Aachen - Steuern verprasst? Im Ostviertel geht nichts über die Luxus-Bühne

Steuern verprasst? Im Ostviertel geht nichts über die Luxus-Bühne

Von: Robert Esser
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Tierisch einsam: Auf der umstr
Tierisch einsam: Auf der umstrittenen Bühne im Kennedypark spielen zuweilen Hunde, nicht aber Musikgruppen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Stell dir vor, du lässt den Steuerzahler 147.000 Euro für eine Luxus-Bühne im Kennedypark zahlen - und keiner steht drauf. Unvorstellbar? Mitnichten. Ein Jahr nach Fertigstellung der umstrittenen Faltdachkonstruktion im Aachener Osten fällt die Bilanz niederschmetternd aus.

Seit der Eröffnungsfeier am 17. Juni 2011 ging am 3. Juli - wie jedes Jahr - nur noch das Multikultifest in dem für eine Millionensumme sanierten Park über die Bühne. Danach wurde die nun nicht mehr ganz so neue Plattform, die jahrelang von Rot-Grün und Sozialarbeitern als unverzichtbares Element für kulturelle Integrationsarbeit im Ostviertel eingefordert worden war, zu keiner einzigen weiteren Veranstaltung genutzt. Dies hat die Stadt am Donnerstag auf AZ-Anfrage bestätigt.

Auf „Anlaufschwierigkeiten” folgt der Rückschritt für weitere Monate: „Die Verwaltung prüft derzeit, ob die Bühne am Kennedypark in das Gesamtkonzept der Nadelfabrik eingebunden werden kann”, erklärt Axel Costard vom Presseamt. Denn zwölf Monate nach der Fertigstellung des Designerstücks (mit Betonsockel inklusive eigens konstruiertem Ziehharmonika-Stahldach) und elf Jahre nach ersten „konzeptionellen" Überlegungen für die Errichtung einer Bühne im Kennedypark, liegt ein solches Nutzungskonzept offenbar immer noch nicht vor - und die teure Bühne brach. Wer ist verantwortlich? Als feurige Befürworter profilierten sich damals SPD und Grüne. Letztere überzeugten dann - nach kurzem Widerstand - auch ihren neuen Koalitionspartner, die CDU, von der Bedeutung des Projekts. Entgegen aller Bedenken segnete die Stadt diese Bühne mit dem Wert eines bescheidenen Reihenhauses und einer noch bescheideneren Grundfläche von 64 Quadratmetern ab.
Geplant war das alles natürlich ganz anders: Der Leiter des Spielhauses im Kennedypark, Helmut Reuling, sollte als sogenannter „Kümmerer” mit Schlüsselgewalt für den vandalismussicheren Faltdachmechanismus die Bühne betreuen. So warb Reuling noch im Juni 2011 enthusiastisch: „Die Bühne steht allen Einrichtungen, Vereinen, Musik-, Film- und Theatergruppen zur Verfügung. Und kann auch von Menschen genutzt werden, die sich in irgendeiner Form im sozialen oder kulturellen Bereich engagieren, auch über das Ostviertel hinaus.”

In der Praxis funktionierte davon nichts. Im Gegenteil: Man erkannte viel zu spät, dass Reuling mit der ehrenamtlichen Verantwortung für die Bühne überfordert sein musste - zeitlich, konzeptionell und versicherungstechnisch. Nach einem Jahr ohne Veranstaltungen zieht Reuling ein karges Fazit: „Die Bilanz kann man so oder so sehen. Es sind ja noch Events geplant.” Stimmt. Zum Beispiel am morgigen Samstag im Kennedypark: Der AStA der FH Aachen und der AStA der Katholischen Hochschule laden ab 13 Uhr zum „Festival contre le racisme” - mit großem Anti-Rassismus-Konzert. Sieben Bands spielen live - allerdings nicht auf der eigens dafür erfundenen 147 000-Euro-Bühne, sondern daneben: auf einer herkömmlichen Mietbühne. Die sei praktischer, besser platziert und kaum teurer als nur die Anmietung von Licht- und Tontechnik, teilen die Veranstalter mit. Denn Technikkosten fallen bei einer Bespielung der Kennedy-Bühne zusätzlich an. Deswegen hatte Richard Okon (OT Josefshaus) schon 2011 weitere 39. 000 Euro für feste Tontechnik erbeten - was die Stadt ablehnte.

Kritische Töne hört man auch in der Stadtteilkonferenz Ost (STK), die sich am Donnerstagnachmittag mit der Misere beschäftigte. STK-Sprecherin Heike Keßler-Wiertz zeigt sich da im Namen vieler Bildungsstätten, kulturellen und sozialen Institutionen und Initiativen des Quartiers äußerst unzufrieden. „Wir fühlen uns von der Stadt mit der Bühne allein gelassen”, klagt sie. Um Zuständigkeiten endlich zu klären, soll ein Arbeitskreis Kontakte zum städtischen Immobilienmanagement knüpfen. Der Fachbereich entscheidet über die Bühnen-Vergabe und diktiert die Nutzungsverträge.

Ein Konzept zur Bühnennutzung soll laut Costard bis Herbst stehen, das Management übernehmen dann womöglich neue Kräfte. Wobei die ursprünglich auf jährlich 680 Euro taxierten Betriebskosten steigen dürften. Denn: „Dazu soll auch Personal zur Verfügung gestellt werden”, erklärt er. So stelle es sich die Verwaltung vor.
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