück auch um Toleranz, betont Wugk, der sich „Nathan der Weise“ als Regieprojekt ausgesucht hatte. „Es geht um Figuren, die ihre Sicherheit verlieren“, ergänzt der Regiestudent. Wugks Inszenierung ist eine moderne, die durch Ergänzungen den aktuellen Bezug herausstellt. „Die Thematik spricht für sich“, sagte Wugk. „Es ist ein sehr altes Stück, aber wir haben trotzdem versucht, die Sprache bis auf wenige Ausnahmen originalgetreu beizubehalten, haben Dinge hinzugefügt und gestrichen.“

Rund um die Aufführungen wird es einen Themenmonat geben, der sich unter anderem mit der Flüchtlingsthematik und dem Dialog zwischen den Religionen beschäftigt. Nach den Aufführungen wird es verschiedene Veranstaltungen geben, die den Zuschauern bewusst die Möglichkeit zum Austausch und zur Begegnung bieten sollen. So wird es im Anschluss an die Premiere eine Vernissage der Künstlerin Gerda Zuleger unter dem Motto „Aufbruch“ geben.

Ihre Werke greifen die Flüchtlingsthematik auf. Weiterhin wird es eine Lesung aus einem Lyrikband und einen Abend der Begegnung geben. Dieser Abend soll religions- und kulturübergreifend Menschen zusammenführen. „Wir laden zum konstruktiven Dialog und Austausch ein“, sagte Jürgen Kutsch, der mit seiner „Stiftung Jürgen Kutsch“ als Kooperationspartner an diesem Abend mitwirkt. Ingeborg Meyer ist der Austausch ebenfalls ein Anliegen.

„Im Theater treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander und da ist es nie ein Problem“, sagte die künstlerische Leiterin der Theaterschule. Das gemeinsame Ziel sei das Theaterstück. „Warum ist das auf der Straße nicht möglich?“

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