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„Stimme Tibets” voller Exotik und Spiritualität

Von: Lucy Breucha
Letzte Aktualisierung:
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Ausgezeichnet mit einem Grammy, gefördert und geschätzt vom Dalai Lama und Peter Gabriel: Die tibetanische Sängerin Yungchen Lhamo gastiert am Freitagabend in St. Paul an der Jakobstraße. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die intensive Stimme der kleinen, zierlichen Frau erfüllt die Kirche. Konzentriert und völlig ruhig lässt sie die Töne aus sich heraus strömen. Ihr Mund ist beinahe geschlossen, die Lippen bewegen sich kaum.

Yungchen Lhamo, auch „Stimme Tibets” genannt, gibt heute Abend im Rahmen des „across-the-borders-Festivals” 2010 ihr Konzert in der Kirche St. Paul. Fernöstlich und spirituell, so könnte man ihren Gesang einfach ausgedrückt bezeichnen.

Yungchen Lhamo singt meistens à capella. Ihre Lieder im traditionellen tibetanischen Stil handeln von ihrer Heimat, von Liebe, Familie und Weltkatastrophen wie dem 11. September. „Menschen benutzen die Religion, um andere Menschen zu töten. Das ist sehr traurig”, sagt Lhamo. Die Künstlerin, die selbst sehr religiös ist, findet inneren Frieden in Gebeten und Meditation. Die heutige Gesellschaft mit ihrer Maxime „höher, weiter, schneller” kann Lhamo nicht verstehen. „Wir nehmen uns so wenig Zeit hinzusehen. Wo führt diese Schnelllebigkeit hin?”, fragt sie.

Yungchen Lhamo hat eine bewegte Vergangenheit. 1989 flieht sie zu Fuß aus einem Arbeitercamp im chinesisch besetzten Tibet, wo sie seit ihrem fünften Lebensjahr in einer Teppichweberei arbeitet. Nach ihrer schwierigen Reise durch das Himalaya-Gebirge kommt Lhamo in Indien an. Dort hat sie die Gelegenheit, den Dalai Lama zu treffen und für ihn zu singen. „Ich hatte viel Glück”, erinnert sich Lhamo. Es ist auch der Dalai Lama, der die junge Künstlerin damals ermutigt, ihr Talent in die westliche Welt zu tragen.

Lhamo sieht sich dennoch nicht als Sängerin. „Ich wurde mit dieser Stimme beschenkt”, sagt sie. Ihr „Geschenk” hat Lhamo zu internationaler Bekanntheit verholfen. Ihr erstes Album „Tibetan Prayer” wird 1995 als bestes Weltmusik-Album ausgezeichnet.

Im Jahre 1997 gewinnt die Künstlerin mit dem Album „Tibet, Tibet”, das sie unter dem Real World-Label von Weltstar Peter Gabriel aufnimmt, einen Grammy. „Solche Künstler hat man nicht alle Tage da”, sagt Susanne Güntner vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen. Sie und der Leiter des Festivals, Rick Takvorian, fühlen sich sehr geehrt über den Besuch.

Lhamo lebt heute in New York. „Aber ich reise ohnehin meistens in der Welt umher”, sagt sie. Am liebsten würde die Künstlerin wieder einmal ihr Heimatland besuchen. Seit fast zwei Jahrzehnten ist sie nicht mehr dort gewesen. „Es kommt mir vor wie 100 Jahre”, sagt Lhamo.

Das Konzert findet statt am Freitag, 16.7., um 20 Uhr 30 in St. Paul, Jakobstraße/Ecke Trichtergasse. Karten kosten im Vorverkauf 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro (ermäßigt 13/15 Euro). Zwei weitere hochkarätige Gastspiele sind im Rahmen von „across the borders” am Wochenende zu erleben. Morgen, 20.30 Uhr, präsentiert das „TheatronToKosmo” eine multimediale Live-Performance. Soul und Weltmusik mit dem US-Ensemble „Epiphany Project” gibt es am Sonntag, ebenfalls 20.30 Uhr.
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