Streik in Aachen: Rotes Licht für rote Riesen auf ganzer Linie

Von: stm/re/sh
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„Einsatzfahrt“, aber nur über ein paar Meter: Das Depot an der Neuköllner Straße wurde am frühen Morgen blockiert.
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Warten zwecklos: Wenige Aachener wurden vom Ausstand der Busfahrer wirklich überrascht. Die meisten hatten offensichtlich Alternativen parat.
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Hochbetrieb, aber nur beim Eintrag in die Streiklisten: Die ÖPNV-Chauffeure rührten sich in der Aseag-Zentrale praktisch nicht von der Stelle.
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Verwaist: Kaum ein Bus wurde am Mittwoch, wie hier am Elisenbrunnen, in der City gesichtet. Statt dessen hatten die Taxifahrer Hochkonjunktur. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Mist!“ Ralph Herren steht am Elisenbrunnen und muss zur Arbeit. Extra früh ist er gekommen. Klar weiß er, dass bei der Aseag gestreikt wird. „Ich habe gehofft, dass auf wichtigen Linien vielleicht Private fahren“, erklärt er frustriert.

Aber es gibt keinen Notfahrplan an diesem Mittwoch. Private fahren zwar, aber eben nur auf ihren „angestammten“ Linien. In den Bussen sitzen selbst zur Berufsverkehrzeit kaum Leute, weil ja niemand überhaupt mit Bussen gerechnet hat. Also müssen die Menschen anders zur Arbeit, zur Schule, Uni oder sonstwohin gekommen sein. Ein Verkehrschaos gibt es jedoch nicht. Wo sich sonst das Blech staut, ist es auch diesmal so – aber kaum mehr.

Die einzige „Sonderfahrt“, die die Aseag-Bediensteten am frühen Mittwochmorgen in der Nahverkehrszentrale an der Neuköllner Straße starten, hat ihr Ziel bereits nach ein paar Metern erreicht. Die Ausfahrt des Depots auf der Hüls wird durch einen Bus blockiert. Wenn sich ansonsten mal eine Hand rührt, dann allenfalls zwecks Eintrag in die Streikliste oder beim Griff nach dem einen oder anderen belegten Brötchen. Manche aalen sich demonstrativ in der Mittagssonne neben der Einsatzzentrale, manche diskutieren bei einem Tässchen Kaffee – vor allem über die „Zweiklassengesellschaft“ innerhalb der Belegschaft.

„Die Kollegen, die bei der hundertprozentigen Aseag-Tochter Esbus beschäftigt sind – und über die laufen inzwischen alle Neueinstellungen –, kommen mit 2100 Euro brutto kaum über die Runden. Viele, die Familie haben, sind zum Beispiel auf Wohngeld angewiesen“, schimpft Heinz Steffens, Vorsitzender der Nahverkehrsgewerkschaft in der Städteregion. Vor allem bei den Zuschlägen gebe es ein krasses Gefälle zwischen den Bediensteten – trotz identischer Arbeitsbelastung.

Apropos Arbeitsbelastung: Über eine solche hat sich am Mittwoch die Taxibranche gefreut. Schon bis zum Mittag verzeichnete etwa die Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV) über 1.000 Fahraufträge. „An einem normalen Werktag sind es rund 400 weniger. Das ist natürlich klasse“, sagt AAV-Vorstand Said Youssuf. Und fügt hinzu: „Für die Forderungen der Streikenden haben wir absolut Verständnis. Die sollten dran bleiben . . .“ Und einem langen Arbeitskampf bloß nicht aus dem Wege gehen.

Am Donnerstag gehen die Arbeitsniederlegungen in jedem Fall weiter: Vor allem Kitas, Schwimmhallen, öffentlichen Büchereien und Museen könnten betroffen sein. Klar war am Mittwoch allerdings nur, dass der Bürgerservice im Verwaltungsgebäude Katschhof dicht bleibt.

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