Aachen - Stilsicher und ausgewogen: Bachverein führt „Johannes-Passion“ auf

Stilsicher und ausgewogen: Bachverein führt „Johannes-Passion“ auf

Von: Pedro Obiera
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Glänzte mit Stilsicherheit und klanglicher Ausgewogenheit: Der Chor des Bachvereins beim Karfreitagskonzert in der voll besetzten Kirche St. Michael. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Während die Verdienste Felix Mendelssohn Bartholdys um Bachs „Matthäus-Passion“ allseits bekannt sind, wurde bisher kaum zur Kenntnis genommen, dass wir Robert Schumann die (Wieder-)Entdeckung der „Johannes-Passion“ zu verdanken haben.

1851 stellte der das Werk in Düsseldorf in einer Bearbeitung öffentlich vor, die der Düsseldorfer Komponist und Forscher Oskar Gottlieb Blarr unlängst rekonstruierte. Während der Aachener Domchor die Passion vor zwei Wochen in der heute geläufigen Fassung präsentierte, nahm sich der Aachener Bachverein am Karfreitag in der voll besetzten Kirche St. Michael Blarrs Schumann-Version vor.

Stärkere dramatische Schlagkraft

Anstelle des heute üblichen historischen Instrumentariums klingen Klarinetten und ein Hammerklavier an, die Choralzeilen werden durch hinzukomponierte, weich instrumentierte Übergänge verbunden und in der Reduktion der Arien ging Schumann zwar nicht so weit wie Mendelssohn, der gleich alle Arien eliminierte, deren Anzahl aber immerhin halbierte. Die Spieldauer reduziert sich damit um fast eine halbe Stunde. Das Ergebnis wirkt ebenso interessant wie befremdlich.

Einerseits erhält der zweite, direkt um den Tod kreisende Teil durch die Straffung eine erheblich stärkere dramatische Schlagkraft. Andererseits gehen etliche kontemplative Impulse verloren. Dafür gewinnen die durch die Zwischenspiele erweiterten Choräle an Gewicht. Und besonders auffällig: Das gesamte Klangbild erhält durch den reichlichen Einsatz von Klarinetten und Fagotten erheblich mildere Konturen als das der holzschnittartig herb gestrickten Originalfassung.

Ein tieferes Verständnis in die Strukturen und Botschaften des Werks kann die durch etliche Konzessionen an den Zeitgeschmack verwässerte Fassung zwar nicht vermitteln. Dennoch darf man Blarr und Georg Hage für das sonderbare Erlebnis dankbar sein. An der musikalischen Ausführung ist, wie gewohnt beim Bachverein, so gut wie nichts auszusetzen.

Der Chor kann in Sachen Intonationsreinheit, Stilsicherheit, klangliche Ausgewogenheit und Textverständlichkeit punkten, das Aachener Bachorchester stellte sich ebenso erfolgreich der ungewohnten Aufgabe, Frederik Kranemann füllte den stark arpeggierenden Part am Hammerflügel fantasievoll aus und auch für die Besetzung des Solistenquartetts hat Hage wiederum ein sicheres Händchen bewiesen.

Florian Cramer führte die Gewicht Umfang noch hinzugewonnene Evangelistenpartie mit sicherer Deklamation und kluger Gestaltung aus, die verbliebenen beiden Alt-Arien fanden in Elvira Bill eine Interpretin mit einer mühelos ansprechenden, technisch sauber geführten Stimme. Ein wenig unruhig wirkte die Stimme der Sopranistin Silke Schwarz und Raimund Nolte blieb den Worten des Christus nichts an stimmlichem Nachdruck schuldig.

Ein auch für versierte Bach-Freunde erhellender Beitrag mit reizvollen Überraschungen. Großer Beifall des Publikums.1851 stellte der das Werk in Düsseldorf in einer Bearbeitung öffentlich vor, die der Düsseldorfer Komponist und Forscher Oskar Gottlieb Blarr unlängst rekonstruierte. Während der Aachener Domchor die Passion vor zwei Wochen in der heute geläufigen Fassung präsentierte, nahm sich der Aachener Bachverein am Karfreitag in der voll besetzten Kirche St. Michael Blarrs Schumann-Version vor.

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