Aachen - Steht das alte Poco-Gelände vor dem Verkauf?

Steht das alte Poco-Gelände vor dem Verkauf?

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Derzeit dominieren Schuttberge an der Ecke Prager Ring/Gut-Dämme-Straße, wo vor einem guten Jahr noch Muskelberge aufgebaut und Möbelstücke gelagert wurden: Nach AZ-Infos spielt der Eigentümer des Geländes, auf dem Poco und Selection Fitness Opfer eines Brandstifters wurden, mit dem Gedanken, das Areal zu verkaufen. Foto: Steindl

Aachen. Die Schuttberge verschwinden langsam vom Gelände an der Ecke Prager Ring/Gut-Dämme-Straße. Was bleibt, sind jede Menge Fragen. Wie geht es weiter an der Stelle, wo vor einem guten Jahr unter anderem ein großes Lager des Möbeldiscounters Poco und ein Studio von Selection Fitness in Flammen aufgingen?

Klar ist nur, dass bisher nichts offiziell klar ist. Nach AZ-Informationen spielt die bisherige Eigentümerin des Geländes, eine Vermögensverwaltung mit Sitz in Berlin, mit dem Gedanken, das Gelände zu verkaufen. Eine offizielle Anfrage unserer Zeitung hat das Unternehmen am Montag nicht beantwortet. Fakt ist aber: Zumindest Poco scheint nicht mehr an den alten Ort zurückkehren zu wollen.

„Wir sind sehr glücklich mit dem neuen Standort“, teilte Poco-Unternehmenssprecher Thomas Horschler der AZ mit. An einen erneuten Umzug, auch wenn das alte Gelände wieder hergerichtet sei, denke man zur Zeit nicht. Nach dem Brand Anfang Juni 2015 hatte Poco recht schnell Ersatz gefunden in den ehemaligen Max-Bahr-Hallen zwischen Breslauer Straße und Elsassstraße. Diese hatten zuvor monatelang nach der Pleite der Baumarktkette leergestanden.

Anders stellt sich unterdessen die Situation der Selection Fitness GmbH dar. Deren Geschäftsführer Reinhard Hennen sagte gegenüber der AZ: „Wir möchten gerne am gleichen Standort wieder eine Fitness-Anlage eröffnen.“ Jedoch befinde sich auch bei den Fitnessexperten vieles im Schwebezustand aufgrund der ungeklärten Frage zur Zukunft des Grundstücks. Für das liegt bei der Stadt derzeit lediglich ein Abbruchantrag vor, wie Axel Costard vom Presseamt bestätigt. Und dieser beziehe sich auf die durch den Brand stark beschädigten Hallen des Poco-Lagers und des Fitnessstudios. Das angrenzende Gebäude, in dem eine Soccerhalle untergebracht war, bleibt stehen. „Einen Bauantrag gibt es jedoch nicht“, so Costard. Die Abrissarbeiten, bei denen inklusive des Fundaments alles entfernt wird, schreiten unterdessen voran.

Für Poco scheinen alle künftigen Entwicklungen an alter Stelle keine Rolle mehr in den Planungen zu spielen. Mit dem Umzug des Lagers (das Verkaufshaus steht weiterhin an der Gut-Dämme-Straße) in die ehemalige Max-Bahr-Immobilie konnten die Kapazitäten sogar erhöht und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden. „Wir waren damals glücklich, dass wir so schnell eine Lösung gefunden haben und sind es immer noch“, sagt Sprecher Horschler.

Fitness-Kette investiert Millionen

Der Verlust des großen Studios am Prager Ringer hat die Selection Fitness GmbH hart getroffen. „Für einige langjährige Mitarbeiter war es sehr traurig, dass die Arbeitsplätze nicht erhalten geblieben sind“, bedauert Reinhard Hennen. Hinzu kamen schwierige, mittlerweile aber abgeschlossene Verhandlungen mit der Versicherung und das Problem, dass Kunden nicht mehr am gewohnten Standort mit einem Fitnessangebot versorgt werden konnten. Und obwohl man in Folge des Großbrands zunächst einige Kunden verloren habe, zieht Hennen ein gutes Jahr nach der Katastrophe eine durchaus versöhnliche Bilanz.

So habe man den Standort an der Roermonder Straße für einen siebenstelligen Betrag zu einem „Selection Fitness Center der Extraklasse ausgebaut“. Ebenfalls komplett renoviert und erweitert wurde gerade erst das Center an der Weststraße. „Diese beiden Center begeistern nicht nur die dortigen Kunden, sondern sie haben auch viele Kunden des Standortes am Prager Ring angezogen“, freut sich Hennen über eine seit Monaten spürbare Rückkehrerquote.

Alles andere als erfreut zeigt sich Hennen aber über die Konsequenzen, die der Verursacher vom zweitgrößten Brand in Aachen in den vergangenen 30 Jahren tragen muss. Der Brandstifter und Poco-Erpresser, ein 43-jähriger Mann aus Lohmar, ist im November 2015 vom Kölner Landgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. „Wenn man ein Unternehmen mehr als 20 Jahre aufgebaut hat, ist es schon sehr schmerzlich, wenn durch die Tat eines Erpressers alles in einer Nacht zerstört wird“, hegt Hennen zumindest Zweifel am gefühlten Gerechtigkeitssinn in Bezug auf andere Straftaten. Das Gericht sprach in seinem Urteil damals von einem entstandenen Schaden von mindestens 8,5 Millionen Euro. Beteiligte gehen davon aus, dass dieser jedoch insgesamt eher bei etwa 20 Millionen Euro liegt.

Beim Feuer am Prager Ring handelte es sich – bis zum WZL-Brand in diesem Frühjahr – um das größte in Aachen seit 30 Jahren. 220 Kräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr waren in den frühen Morgenstunden des 1. Juni 2015 im Einsatz.

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