Studenten-Initiative: Probleme erkennen, Lösungen entwickeln

Von: Katharina Redanz
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Sie stehen für den Ideenreichtum von Enactus: Daniel Knoblauch, Juliane Winkler, Paula Bürschgens und Frederic Moeris (von links).

Aachen. „Unternehmerisch die Welt im Kleinen verbessern“ – das ist Ziel und Leitspruch von Enactus, einer Initiative von Studenten aller Fachrichtungen. An über 30 Hochschulen in Deutschland ist das Netzwerk aktiv, in Aachen sind es insgesamt 75 Studenten von RWTH und FH, die effektive Lösungen für gesellschaftlich relevante Probleme erarbeiten möchten.

„Wir suchen und erkennen Probleme, entwickeln Lösungen für diese und verkaufen dann unsere ausgereiften Ideen und Technologien an entsprechende Partner zur Umsetzung“, erklärt die Studentin Juliane Winkler das Prinzip von Enactus.

„Wir finden einen solchen unternehmerischen Ansatz sinnvoller als Entwicklungshilfe in Form von simplen Spenden“, erklärt der Teamleiter Daniel Knoblauch, „so können wir die Leute dazu bewegen, sich auch nach unserem Einsatz nachhaltig zu engagieren.“

Die Studenten sind dabei in verschiedenen Projekten im Einsatz – lokal und international sowie in verschiedenen Größenordnungen. So wird in Aachen beispielsweise in Kooperation mit der Lebenshilfe verwendete Hotelseife recycelt, in Tansania wird dank der Hilfe der Aachener Studenten ohne Strom und fließendes Wasser Fischzucht betrieben: „Wir waren eigentlich für ein anderes Projekt in Afrika“, erzählt Enactus-Mitglied Frederic Moeris, „haben aber dann gesehen, dass jemand Fische in einer Regentonne züchtet.“

Diese Zucht sei allerdings weniger erfolgreich gewesen – unter anderem wegen mangelhafter Sauerstoffsättigung in dem stehenden Wasser. „Wir fanden die Idee aber so gut, dass wir sie weiterentwickelt haben“, erzählt Moeris, „wir haben einen Tank gebaut und eine Pumpe, die das Wasser zirkulieren lässt.“ Die Pumpe lasse sich mit Solarzellen betreiben.

„So haben wir es geschafft, dass in Tansania ohne Strom und ohne fließendes Wasser Fischzucht betrieben werden kann“, resümiert der Teamleiter Knoblauch sichtlich stolz.

In einem anderen Projekt werden Armprothesen mit dem 3D-Drucker gedruckt – „noch sind wir in der Entwicklungsphase, aber wir haben schon Partner in Marokko, und bald wird es dort kostengünstig gute Armprothesen für die Bevölkerung geben“, so die Studentin Winkler.

Auf die Idee, Prothesen auszudrucken kam das Enactus-Team durch die Bachelorarbeit eines Kommilitonen. „Klar sind die Prothesen nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen“, sagt Knoblauch, „aber sie sind definitiv besser als ein einfacher Haken als Prothese.“ Und preiswerter seien sie dazu – während ein einfacher Haken rund 5000 Dollar koste, wird es sich bei der gedruckten Prothese um etwa 50 Dollar handeln. „Für ein Land ohne Krankenversicherung ist das genial“, freut sich Knoblauch, der seit zweieinhalb Jahren Teil des Teams ist.

Mit den sinnvollen und erfolgreichen Projekten überzeugt das Aachener Enactus-Team: Ende Mai gewannen sie den bundesweiten Wettbewerb. Die Projekte aller deutschen Teams wurden von einer Jury – die mit Vertretern von Unternehmen und Universitäten besetzt ist – anhand verschiedener Kriterien beurteilt, etwa inwiefern das Projekt die Situation der Menschen verbessert und welchen Einfluss es auf Umwelt und Infrastruktur hat.

Der Sieg des Aachener Enactus-Teams liege vor allem an der technischen Komplexität der Projekte, sind sich Knoblauch und Winkler einig: „Passend zur Technikstadt Aachen arbeiten wir im Vergleich zu den anderen Teams schon mit komplizierten Technologien.“

Nach dem nationalen Erfolg soll es nun international weitergehen: Das Aachener Enactus-Team fährt Ende September als bestes Team der Republik nach Kanada, um sich dort mit den besten Enactus-Teams weltweit zu messen.

„Damit wir da gut bestehen und Aachen auf weltweiter Bühne präsentieren können, müssen wir unsere aktuellen Projekte allerdings noch weiter vorantreiben“, so Teamleiter Knoblauch – und dafür benötigt das Team Spenden: „Wir müssen zum Beispiel weitere Fischzuchtanlagen bauen oder den 3D-Drucker für die Prothesen kaufen“, erklärt Knoblauch.

„Jeder Euro fließt zu hundert Prozent in die Projektarbeit“, versichert er. Gespendet werden kann über eine Crowdfunding-Plattform entweder für die einzelnen Projekte selber oder generell für den Verein.

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