Strunx-Aus: Das letzte Tabu ist gebrochen

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Auf dem Höhepunkt soll man si
Auf dem Höhepunkt soll man sich verabschieden: Das Strunx-Team übte am Dienstag schon einmal das abschließende Winkewinke. 2013 ist Schluss mit Strunx. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Stadt Aachen verliert ein starkes Stück Kultur, nicht nur närrische. Nach zweimal elf Jahren löst sich die alternative Strunxsitzung am Ende der kommenden Session auf.

Rudi Zins und Manni Hammers, ebenso kultiges wie wortakrobatisches Moderatoren-Duo, legen ihre Zebrajackets ab und sagen durchaus hintergründig: „Das ist das letzte Tabu, das es tatsächlich noch gibt: Das Tabu, den Strunx zu beenden.”

Nach 450 Programmnummern, auf 139 Sitzungen vor 62 500 Zuschauern zückten die zahlreich erschienenen Strunxakteure am Dienstag im Theater Aachen zum Abschied die weißen Taschentücher und zogen quasi den Zahn der Zeit, der ihre Form von Kunst ausgehölt hat: Es gibt tatsächlich keine Tabus mehr, der Nachwuchs fehlt, nicht nur das Publikum wurde älter - und bürgerlicher.

Manni Gouls, Strunxler der ersten Stunde, sagt es so: „Das war ein Generationen-Projekt der freien Kultur der 80er und 90er Jahre. Wir haben es zusammen begonnen und hören jetzt zusammen auf.” Und zwar ohne jeden Streit und zufrieden mit dem, was man geschaffen habe: „Diese Qualität über so viele Jahre zu erhalten, und das ganz basisdemokratisch, war eine gigantische Leistung”, resümieren Hammers und Zins.

Die im Schnitt heute 50- bis 60-Jährigen hätten sich immer öfter gefragt: Gibt es uns in zehn Jahren noch? Und wie sieht dann die Sitzung aus? Hinzu sei laut Hammers gekommen: „Die Verantwortung lastete auf immer weniger Schultern.” So reifte die Idee, die Rudi Zins so beschreibt: „Es ist besser, auf der Höhe aufzuhören und nicht einzugehen.” Im Übrigen gehe ja „das kreative Potenzial der Strunxakteure nicht verloren”. Sicherlich würden einzelne Akteure eigene Wege gehen.

Peter Kappertz, dessen Saalbau Rothe Erde mit der Strunxsitzung das Markenzeichen „Kappertz-Hölle” bekam, bedauert „die Entscheidung natürlich sehr”. Andererseits blickt er ab 2014 auf einen Kalender, „an dem sieben extrem attraktive Termine in der Karnevalssession frei werden”. Kappertz hofft auf „möglicherweise neue Entwicklungen und Konstellationen, die nach der Strunx-Ära kommen können”.

Doch so ganz ohne Tabubrüche wollte sich die jecke Szene dann doch nicht verabschieden. Deshalb blieb es „Herrn Hammers” und „Herrn Zins” („wir behalten unsere Namen und siezen uns weiter”) vorbehalten, die wahren Gründe des Strunx-Ausstiegs zu benennen: „Herr Zins und Herr Hammers wollten immer schon beim Dschungelcamp mitmachen, können das aber nicht, solange sie in dieser Sitzung noch aktiv und nicht abgehalftert sind.”

Und weiter: „Während 20 Prozent nach der Sitzung gerne deutsche Schlager hören wollten, verlangten 70 Prozent nach Disco, 50 nach HipHop, 120 Prozent nach Heavy Metal, zwei Drittel wollten gar keine Musik und 90 Prozent war es egal.”

Und noch ein typischer Dialog der beiden sich stetig reibenden Charaktere zum Abschluss. „Auch die Finanzen stimmten nicht mehr, weil immer weniger Leute in den Saal passten”, so Zins. „ Früher hatten wir noch sechs auf einer Bierbank.”

Hammers: „Falsch, Herr Zins, wir hatten nicht sechs auf einer Bank, sondern Sex. Und auch das ist heute nicht mehr möglich, noch nicht einmal auf zwei Bänken.” Zins: „Die Bierbänke sind aber auch schmaler und härter geworden. Holz arbeitet ja.”

Strunx auch. Für die letzten sieben Sitzungen einer Ära.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:

Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.