Aachen - Studenten-Kampf: Immer wieder gegen den Kopf getreten

Studenten-Kampf: Immer wieder gegen den Kopf getreten

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
faris N.
Brutale Prügelei unter Studenten: Faris N. (3. von links) wurde vor dem Aachener Schwurgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wie von Sinnen sei er gewesen und könne sich an Einzelheiten der Tat in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar dieses Jahres nicht mehr erinnern. Nur noch einzelne „Spots“ seien da in seinem Kopf, erklärte der ansonsten geständige und von seinem eigenem Handel völlig erschütterte Student Faris N. (26) vor dem Aachener Schwurgericht.

N. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in jener Nacht auf der oberen Pontstraße, Aachens Nacht- und Kneipenmeile, brutal auf den Kopf seines am Boden liegenden Freundes eingetreten zu haben. Er habe damit den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklage. Die jungen Männer waren in einer Vierergruppe, wie der Sohn saudischer und englischer Eltern am Donnerstag vor Richter Arno Bormann ausführte, an diesem Abend nach einer wichtigen Klausur an der Uni Maastricht seit etwa 18 Uhr unterwegs gewesen. „Ich dachte, ich habe die Klausur nicht bestanden. Die anderen hatten ein gutes Gefühl“, beschrieb er die Stimmungslage von damals. Alkohol sei reichlich geflossen, später bei der Polizei ergab sich bei dem Angeklagten ein Blutalkoholwert von rund zwei Promille.

Anscheinend hätte ihn sein Freund, das spätere Opfer, und er gegenseitig ein wenig angemacht, dies alles aber mit lustigem Unterton. Um das zu verstehen, berichtete Faris N. aus seiner Lebensgeschichte. Er habe in London das Hotelfach studiert, habe zwischendurch immer wieder in der Gastronomie gejobbt. Seine Familie sei dann wieder nach Saudi Arabien gegangen, sie hätten in Dschidda gelebt. Dort arbeitet er leitend in einem Event- und Catering-Betrieb, habe gut verdient. In Saudi-Arabien lernte er seine jetzige Lebensgefährtin kennen, die in Aachen studierte. „Ich beschloss, alles aufzugeben und nach Aachen zu ziehen“, beschrieb er den Neuanfang.

In Aachen angekommen jobbte er wieder, schrieb sich dann in einen englischsprachigen Studiengang in Maastricht ein. Er lernte gleichzeitig Deutsch, eine vom Gericht bestellte Dolmetscherin musste in der Tat nur gelegentlich helfen.

An jenem unseligen Abend nun habe der Freund ihn des Öfteren hoch genommen, in dem Sinne, dass er wieder Kellnern gehen müsse, wenn er nun wirklich die Klausur in den Sand gesetzt habe. Darüber habe man gescherzt, es sei hin und her gegangen. Doch warum er nach dem langen Abend mit Restaurant- und Disko-Besuchen und etlichen Gläsern Bier, Wein und Schnaps dann vor der geöffneten Friture auf den Freund losgegangen sei, das wisse er nicht mehr.

Nur an das Polizeirevier könne er sich erinnern, in seinem Kopf gebe es eben nur „vereinzelte Spots“ aus dieser Nacht. Drogen? Nein, „nur“ Alkohol, früher in London habe er gelegentlich Marihuana und Kokain konsumiert.

Das Vorgehen des Angeklagten, erklärte am Donnerstag im Zeugenstand ein Polizist, der noch während der Tat mit dem Streifenwagen vor Ort eingetroffen war, sei „brutal“ gewesen. Er habe gesehen, wie der Angeklagte immer wieder gegen den Kopf des am Boden Liegenden getreten habe. Der war zu diesem Zeitpunkt bereits besinnungslos, wachte aber später wieder auf. Inzwischen sei der, hatte Nebenklagevertreter Anwalt Osama Momen berichtet, körperlich wiederhergestellt, nur die psychischen Tatfolgen würden noch behandelt.

Einer der Tatzeugen, ein weiterer Freund, der Stunden mit den anderen durch die Gegend gezogen war, erschien am Donnerstag trotz Ladung nicht.

Die Klausur hatte der Angeklagte tatsächlich nicht bestanden, wie der Richter erfragte. Der Prozess wird am 7. August, 9 Uhr, im Aachener Landgericht fortgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (19)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert