Stolper-Poller: Droht Gefahr für Radfahrer?

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
15038237.jpg
Ungleich: Am Moltketunnel lugen Gehäuse versenkbarer Poller Zentimeter aus dem Boden. Foto: Andreas Steindl
15038230.jpg
Am Tivoli hingegen wurde alles glatt in der Straße versenkt. Foto: Robert Esser

Aachen. Gemeingefährlich sollen sie sein, die zwei Poller vor und hinter dem Nadelöhr Moltketunnel. Weil sie selbst im heruntergefahrenen Versenkungszustand nicht ganz verschwinden, sondern jeweils einige Zentimeter aus der Straße ragen. Jahrelang hat das niemanden interessiert. Bis Radfahrer Herbert J. mobil machte – nachdem er dort kürzlich nach eigenen Angaben „um Haaresbreite“ einem schweren Sturz entkommen ist.

Denn: Wer mit Tempo gegen die Stahlkante stoße, plötzlich ausweichen müsse oder seitlich im spitzen Winkel die Plattform touchiere, könne einen womöglich schweren Sturz kaum vermeiden. In den Boden versenkt und automatisiert wurden die Poller am Tunnel im Jahr 2012 für einige zehntausend Euro, um zu Schulzeiten den Autoverkehr auszusperren. Es ist hier zu wenig Platz für Blech, Pedalritter und Passanten nebeneinander. „Seitdem liegen keinerlei Beschwerden über die versenkbaren Poller vor“, betont Stadtsprecher Bernd Büttgens auf AZ-Anfrage.

Hunderte Kinder und ältere Radfahrer würden den Tunnel Tag für Tag passieren – von irgendwelchen Stürzen oder Unfällen habe man von dieser Stelle nie gehört, sagt Büttgens. Und er stellt klar: „Die Bauart ist völlig regelkonform, da ist keineswegs etwas schiefgelaufen.“

Schräg sei allenfalls die Asphaltdecke – weswegen die geraden Kanten des viereckigen Stahlrandes an einer Seite naturgemäß etwas weiter aus dem Asphalt schauen. Der Stahlrahmen indes sei bei dieser Bauart unbedingt nötig, um die empfindliche Hydrauliktechnik im Inneren und im Boden vor Beschädigungen zu schützen.

Anderswo bietet sich dem aufmerksamen Beobachter übrigens das gleiche Bild. Schließlich wachsen an immer mehr Stellen in Aachen versenkbare Poller zeitweise aus dem Boden – zum Beispiel, um Lieferzonen für Autos und Lkw eben nur zu den Lieferzeiten befahrbar zu machen. Dies ist an der Ecke Hartmannstraße/Ursulinerstraße neben dem Elisengarten der Fall. Auch dort lugen die eckigen Stahlgehäuse einige Zentimeter aus dem Boden, selbst wenn die Zylinder (für 32.000 Euro montiert) komplett eingefahren sind. Aber dort fällt das offenbar wegen des umliegenden Kopfsteinpflasters noch weniger auf.

Auffällig ist jedoch, dass es sehr wohl Poller im Stadtgebiet gibt, die weder für Reifen, Felgen noch Verkehrsteilnehmer eine Hürde sind. Am Tivoli wurden versenkbare Poller so flach in die Asphaltdecke gepflanzt, dass man sie beim Überfahren mit dem Auto gar nicht und mit dem Fahrrad kaum spürt – wohlgemerkt: im versenkten Zustand. Älter als die Modelle in der Innenstadt sind die flachen Poller-Kandidaten nicht.

Die Stadt will nun – nachdem unser Leser Herbert J. sogar höchst offiziell gutachterliche Stellungnahmen wegen offener Versicherungsfragen in potenziellen Schadensfällen verlangt – die „Hubbelpoller“ am Moltketunnel noch einmal genau unter die Lupe nehmen. Büttgens: „Selbstverständlich nehmen wir jede Anregung, gerade wenn es um die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern geht, sehr ernst.“ Damit keiner daneben liegt – schon gar kein Radfahrer.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert