Stimme für die Psychoanalyse

Von: sil
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„Zeit allein heilt keine Wunden“: So lautet das Motto von Renate Gaspar (l.) und Marita Zander-Barts, die mit ihren Kolleginnen die Erinnerung an Anna Freud wachhalten wollen. Foto: Sarah Sillius

Aachen. Für Renate Gaspar ist es wie ein Knoten, der sich für Kinder und Eltern langsam löst. Der Moment, in dem sie die Ursache für ein Symptom findet, in dem klar wird, warum ein Kind Aggressionen zeigt oder Angstgefühle hat.

Gaspar arbeitet seit 25 Jahren als analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Aachen. Die „Reise in die innere Welt“, durch die Knoten gelöst und Symptome überflüssig werden, ist für sie bis heute faszinierend.

All das wäre aber nie möglich gewesen, hätte es Anna Freud nicht gegeben. Die jüngste Tochter von Sigmund Freud begründete in den 1930er Jahren als gelernte Pädagogin die Psychoanalyse des Kindes in Theorie und Praxis. 1938 emigrierte sie mit ihrer Familie und ihrem schon schwer kranken Vater nach London, wo sie mit Dorothy Burlingham ein Waisenheim für kriegstraumatisierte Kinder gründete. Für Gaspar und ihre Fachkolleginnen ist die Arbeit dieser oft vergessenen Pionierin eine wichtige Basis für die eigene Tätigkeit. Darum haben sie vor drei Jahren den Verein „Arbeitsgemeinschaft Anna Freud e.V.“ in Aachen gegründet. „Wir wollen der Psychoanalyse eine Stimme geben und einen Zugang für die psychoanalytische Arbeit mit seelisch kranken Kindern ermöglichen“, erklärt Gaspar. „Je früher eine seelische Krankheit behandelt werden kann, desto besser kann das Leben gelingen.“

Schon viele international renommierte Analytiker waren auf Einladung des Vereins in Aachen zu Gast: Ilany Kogan aus Israel, die über die Behandlung traumatisierter Migranten berichtete, Léon Wurmser, Spezialist für Borderline-Persönlichkeiten, oder zuletzt Hans Heinz Hopf, der über die Hyperaktivität von Jungen referierte. Darüber hinaus soll die analytische Fortbildung in Aachen durch Supervisionen – Fachgespräche – unter den Kollegen, in Seminaren für Studenten oder durch Praktika weiter gefördert werden. „In Zukunft wollen wir die analytischen Seminare auf Zielgruppen wie Hebammen, Kindergärtner Lehrer und auch Eltern erweitern“, sagt Gaspar. In Kooperation mit dem Fachbereich Sozialwesen an der Katholischen Hochschule Aachen wollen die Mitglieder weiterhin namhafte Fachreferenten gewinnen. So wollen sie den Bezugspersonen das nötige Hintergrundwissen vermitteln. Es gehe um therapeutische Probleme, zum Beispiel Essstörungen, und um aktuelle gesellschaftliche Probleme wie den wachsenden Leistungsdruck, der schon in der Grundschule beginne. „Die emotionale Förderung durch die Eltern, durch Kindergärten und Schulen ist von grundlegender Bedeutung“, sagt Gaspar. „Ohne diese Förderung ist eine intellektuelle Entwicklung des Kindes nicht denkbar.“ – Eine Meinung, die sicherlich auch Anna Freud geteilt hätte.

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