Streik ist für die Stadt eine Wundertüte

Von: Stephan Mohne
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Erwartet am Dienstag in Aachen knapp 1000 städtische Beschäftigte zu den Streikaktionen: Corinna Groß.

Aachen. Für die Verwaltung sind die Streiks der Gewerkschaften Verdi am Dienstag und Komba am Mittwoch so etwas wie eine Wundertüte. Und damit auch für tausende Aachener, die wahlweise ihren Nachwuchs zum Kindergarten bringen, ein paar Bahnen in der Schwimmhalle ziehen oder vielleicht einen neuen Pass beantragen wollen. „Wir wissen absolut nicht, was auf uns zukommt“, sagt Björn Gürtler vom Presseamt denn auch ziemlich ratlos.

Zwar sind manche Kitas bereits vergangene Woche „vorgewarnt“ worden, doch wie es am Dienstag konkret aussehen wird, sei unklar. „Wir hoffen, die Kitas offenhalten zu können“, so Gürtler. Ob das funktioniert sei aber – genau: unklar. Wenn Eltern eine anderseitige Betreuungsmöglichkeit hätten, „würde uns das jedenfalls sehr entlasten“, so Gürtler. Wobei der Mittwoch den städtischen Verantwortlichen da weniger Bauchschmerzen bereitet, da nicht viele Erzieherinnen in der Komba organisiert seien.

Doch auch die Besetzung in Schwimmhallen oder anderen Einrichtungen sei unklar. Man werde am Dienstagmorgen sehen müssen, ob der Betrieb mit dem dann noch vorhandenen Personal aufrecht zu erhalten sei. In den Servicebereichen werde man wohl gegebenenfalls Beamte einsetzen, um Lücken so gut es geht zu füllen.

Dass die Beteiligung an den Streiks stark sein wird, davon sind indes Corinna Groß als Verdi-Bezirksgeschäftsführerin und Komba-Streikleiter Dirk Schröders überzeugt. Verdi wird sich am Dienstag „aufteilen“, Kundgebungen finden in Aachen und Düren statt. Mit insgesamt 1500 Teilnehmern rechnet Groß, 800 bis 900 in Aachen. Um 10 Uhr geht es am Willy-Brandt-Platz los, bevor die Streikenden Richtung Theaterplatz ziehen, wo es eine Abschlusskundgebung um 11.30 Uhr geben wird.

#Die Komba hingegen wird am Mittwoch zu einer zentralen NRW-Kundgebung nach Bonn fahren. 150 Mitglieder hätten sich bereits angemeldet, doch es würden wohl noch deutlich mehr, sagt Schröders. Die Gewerkschaften wollen mit den Aktionen ihren Forderungen – unter anderem 100 Euro plus 3,5 Prozent mehr Gehalt – Nachdruck verleihen, bevor ab Donnerstag wieder für die 2,1 Millionen Beschäftigten in Bund und Kommunen verhandelt wird. Ganz an der Spitze in der Bundestarifkommission verhandelt übrigens auch wieder Aachens Gesamtpersonalratsvorsitzender Marc Topp (Verdi) mit.

Nicht bestreikt werden heute der Stadtbetrieb und die Aseag. Busse und Müllabfuhr fahren also. Das könnte sich nächste Woche jedoch ändern.

Zuletzt wurde vor genau zwei Jahren gestreikt. Davor 2009, als es um die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen ging, und 2008. Und davor war seit 1992 Ruhe. Corinna Groß führt das auf politisch andere Zeiten zurück: „Die Arbeitgeber sind nicht mehr so wie früher. Das Feilschen um die Arbeitsplatzbedingungen gab es früher in dieser Form nicht.“

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