„Stolpersteine” erinnern auch an Anne Frank

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Aachen. „Stolpersteine” nennt der Kölner Künstler Gunter Demnig die kleinen Gedenktafeln aus Messing, die er als Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort in den Bürgersteig einlässt.

In Aachen wurden inzwischen neun dieser Stolpersteine verlegt. Zwölf weitere - darunter die für Edith, Margot und Anne Frank - sollen im Juni gesetzt werden. Mit Zustimmung des Rates werden jetzt noch zwei neue „Stolpersteine” verlegt. Und zwar vor dem letzten bekannten und selbst gewählten Wohnsitz der Aachener Bürgerinnen Anna Amberg in der Salierallee 7 und Lili Frankenstein in der Triebelstraße 2 (früher Marktstraße). Die Verlegung ist auch hier für Juni geplant.

Anna Amberg wurde am 9. September 1886 in Aachen geboren, heiratete im Jahr 1911 den Elektrotechniker Dr. Richard Amberg und war Mutter von vier Kindern. 1913 wurde die ganze Familie evangelisch getauft. 1941 musste Anna Amberg ihr Haus verlassen und lebte bis 1942 beim letzten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Am 15. Juni 1942 wurde sie nach Sobibor deportiert und ermordet.

Lili Frankenstein, geboren am 9. November 1889 in Aachen, promovierte 1921 in Greifs-wald in Kunstgeschichte und wurde Studienrätin in Düsseldorf. 1933 wurde sie als Lehrerin entlassen und musste im Alter von 51 Jahren in das „Israelitische Altenheim am heutigen Kalverbenden einziehen. 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Izbica deportiert und dort ermordet.

Vor einigen Jahren kam Gunter Demnig zu der Überzeugung, der Opfer des Nationalsozialismus auf eine besondere Art zu gedenken. Er begann, kleine, für sich genommen noch unvollständige Messingplatten für die Gestaltung von Würfeln herzustellen. Er füllt sie mit flüssigem Beton und setzt sie in den Bürgersteig vor diejenigen Häuser, in denen die Menschen bis zu ihrer Deportation gelebt haben.

Es werden entsprechend individuell verschieden folgende Worte nach dem einleitenden Hier wohnte in die Oberfläche der Messingwürfel eingraviert: Vorname und Nachname, das Geburtsjahr, falls bekannt das Todesdatum sowie der Ort eines meist gewaltsamen Todes. - Ein Mensch ist nämlich erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist, so Gunter Demnig.

Der Rat der Stadt hatte bereits im Januar 2007 beschlossen, sich an dem europaweiten Projekt von Gunter Demnig zu beteiligen. Stolpersteine liegen heute in über 300 Orten in Deutschland, ebenso in Österreich, Ungarn und den Niederlanden.
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