Aachen - Still ruht der See im Kronprinzenquartier

Still ruht der See im Kronprinzenquartier

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Ein See, aber keine Idylle: Auf dem Grundstück des alten Finanzamts an der Beverstraße, wo das Kronprinzenquartier mit 185 Wohnungen entstehen soll, tut sich derzeit nichts. Hinter den Kulissen wird über einen Verkauf des 60-Millionen-Projekts verhandelt. Foto: Andreas Schmitter
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Ein neues Wohngebiet auf 12 000 Quadratmetern: So soll das Kronprinzenquartier zwischen Goerdelerstraße (oben), Kronprinzenstraße (rechts) und Beverstraße (links) am Ende aussehen.

Aachen. Still ruht der See zwischen Bever- und Goerdeler-, Kronprinzen- und Bismarckstraße. Im Wortsinn. Wo einst das Finanzamt stand, nun das schmucke „Kronprinzenquartier“ hochgezogen werden soll und seit dem Abriss der früheren Tiefgarage ein großes Loch klafft, ist ein fast ebenso großes Gewässer entstanden.

Denn nach dem lange herbeigesehnten Start des 60-Millionen-Euro-Projekts, bei dem 185 neue Wohnungen entstehen sollen, am Ende des vorigen Jahres ist auf dem Areal vorerst wieder Stille eingekehrt. Und so wird das nächste Kapitel dieser beinahe schon unendlichen Geschichte rund um das 12.000 Quadratmeter große Grundstück geschrieben. Während vordergründig nichts passiert, geht es im Hintergrund durchaus hoch her. Das gesamte Projekt steht nämlich vor dem Verkauf.

Projektträgerin ist die „Kronprinzenquartier GmbH“, in der die Aachen-Würselener Bauunternehmung Quadflieg und die Kölner „GS Immobilien“ Partner sind. Quadflieg allerdings könnte alsbald von Bord gehen. Das bestätigt Geschäftsführer Georg Quadflieg auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir führen Gespräche mit Interessenten über eine Veräußerung – allerdings nicht erst seit gestern“, so der Aachener Bauunternehmer, der derzeit auch Großprojekte in Haaren und Brand realisiert. Besagte Interessenten, bei denen dem Vernehmen nach ein großes Hamburger Bau- und Immobilienunternehmen im Boot sein soll, seien „in Bezug auf einen Verkauf auf uns zugekommen“.

Entschieden sei die Sache aber noch nicht: „Es gibt keine unterschriebenen Verträge“, betont Quadflieg. Dennoch hat man bei der Stadt bereits den „Wechsel des Vorhabenträgers“ beantragt. Dazu sei man auch in der jetzigen Phase gemäß dem mit der Stadt geschlossenen städtebaulichen Vertrag verpflichtet. Mit diesem möglichen Wechsel wird sich am 28. August der Planungsausschuss zu beschäftigen haben. Und die Politiker werden auch noch über einen zweiten Punkt in Sachen „Kronprinzenquartier“ diskutieren. Aktuelle Planungen sehen vor, dass die mehr als 30 öffentlichen geförderten Wohnungen nicht mehr wie bisher vorgesehen über das Quartier verteilt, sondern in einem Gebäuderiegel vereint sein sollen.

Apropos Planungen. Auch da hat es offenbar zuletzt gehakt. „Wir waren mit unseren Planungen noch nicht so weit, wie wir eigentlich sein wollten“, berichtet Georg Quadflieg. Es habe noch an der einen oder anderen Stelle „Umplanungen“ gegeben. Quadflieg: „Jetzt sind wir aber so weit durch.“ Und warum dann überhaupt ein möglicher Totalverkauf? Hinter den Kulissen ist die Rede davon, dass die Vermarktung der Wohnungen bisher eher schleppend gelaufen ist. „Es läuft doch nie so, wie man es gerne hätte“, sagt Georg Quadflieg, was aber kein Ausdruck von Unzufriedenheit und auch kein besonderes Merkmal dieses Projekts sei, sondern Allgemeingültigkeit habe.

Seit zehn Jahren eine Brache

Wann es mit dem Bau des „Kronprinzenquartiers“ so richtig losgeht, wird wohl stark von den weiteren Verkaufsverhandlungen und auch von den Vorstellungen des potenziellen neuen Projektträgers abhängen. Die Anwohner würden sich wohl jedenfalls wünschen, dass die Geschichte dieser fiesen Brache endlich zu Ende geschrieben wird. Denn immerhin hat sie schon vor acht Jahren begonnen.

Damals wurde das PCB-verseuchte alte Finanzamt abgerissen. Dann wollte ein Investor dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW das Grundstück abkaufen und mit einem 22-Millionen-Projekt starten, das Wohnungen, Geschäfte und ein Hotel beinhaltete. Diese Idee musste nach bundesweit verbindlichen Gerichtsurteilen beerdigt werden, weil es keine Investorenausschreibung gegeben hatte. In den Jahren danach tummelten sich auf der Fläche im dichten Gestrüpp eher dunkle Gestalten, bis dann das „Kronprinzenquartier“ zumindest am Reißbrett aus der Taufe gehoben wurde.

Doch bis die Arbeiter irgendwann wieder anrücken, ruht dort weiter still der See. Wobei: So still ist der gar nicht. Reichlich Getier zappelt darin herum. So ist auf der Baustelle zumindest im Wasser reichlich Bewegung.

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