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Streik am Grünen Weg: Gemüter beruhigen sich am Ende wieder

Von: André Schaefer
Letzte Aktualisierung:
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Gingen für ihre Forderungen auf die Straße: Mitarbeiter der Firmen Scheins und Schlecker (Aachen und Düren) wollten während der Tarifverhandlungen ein Zeichen setzen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Darauf war die Geschäftsführung der Scheins GmbH offensichtlich nicht vorbereitet. Dass einige ihrer Mitarbeiter auf die Straße gehen wollten, war bei den obersten Verantwortlichen der Eisenwaren-Firma bekannt.

Dass der Streik allerdings eine solche Eigendynamik entwickeln würde, damit hatten sie nicht gerechnet. Über 40 Angestellte der Scheins GmbH versammelten sich am Donnerstag unter anderem vor der Filiale am Grünen Weg zusammen mit über 50 Mitarbeitern der Schlecker Filialen aus Aachen und Düren. Gemeinsam wurde zum großen Arbeitskampf im Einzelhandel aufgerufen.

130 Euro mehr

Denn wie schon zuletzt in Baden-Württemberg fordert auch in NRW die Gewerkschaft Verdi für Einzelhandelsbeschäftigte eine Tariferhöhung um 6,5 Prozent. Konkret gefordert werden demnach 130 Euro mehr Lohn sowie eine Erhöhung des Auszubildenden-Gehalts um 65 Euro. „Die Vertreter von Schlecker und Scheins sind in einer gemeinsamen Tarifkommission und haben sich deshalb dazu entschieden, zusammen zu streiken. Ein wesentliches Problem liegt darin, dass die Arbeitgeber der beiden Firmen nicht dem Arbeitgeberverband angehören und somit keine Tarifbindung vorliegt. Das sorgt bei den Mitarbeitern für reichlich Unsicherheit”, erklärte Verdi-Gewerkschaftssekretär Christian Lindner.

Ein ganzer Bus war am Donnerstag mit streikfreudigen Angestellten beider Firmen gefüllt. Die Schleckerangestellten aus Düren kamen nach Aachen, zusammen ging es zum Grünen Weg zur Firma Scheins. Und da sorgte der Streik für reichlich Aufsehen - besonders bei der Scheins-Geschäftsführung: Denn die entfernten die Plakate und alarmierten die Polizei, die kurz darauf auch zur Stelle war.

Unsicheres Verhalten

Der erste Streik von Angestellten der Eisenwaren GmbH nach 140 Jahren sorgte indes für ein unsicheres Verhalten seitens der Geschäftsführung. „Man hat uns gedroht, dass unsere Kündigung morgen im Briefkasten liege”, verriet Petra Nierling vom Scheins-Betriebsrat. „Wir sind mal gespannt, ob wir unseren Job morgen noch haben. Man muss einfach sagen, dass das ein schlechter Stil ist.”

Zumindest nicht ganz stilsicher präsentierte sich kurz darauf die Geschäftsführung gegenüber unserer Zeitung. „Kein Kommentar” hieß die Antwort auf unsere Anfrage zunächst. Wenige Sekunden später äußerte sich Geschäftsführer Horst Schneider doch: „Den meisten Mitarbeitern ist der rechtliche Hintergrund gar nicht bekannt.

Ohnehin würde nur eine Handvoll unserer Angestellten von den neuen Tarifforderungen betroffen sein, nämlich die, die ab dem 1. Januar eingestellt wurden. Von denen habe ich keinen einzigen beim Streik gesehen. Zu den Behauptungen, wir würden morgen die Kündigungen herausgeben, kann ich nur den Kopf schütteln. Warum sollten wir alle Angestellten, die am Streik teilnehmen, kündigen? Da sehe ich wirklich keinen Grund zu”, so Schneider.

Während seiner Stellungnahme hatten sich die Gemüter am Grünen Weg ohnehin wieder beruhigt, was wohl daran lag, dass der Bus samt streikfreudiger Angestellter weiter in die Harscampstraße zog, wo der Streik an der Bezirksgeschäftsstelle von Verdi weiter ging.
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