Aachen - Straßenbau: Stadt glaubt, dass gepfuscht wurde

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Straßenbau: Stadt glaubt, dass gepfuscht wurde

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Streit um die Baustelle Templergraben zwischen der Stadt und dem Geilenkirchener Bauunternehmen Tholen hat schon für manche Schlagzeile gesorgt. Doch es kristallisiert sich heraus, dass dieser Fall nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs sein könnte.

Möglicherweise steht besagter Streit noch vor ganz anderen Dimensionen und einer Eskalation. Damit beschäftigte sich in nicht-öffentlicher Sitzung der Mobilitätsausschuss. Was die Politiker zu hören bekamen, konnte ihnen nicht gefallen.

Wenn es nämlich stimmt, was die Verwaltung glaubt, dann wäre in der Vergangenheit an mehreren Stellen gepfuscht worden.

Der Hintergrund: Vor einiger Zeit kam in anderen Kommunen der Verdacht auf, das Unternehmen habe schadstoffbelastetes Material für den Straßenunterbau eingesetzt. Die Firma selbst beruft sich auf ihrer Internetseite auf Expertisen, wonach diese Vorwürfe haltlos seien.

Man habe das Material bei der Krefelder Firma MAV gekauft und dann eingebaut. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach jedenfalls ermittelt zusammen mit dem Landeskriminalamt gegen beide Firmen – wegen des Verdachts umweltgefährdender Abfallbeseitigung und Betruges.

Als die Vorwürfe hochkochten, wurde auch der Aachener Verwaltung angst und bange, denn das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren mehrere Großbaustellen in der City abgewickelt. Also schaute die Stadt sich lieber mal den Untergrund dieser Straßen an. Gefunden wurden zum Glück keine Schadstoffe.

Aber: Teils soll statt der ausgeschriebenen und beauftragten Naturmaterialien viel billigerer Recyclingstoff verwendet worden sein.

Eine Reihe von Fragen unserer Zeitung dazu ließ die Verwaltung gestern unbeantwortet. Genauer in den Unterlagen nachschauen kann man ohnehin nicht. Das Landeskriminalamt ist nämlich auch bei der Aachener Verwaltung vorstellig geworden.

Sämtliche Akten zu Baustellen des Unternehmens seien „eingeholt“ worden, hieß es gestern. Ansonsten wolle sich die Stadt nur „sehr zurückhaltend“ äußern – wegen der laufenden Ermittlungen. Nur so viel: Es sei davon auszugehen, dass die betroffenen Straßen nicht erneuert werden müssten. Alle Ergebnisse hinsichtlich der untersuchten Straßen lägen noch nicht vor.

Die Stadt hat nach Informationen unserer Zeitung bisher noch keine Strafanzeige wegen Betrugsverdachts gestellt. Dem Vernehmen nach könnte dies aber noch folgen. Stadtpressesprecher Hans Poth dazu: „Die Frage, wie die Dinge rechtlich zu handhaben sind, wird zurzeit intensiv geprüft.“

Fakt ist jedenfalls, dass man das Unternehmen trotz der ersten Untersuchungsergebnisse am Templergraben weiterbauen ließ, wo es dann im Sommer zum großen Knatsch und zum Baustopp kam.

In diesem Zusammenhang ging es im Mobilitätsausschuss auch darum, dass das Bauunternehmen offenbar seinerseits Regressansprüche gegen die Stadt geltend macht – wegen des Baustopps. Hier sagt die Stadt, sie habe die Baustelle nicht stillgelegt. Vielmehr habe das Unternehmen die Arbeiten nicht fortführen wollen.

Firmengründer und Geschäftsführer Willi Tholen zeigte sich gestern Nachmittag auf Anfrage überrascht über die Diskussion: „Die Stadt hat bisher uns gegenüber keine Wünsche, Ansprüche oder Sonstiges geäußert.“

Und: „Wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben.“ Zwischen den streitenden Parteien scheint das letzte Wort jedenfalls – einmal mehr – noch nicht gesprochen.

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