Streit um Deko-Pferd: Ämter genehmigen zeitweise Duldung

Von: Matthias Hinrichs
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Kann sich wieder vortrauen: Alice Lemm hat den amtlichen Hindernisparcours bewältigt und darf ihr Deko-Pferd wegen des CHIO „ausnahmsweise“ vor ihrer Boutique am Dahmengraben platzieren. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wenn kostbaren Edelrössern im Dreiländereck raffinierte Hindernisse in den Weg gelegt werden, freuen sich die (meisten) Menschen. In diesem Fall sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Schließlich soll hier mal nicht die Rede sein vom fröhlichen Wettkampf in der Soers. Jedenfalls nicht direkt. Vielmehr von einem eher peinlichen Pas de deux.

In den Hauptrollen: ein veritables Pferd im Originalformat – wenn auch nicht aus Fleisch und Blut – und ein springlebendiger Amtsschimmel.

Aber zäumen wir diese Story von vorn auf. Denn Letzterer, also der Paragrafenreiter, kam sozusagen sensationell flott in die Hufe, nachdem Alice Lemm sich am Dienstag erdreistet hatte, ihrem graziösen Kunststoff-Vierbeiner ein wenig Auslauf zu gönnen. Nur ein ganz kleines Bisschen, versteht sich, und aus gegebenem Anlass. Auf der grünen Wiese – um vom heiligen Rasen zu schweigen – wäre das wohl kein Problem gewesen.

Die charmante Geschäftsfrau hatte indes nichts Besseres zu tun, als das Deko-Pferd, liebevoll drapiert mit buntem Textil (aber ganz ohne Reklame, wie sie betont), direkt vor ihrer kleinen Boutique „dacapo“ zu platzieren. Und die befindet sich nun mal mitten auf der ansonsten, naja, eher schmucklosen Shoppingmeile namens Dahmengraben.

Fehler! Inklusive Punktabzug auf dem Konto, wie der ordnungspolitisch gestählte Öcher spätestens jetzt ahnt. Denn das Ordnungsamt ist der wackeren Dame flugs in die Parade gefahren. Am Mittwoch also stand bei Alice Lemm tatsächlich ein Pferd auf dem Flur, ganz wie im gleichnamigen Gassenhauer. Zwangsläufig. Inzwischen darf es aber wieder raus – quasi ein Zückerchen der Verwaltung. Dazu später.

„Gerade mal fünf Stunden nachdem wir die Skulptur aufgestellt hatten, präsentierte uns ein städtischer Mitarbeiter ein Knöllchen über 55 Euro“, erzählt Alice Lemm. „Dabei haben wir das seit der Reit-WM 2006 jedes Jahr gemacht – immer zum CHIO, also nur für fünf Tage.“ Immerhin gehört das Tier zur gediegenen Equipe einer Kunstaktion, mit der gerade die lokale Geschäftswelt seinerzeit Hunderte stolze Zeichen in Sachen Liebe zum Pferd gesetzt hat. Von wegen Marketing und so. Und bisher habe weder die Stadt noch sonstwer großen Anstoß am kleinen Vorstoß genommen. „Im Gegenteil. Alle haben sich gefreut!“

Apropos gefreut: Am Mittwoch haben die städtischen, pardon, Bürohengste den Kollegen im Außendienst denn doch noch Zügel angelegt. Man habe sich da wohl vergaloppiert, bekannte Rita Klösges vom Presseamt: „Frau Lemm darf das Pferd wieder aufstellen. Wegen des CHIO wird das ausnahmsweise geduldet.“

Trotz „Reform“ nicht gestattet

Schließlich sei die kleine Aktion auch nach der jüngsten „Reform“ der (Achtung: Hindernisparcours für nicht amtlich geeichte Zungen!) „Satzung über Erlaubnisse und Gebühren für Sondernutzungen an öffentlichen Straßen der Stadt Aachen“ nicht gestattet. Streng genommen. Das Knöllchen könne die Geschäftsfrau jetzt aber ebenfalls vergessen. Und: Dies habe man nach Rücksprache mit dem Vater der Petentin, Wolfgang Lemm, am Mittwochmorgen entschieden – wohlgemerkt bevor man Wind davon bekommen habe, dass Tochter Alice auch der Presse bereits ihr Leid geklagt hatte.

Ende vom garstig‘ Lied: „Wir sind wirklich dankbar und froh, dass die Stadt Kulanz gezeigt hat“, sagte Wolfgang Lemm der AZ am Mittag. Seither steht am Dahmengraben kein Pferd mehr auf dem Flur, sondern wieder vorm Schaufenster. Denn wie heißt es im sattsam bekannten Fastlovvendshit: „Ich hab‘ ein Herz für Tiere und passe gerne auf sie auf, doch heute Abend nimmt der Wahnsinn seinen Lauf.“

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