Straßenlicht: Neutral oder doch warm?

Von: Albrecht Peltzer
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Warm und kalt nebeneinander: An der Ecke Gallierstraße/Kandelfeldstraße am Steppenberg stehen bereits erste Laternen mit den neuen LED-Leuchten in einer Reihe mit der alten Beleuchtung. Foto: Andreas Chichowski

Aachen. Aachen wird heller. Und gespart wird auch noch. Ob das eine insgesamt gute Nachricht ist, darüber streiten sich die Geister. Fakt ist: Rund sieben bis zehn Prozent der Straßenbeleuchtung in Aachen – es geht um die sogenannten Maiglöckchenlaternen – soll sukzessive auf LED umgestellt werden.

Die Verwaltung favorisiert ein von der Stawag ausgearbeitetes Modell, wonach in den Laternen sogenanntes neutralweißes Licht (Farbwert 4000 Grad Kelvin) zum Einsatz kommen soll. Das gibt es bereits an mehreren Stellen der Stadt, viele weitere sollen folgen.

Beispiel Rudolfstraße

Begründet wird dies in erster Linie mit geringerem Energieverbrauch und damit verbundenen Kostensenkungen. Ab 2019 sollen das laut Stawag 73.000 Euro im Jahr sein. Als positives Beispiel der Umrüstung führt die Stawag die Rudolfstraße an. Da standen bisher 39 „Lichtpunke“ im Abstand von 17 bis 22 Metern. Die Wartungskosten sollen 6240 Euro pro Jahr und die Stromnebenkosten 1200 Euro pro Jahr betragen haben.

Der Stromverbrauch wird mit 12.000 Kilowattstunden angegeben. Nach der Umrüstung auf LED sind es nur noch 21 Lichtpunkte im Abstand von 35 Metern, als Wartungskosten führt die Stawag 3360 Euro pro Jahr an (Stromnebenkosten 240 Euro pro Jahr). Diese Lampen verbrauchen im Jahr 2300 Kilowattstunden, steht in einer Präsentation der Stawag, die am Donnerstag auch im Mobilitätsausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor, Raum 170) gezeigt werden soll.

Wirtschaftlichkeit ist das eine Thema der Argumentationskette, Sicherheit eine andere. Die Kontraste in der Dunkelheit wären besser, die „Gesichtserkennbarkeit“ ebenfalls. „Man will doch schließlich sehen, wer einem da nachts entgegen kommt“, so Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenplanung und -bau bei der Stadt Aachen.

Die Argumentation der Verwaltung hat bei einem interfraktionellen Gespräch offenbar die Ratsmehrheit von CDU und SPD überzeugt. Laut Ye-One Rhie, mobilitätspolitische Sprecherin der SPD, sei die Darstellung „schlüssig“. Vor Ort – also in der Rudolfstraße – hätte man sich davon auch ein eigenes Bild machen können. Die Grünen hingegen wünschen sich laut Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig „nach wie vor eine vertiefende Untersuchung von 3000 Grad-Kelvin- und 4000 Grad Kelvin Leuchten.

„Dabei sollten natürlich auch die jeweiligen Kosten und der jeweilige Stromverbrauch vergleichend dargestellt werden.“ Die von der Stawag vorgelegte Präsentation werbe für die „unbestreitbar vorhandenen Vorteile der LED-Umrüstung. Die Betrachtung der von uns favorisierten Alternative fehlt allerdings auch darin“.

Das Schlafhormon

Dass das Thema umstritten ist, ist der Politik bestens bekannt. Schließlich haben sich Anwohner verschiedener Wohngebiete an die Fraktionen gewandt, um dafür zu werben, damit zumindest das sogenannte warmweiße Licht – der Farbwert liegt bei 3000 Grad Kelvin – verwendet wird. Das hat zwar nicht die Kostenvorteile der neutralweißen LED, kommt aber der bisherigen – von vielen als warm und angenehm empfundenen – gelblichen Straßenbeleuchtung näher.

„Das wichtigste bei der Farbtemperatur der Lampen ist die Gesundheit aller Mitbürger“, argumentiert ein Anwohner. Er verweist auf das Schlafhormon Melatonin. Dieses Hormon erzeugt der Mensch in der Dunkelheit. Die neuen LED seien aber so hell, dass man davon ausgehen müsse, „dass mehr Menschen unter Schlafstörungen leiden werden, weil sie wegen des hellen Lichtes weniger Melatonin produzieren“. Die reine Kostenargumentation dürfe nicht Grundlage politischer Beschlüsse sein. Zumal auch Geld gespart werden könnte, in dem man Straßenlaternen abschaltet. „Die Standdichte der Laternen an manchen Orten ist unsinnig hoch“, heißt es.

Ob der Mobilitätsausschuss am Donnerstag das Projekt Umstellung auf LED voranbringt, ist noch offen. Der Politiki, so heißt es in den Fraktionen, lägen noch keine entsprechenden Unterlagen der Verwaltung vor. Wahrscheinlich ist also, dass das Thema erst im Dezember wieder auf die Tagesordnung kommt.

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