Streit um Antoniusstraße: Polizeipräsident legt nach

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Antoniusstraße Michael Jaspers
Geht aus Sicht der Polizei gar nicht: Die Pläne, im unteren Teil der Antoniusstraße die Bordelle – ziemlich abgeschottet – zu konzentrieren, stößt jetzt auf große Sicherheitsbedenken. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bleibt das „Sträßchen“ im Städtchen oder soll der Rotlichtbezirk in der Antoniusstraße im Zuge der Aufwertung des Altstadtquartiers Büchel an den Stadtrand verlegt werden? Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach hat in dieser (Standort-)Frage am Dienstag noch einmal nachgelegt - und das ausgesprochen deutlich.

Zuvor hatte Weinspach in einem Brandbrief an Oberbürgermeister Marcel Philipp vehement für eine Auslagerung der Bordellbetriebe plädiert.

Nur einen Tag vor der Ratssitzung, auf der eine breite politische Mehrheit im Stadtrat erklärtermaßen noch einmal den Grundsatzbeschluss für einen Fortbestand des Rotlichtbezirks am angestammten Ort bekräftigen will, attestiert Weinspach der Politik, damit einer „Illusion“ aufzusitzen, denn: „Bürgerliche Idylle und zehn Meter daneben ein Rotlichtbezirk - das funktioniert nicht.“

Die Erfahrung in Aachen wie auch in vielen anderen Städten lehre, dass Bordellbetrieb eine „Ausstrahlungswirkung“ hätten, dass sie Kriminalität - Täter wie Opfer - anzögen und ständig Konflikte mit Anwohnern und Geschäftsleuten produzierten. Und insbesondere die in den jüngsten Plänen vorgesehene räumliche und optische Abschottung des Rotlichtbezirks unter anderem in einem Laufhaus erschwere die Polizeiarbeit erheblich und verschlechtere die Situation sogar im Vergleich zu heute.

Mit einem Rotlichtstandort in einem Gewerbegebiet am Stadtrand dagegen könne aus polizeilicher Sicht wesentlich besser umgegangen werden. „Ich sage nicht, dass wir damit alle Probleme lösen können, aber wir können sie besser lösen“, sagte Weinspach, während der Leiter der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz im Aachener Präsidium mit Sorge in die Zukunft blickte: „Die Grundsatzentscheidung, die die Politik jetzt trifft, wird die Aachener Bürger über Jahrzehnte begleiten“, sagt er. „Deshalb sind wir in dieser Frage so hartnäckig.“

Offensichtlich sehr irritiert war man im Präsidium über die Reaktionen aus der Politik auf den offenen Brief an den OB. „Wir hätten uns erhofft, dass dieser Brief der Anfang eines intensiven Dialogs ist“, sagte Weinspach. Stattdessen habe aus den Fraktionen niemand das Gespräch mit ihm gesucht. Vielmehr habe er erst „aus der Zeitung davon erfahren“, dass die Politik am Mittwoch im Rat bei ihrem Beschluss bleiben will.

Getroffen habe ihn auch der Vorwurf, so der Polizeipräsident, die Polizei habe ihre Mitwirkungsmöglichkeiten bislang nicht wahrgenommen. Man sei im Gegenteil nur wenige Male seitens der Stadt kontaktiert worden und immer sei es dabei um Detailfragen der Planung gegangen und nicht um die grundsätzliche Standortfrage für den Rotlichtbezirk.

Auch der von SPD-Ratsherr Norbert Plum geäußerte Vorwurf, die Polizei solle Polizeiarbeit machen und Politik und Verwaltung kümmerten sich um die Stadtplanung, hat Weinspach ganz offensichtlich schwer verärgert. „Natürlich sind wir keine kompetenten Stadtplaner, aber wir sind diejenigen, die die Fehler der Stadtplaner ausbaden müssen“, sagte der Polizeipräsident.

Die Polizei könne mit ihrer Expertise und ihrem Rat einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des Altstadtquartiers Büchel leisten. Aber dann müsse man sie auch einbeziehen, so Weinspach: „Und ich verstehe unsere Aufgabe nicht darin, dass wir hier eine Bringschuld haben, sondern das ist eine Holschuld der Politik, sich über alle Entscheidungsgrundlagen zu informieren“.

Deutliche Rückendeckung erhält der Polizeipräsident bei seinem neuerlichen Vorstoß vom Oberbürgermeister: „Meine Meinung ist nach wie vor, dass eine Verlagerung in Außenbezirke hilfreich wäre und nützt, denn das wäre ein Befreiungsschlag für die gesamte Innenstadt. Man muss sich ja auch die gesamte Situation zum Beispiel am Dahmengraben und in der Kleinkölnstraße bis hin zum Bushof anschauen“, sagte Marcel Philipp auf AZ-Anfrage.

Wichtig sei aber jetzt auch, das Verfahren formal nicht kaputtzumachen und sauber zu Ende zu bringen, dann könne man weiter sehen. Erste Reaktionen der Politik seinerzeit auf den Brief des Polizeipräsidenten haben Philipp geärgert, wie er betonte: „Die Aussagen der Polizei umgehend in Zweifel zu ziehen, war nicht in Ordnung.“

Am Mittwoch im Stadtrat hat die Politik wieder das Wort. Weinspach will dann, wie er erklärte, unter den Zuhörern sitzen. Um nicht wieder alles aus der Zeitung erfahren zu müssen.

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