Stolpern Kulturpläne im „Kartoffelacker“? „Akut“ weiter am Abgrund

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Die Parteien stecken quasi volle Kanne im Wahlkampfendspurt – für so manche freie Bühnentruppe zeichnet sich derweil längst die nächste extreme Durststrecke ab. Umso überraschter zeigten sich die Politiker im Kulturausschuss jetzt über neue Pläne, eine „Gestaltungswerkstatt“ inklusive Malschule für den kreativen Nachwuchs im Hof des Suermondt-Ludwig-Museums, auch Kartoffelacker genannt, einzurichten. Kostenpunkt: voraussichtlich rund 360.000 Euro.

Dies entspricht delikaterweise in etwa dem Betrag, den die gesamte freie Kultur dieses Jahr aus dem Stadtsäckel erhält.

Das Vorhaben birgt also, wenn auch längst nicht festgezurrt, reichlich Zündstoff; insbesondere angesichts der anhaltenden Debatte übers – finanzielle – Nachtschattendasein der „Freien“. Zumal die Initiative Akut, die mit dem Theater 99 seit fast drei Jahrzehnten die älteste unabhängige Bühne der Stadt betreibt, wirtschaftlich am Abgrund steht.

Unlängst hatte Akut-Vorsitzende Jutta Kröhnert einen nachdrücklichen Hilferuf an die Politik gesandt, der auf Antrag der Linken ebenfalls auf die Tagesordnung des Ausschusses gehoben wurde. Tenor: Ohne einen größeren Schluck aus der Zuschusspulle halte die Initiative nicht mehr lange durch. Im Ausschuss rannte sie dabei im Prinzip offene Türen ein.

Eine Entscheidung über weitere Unterstützung wurde allerdings auf September, ergo die nächste Ratsperiode vertagt. Zurzeit erhält Akut einen jährlichen festen Förderbetrag von 15.000 Euro. Damit, argumentierte Kröhnert, sei das vielfältige Engagement des Vereins keinesfalls länger zu stemmen.

Schultheater zum Erfolg geführt

Zumal die Schultheatertage – eine allseits gepriesene, höchst erfolgreiche Bildungsoffensive, die inzwischen aufs benachbarte Grenzland sowie Düren ausgedehnt wurde – federführend von Akut organisiert würden. Kurzum: Ohne personelle Flankierung, etwa eine Bürokraft, sei dies nicht mehr zu leisten.

Der Brandbrief dürfte folglich auch die längst mit Nachdruck geführte Grundsatzdiskussion über eine wesentlich bessere Ausstattung der freien Szene weiter befeuern. Im Tauziehen um Umverteilungen im städtischen Budget, unlängst angestoßen durch die Grünen, konkretisieren sich nämlich langsam, aber sicher zumindest die buchhalterischen Positionen. So präsentierte der Kulturbetrieb einen Überblick über die wichtigsten Vorhaben und Projekte für 2015 und Folgejahre – darunter besagte Gestaltungswerkstatt.

Auch die technische Ausstattung der Museen und der Stadtbibliothek wird demnach voraussichtlich mit etlichen hunderttausend Euro zu Buche schlagen. Zwar hat die Politik in Aussicht gestellt, dass die Freien mindestens zu 50 Prozent von nicht verausgabten Mitteln im Etat des Kulturbetriebs profitieren sollen – fragt sich nur, wie hoch die letztlich ausfallen.

Zwischenfazit: Weiterer Beratungsbedarf besteht beim heiklen Balanceakt zwischen „Institutionen“ und „Freien“ allemal – spätestens im Herbst: Die SPD kündigte an, ein Konzept zur verbesserten Unterstützung der Initiativen vorzulegen. Immerhin: Beschlossen wurde, den Zuschusssockel für den Verein Musikbunker von bislang 5000 auf 10.000 Euro anzuheben – die Mittel waren bereits Anfang des Jahres in Aussicht gestellt worden.

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