Streit um David-Hansemann-Schule: Einigung in Sicht?

Von: Stefan Herrmann
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Was passiert mit der David-Hansemann-Schule? Die Debatte, in welchem Gebäude die Realschule ausläuft, sorgt für reichlich Zündstoff. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es herrscht mächtig Druck im Kessel an der Sandkaulstraße: Die 4. Gesamtschule wächst weiter mit Wucht, die David-Hansemann-Realschule (DHS) läuft in zwei Jahren aus. Ab Sommer kann und soll es in jetziger räumlicher Aufteilung nicht mehr weitergehen.

Lösungen liegen bereits seit Monaten auf dem Tisch. Doch in den vergangenen Tagen kochen die Emotionen an vielen Stellen wieder hoch. Die Verwaltung zieht nun die Notbremse, fordert eine schnelle Einigung der Schulen. Konkret geht es um zwei Varianten. Gelingt keine Einigung, will Schuldezernentin Susanne Schwier nächste Woche Mittwoch den Rat entscheiden lassen.

Ende 2010 ist die Schließung der DHS an der Sandkaulstraße 12 zum Sommer 2016 von der Politik beschlossen worden. Ab August 2014 werden noch 180 Schüler der Jahrgangsstufe 9 (3 Klassen) und 10 (4 Klassen) von 15 Lehrern unterrichtet. Damals gab es die Zusage des Stadtrates, am Standort Sandkaulstraße bleiben zu können.

„Die Schule ist, wie von den Fraktionen gewollt, weiter im Aufbau“, sagt Schwier. Ab Sommer unterrichtet sie 480 Schüler (16 Klassen). 34 Lehrer setzen das besondere pädagogische Konzept der Gesamtschule um. Dafür benötigt sie ab August dringend zusätzliche Räume. Das jetzige Gebäude an der Sandkaulstraße 75 wird dafür im kommenden Jahr mit Millionenaufwand erweitert.

Doch während der Bauphase wird es eng, die Gesamtschule benötigt daher das bisherige Gebäude der DHS. Schon jetzt findet ein Teil des Unterrichts in einem provisorischen Pavillon statt.

„Unser Ziel ist es, das Thema zu versachlichen“, meint Schwier. Doch das scheint inzwischen sehr schwierig. Die Debatte wird längst hochemotional geführt. Bei einer Vollversammlung der Realschule am Montagabend haben sich zahlreiche Eltern, Schüler und Lehrer für einen Verbleib im bisherigen Gebäude ausgesprochen. Schwier hofft trotzdem noch auf eine Einigung: „Wir möchten vermeiden, dass jemand Schaden nimmt.“ Zwei Varianten liegen seit längerem vor. Nun soll eine schnelle Entscheidung her.

Die Realschule zieht in den bisher von der Gesamtschule genutzten Pavillon. Die DHS könnte weiter Fachräume im alten Gebäude Sandkaulstraße 12 nutzen, den Rest würde die Gesamtschule in Beschlag nehmen. So oder so: In der bisherigen Realschul-Aula wird in den Sommerferien eine Mensa für den Ganztagbetrieb der Gesamtschule eingerichtet. Vorteil dieser Variante: Lehrer beider Schulen könnten kooperieren. Der Nachteil: „Schüler und Lehrer müssten am Standort Sandkaul-straße sehr eng zusammenrücken“, gibt Schwier zu bedenken.

Die Realschule zieht in das Gebäude an der Eintrachtstraße, das derzeit noch von der Jugendmusikschule genutzt wird. Dort müssten die Toilettenanlagen saniert werden, ansonsten, so Schwier, sei der Bau unterrichtsbereit. Der Vorteil: die Nähe zur Hugo-Junkers-Realschule an der Peliserkerstraße. Dort übernimmt DHS-Leiterin Ilse Zimmermann zusätzlich ab Sommer 2014 die Leitung. Dies würde eine Kooperation gerade auch mit Blick auf das Schuljahr 2015/16 erleichtern.

An dem Titel David-Hansemann-Schule soll so oder so nicht gerüttelt werden. Er bleibt erhalten – zum Beispiel als Kopf auf dem Zeugnis.

„Ich habe bei beiden Varianten kein schlechtes Gewissen“, betont Schwier. Allerdings: Die Schuldezernentin macht keinen Hehl daraus, dass sie Variante 2 präferiert. „Bei einem auslaufenden System, wie nun bei der Realschule, muss es vor allem für die Schüler erträglich bleiben“, ergänzt sie. Die Schulexpertin sieht dies an der Eintrachtstraße eher gegeben. Sie sagt aber auch: „Es ist nichts beschlossen. Wir stehen zu beiden Angeboten!“

Die Stadt erhöht den Druck, damit die Schulen – vornehmlich die DHS – eine Lösung finden. Am morgigen Donnerstag tagt die Schulkonferenz der Realschule. Dann muss eine Entscheidung stehen. Geschieht dies nicht, möchte Schwier bereits am kommenden Mittwoch den Stadtrat in der Streitfrage abstimmen lassen. „Das Thema ist ein Schwelbrand. Ich möchte das nicht noch länger hinziehen“, findet Schwier klare Worte.

Sollte die Politik das letzte Wort sprechen müssen, möchte die Dezernentin noch einen Ad-hoc-Schulausschuss kurz vor der Ratssitzung terminieren. Die rechtlichen Möglichkeiten dazu werden derzeit verwaltungsintern ausgelotet. Schwier betont ausdrücklich, dass die Realschulleiterin Zimmermann kooperativ an einer Lösung arbeitet.

Ob dies jedoch am Ende ausreicht für eine einvernehmliche Lösung, wird spätestens der Beschluss der Schulkonferenz am Donnerstag zeigen.

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