Aachen - Streik: Angestellte fühlen sich als Lehrer zweiter Klasse

Streik: Angestellte fühlen sich als Lehrer zweiter Klasse

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Den Marsch geblasen: Beim Warnstreik demonstrieren angestellte Lehrer in Aachen. Eine Forderung: 6,5 Prozent mehr Geld. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Aufmerksam wird man auf die Lehrer in der Innenstadt in jedem Fall. An der Spitze des Demonstrationszugs mit rund 300 streikenden angestellten „Paukern“ läuft die Trommel-Gruppe Aixotic Sambistas und macht mächtig Rabatz.

 Der Warnstreik findet im Rahmen der Tarifverhandlungen für die Landesangestellten statt. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde Mitte Februar konnten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht annähern.

Die Pädagogen fordern 6,5 Prozent mehr Gehalt. Außerdem gibt es derzeit keinen Tarifvertrag für Angestellte, sondern bloß „Erlasse, die vom Ministerium herausgegeben werden und nicht der Mitbestimmung unterliegen“, sagt Walter Lohne, Vorsitzender des Regionalverbands Aachen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Das will die Gewerkschaft ändern: „Wir fordern eine Lehrerentgeltordnung“, sagt Lohne.

Vielen streikenden Lehrern geht es aber besonders darum, dass sie mit ihren verbeamteten Kollegen gleichgestellt werden. Der Gehaltsunterschied liege bei 500 Euro monatlich, obwohl die gleiche Arbeit geleistet werde, sagt Lohne. Das sei frustrierend. „Die Kollegen sind sauer auf das System. Daran muss dringend etwas geändert werden“, sagt Lohne. Zudem sollten Gehaltsunterschiede zwischen den unterschiedlichen Schulformen abgeschafft werden: Grund- oder Hauptschullehrer verdienten beispielsweise deutlich weniger als Gymnasiallehrer.

Insgesamt gibt es in Aachen rund 2600 Lehrer, davon sind knapp 570 angestellt. Viele von ihnen sind Seiteneinsteiger, die an Berufskollegs oder Hauptschulen arbeiten. Andere scheiterten an der Altersgrenze: „1985 gab es eine große Lehrerschwemme“, sagt Lohne. Deshalb waren viele Lehrer eine Zeit lang arbeitslos. Die Altersgrenze für die Verbeamtung lag damals bei 35 Jahren. Das bedeutete, dass vielen nichts anderes übrig blieb, als sich anstellen zu lassen.

Angela Berner, Lehrerin am Couven-Gymnasium, ist keine Quereinsteigerin, sie hat ihr Lehramtsstudium mit Staatsexamen abgeschlossen. Ihre Verbeamtung scheiterte auch an der Altersgrenze. „Damals gab es sehr viele Lehrer auf dem Markt. Ganze Jahrgänge wurden nach dem Referendariat nicht übernommen“, sagt sie. Also stieg sie später ein, als Angestellte.

Viele angestellte Lehrer kritisieren außerdem, dass die verbeamteten Kollegen ihre Arbeit nicht wertschätzen. „Ich bin Quereinsteiger. Die verbeamteten Kollegen sagen mir, dass es richtig sei, dass ich weniger verdiene, weil ich nicht die gleiche Ausbildung habe wie sie“, sagt Klaus Schruff, Lehrer an der Gemeinschaftshauptschule Heinsberg I. „Ich möchte, dass unsere Arbeit anerkannt wird“, sagt er.

Mit dieser Einschätzung ist Schruff nicht alleine, viele seiner Kollegen pflichten ihm bei. Am Couven-Gymnasium ist das Verhältnis der Lehrer untereinander scheinbar besser: „Ich kann nicht sagen, dass meine Leistung nicht anerkannt wird“, sagt Angela Berner. „Ich möchte nur normale Arbeitsbedingungen und das gleiche Geld wie die anderen Lehrer.“

Im Übrigen: Unterricht ist wegen des Warnstreiks nur an wenigen Aachener Schulen in größerem Umfang ausgefallen. An der Hauptschule Aretzstraße konnten nur sechs Klassen unterrichtet werden, der Rest musste wieder nach Hause. Am Couven fielen sechs Stunden aus, am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung waren es gerade einmal drei Stunden. Andere Schulen waren allenfalls punktuell betroffen.

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