„Street Festival“: Rennspektakel der Aachener Rotarier

Von: Matthias Hinrichs
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Mit „Schmackes“ über die Wippe: Auf der Rennpiste vor dem Hauptgebäude der RWTH zeigen nicht nur die Piloten des „Formula Student“ Teams ihr Können mit den neuartigen E-Karts. Foto: Michael Jaspers
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Schwenken und lenken für den guten Zweck: Olaf Wendt von „e.GO“ läutet am Mittag die erste Etappe einer wahren Hitzeschlacht ein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Okay, Eberhard Tilke lässt normalerweise etwas andere Kaliber auffahren. Mit seinem Bruder Hermann zeichnet der Mann beim Ingenieurbüro Tilke verantwortlich für die schönsten Kurvendiskussionen fernab aller Grundseminare für Maschinenbauer.

Tilke ist gerade zurück aus Baku, wo die Aachener Parcoursspezialisten schon wieder einen spektakulären Formel-1-Rekord in die Zielgerade gelotst haben – sage und schreibe 378 Sachen erreichte der schnellste Bolide beim Großen Preis in Aserbaidschan.

Aber das ist eine andere Geschichte. An diesem heißen Donnerstagnachmittag stehen im Herzen des Hochschulviertels weder Mathe- noch Formel-1-Kurse auf dem Plan. Motto: „Shared Space“ auf dem Templergraben war vorgestern – und Geschwindigkeiten jenseits der 30 wären für den guten Zweck durchaus gestattet. Schließlich hat sich der Rotary Club Aachen im Schulterschluss mit den Kart-Cracks von der „e.GO Mobile AG“ seinerseits ein ambitioniertes Ziel auf die Fahnen geschrieben.

Mindestens 10.000 Euro sollen am Ende des zweitägigen „Aachen Street Festivals“ für die Flüchtlingshilfe zusammenkommen, berichtet Rotarierer Harald Schmidt. Tilke und Co haben den sprichwörtlichen Boden dafür in jedem Sinne längst bereitet: Zwischen Super C und RWTH-Hauptgebäude wartet eine 320 Meter lange Slalom-Rennstrecke auf den (zumindest chronologisch) ersten Gewinner des Tages.

Der heißt Noah Nolte, ist gerade stolze zehn geworden – und, siehe da, hat seinen Konkurrenten vom „Formula Student“-Team Ecurie Aix der Hochschule ziemlich weit hinter sich gelassen. In 1:23,17 Minuten ist das Bürschchen mit seinem E-Kart durchs tückische Rondell auf Sandboden und über die heikle Holzwippe gebrettert, hat einen kleinen Ball ruckzuck per obligatorischer Wurfeinlage in einem Korb versenkt und (fast) alle Pilone im eleganten Slalom locker umkurvt.

Eine charmantere Werbung für die weltweit einzigartigen Pedelec-Vierräder kann sich wohl auch Chef-Moderator Olaf Wendt, seines Zeichens Marketing-Leiter bei „e.GO“, kaum denken. Denn der Clou der Aachener Karts besteht eben darin, dass deren Piloten nicht nur durch Muckis und Geschicklichkeit glänzen, sondern einen akkugeladenen Elektromotor zuschalten können, der ihrer Wadenkraft bis auf ein Tempo von 25 km/h zusätzlich Beine macht.

Trotzdem sollten die weiteren Teilnehmer mancher kulinarischen Versuchung am Rand des wahrhaft hitzigen Renngeschehens möglichst erst nach vollbrachter Endetappe erliegen. Einmal mehr darf sich derweil das zahlreich erschienene Publikum beim Boxen-Stopp an den Ständen des „Street Food“-Marktes laben. Und schon vor dem eigentlichen Kräftemessen ein imposantes Solo Marke Eigenbau bewundern: Die angehenden „Maschbauer“ von „Ecurie“ präsentieren zur Einstimmung quasi den letzten seiner Art aus der Abteilung Benziner.

Der Rennwagen, Baujahr 2013, 95 PS, 200 Kilo Lebendgewicht, würde seinen Fahrer Fabian Haas (23) in sagenhaften drei Sekunden auf Tempo 100 schubsen – wenn die wenigen Geraden im vertrackten Parcours das hergäben. Trotzdem: In Sachen „Formula Student“ setzen auch die jungen Konstrukteure jetzt nur noch auf Elektroantrieb – Ehrensache.

Apropos Ehre: Im Einzelrennen kann sich am späten Nachmittag Philipp Mohr nach exakt 1:00,1 Minuten ein Wochenende mit einem BMW-Mini als Hauptpreis sichern. Bis in den späten Abend dauert derweil die Slalom-Schlacht beim ersten Firmen- und Sponsorenrennen an (siehe Box). Vier „Cluster“-Teams vom RWTH-Campus und ihre denkbar mobilen Gegner aus den Immobilien-Rennställen von Landmarken AG, Derichs & Konertz, pbs Architekten und der Neßeler-Grünzig-Gruppe schenken einander nichts.

Aber den Rotariern – und den von ihnen unterstützten Projekten für asylsuchende Frauen und junge Migranten – jeweils mindestens 666 Euro Startgeld. Vielleicht können sich also auch Harald Schmidt und seine „Kollegen“ bald über einen neuen Rekord freuen – in Sachen Spenden, versteht sich.

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