Aachen - Stawag: Neuer Wind statt Millionenflops

Stawag: Neuer Wind statt Millionenflops

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
windbild
Strom für über 14000 Haushalte aus dem Münsterwald? Der Standort an der Himmelsleiter nahe Roetgen könnte eine der künftigen „Konzentrationsflächen” für Windenergie in Aachen werden. Pläne für neue Windparks hat die Stawag schon in der Schublade.Quelle: Stawag/Montage: Horst Thomas

Aachen. Millionen hat die Stawag mit Experimenten verbrannt. Soviel steht mittlerweile fest. An den Start gebracht worden waren diese Projekte noch vom vormaligen Vorstand. Die Stadtwerke müssten sich in diese Richtung entwickeln, um auch künftig im Konzert der Großen mithalten zu können, hieß es damals.

Ergebnis: Das rund 17 Millionen Euro teure Holzpelletwerk in Vossenack wurde zum Totalflop - ganz davon abgesehen, dass die Staatsanwaltschaft immer noch ermittelt, ob bei diesem Projekt gemauschelt wurde. Schließlich war ein Grundstück im Wert von wenigen hunderttausend Euro für rund drei Millionen Euro gekauft worden.

Die Anlage funktionierte nicht einmal vernünftig und wurde Anfang des Jahres nach Bayern verkauft - für einen Dumpingpreis zwischen einer und zwei Millionen Euro. Ebenfalls ein Millionengrab wurde eine Biogasanlage bei Kerpen, deren Technik alles andere als top war. Beerdigt wurde das Projekt „Holzkraftwerk in Melaten”, das mit einem Aufwand von 27 Millionen Euro errichtet werden sollte. 2007 ging zwar eine erste Pilotanlage des Herstellers in Betrieb, doch diese liefert keine befriedigenden Ergebnisse. Die Stawag zog die Reißleine. Da war allerdings schon eine siebenstellige Summe in Vorbereitungen und Lizenzgebühren geflossen. Zum Glück macht die Stawag wenigstens mit ihrer Beteiligung an einem Gaskraftwerk in Hamm satte Gewinne.

Auf weitere Nackenschläge hat der seit Mitte 2008 amtierende neue Vorstand keine Lust. Dr. Christian Becker und Dr. Peter Asmuth sagen denn auch: „Wir werden nur noch auf Technologien setzen, die sich in der Praxis bewährt haben.” Was allerdings keineswegs bedeutet, dass sich die Stawag aus dem Feld der regenerativen Energien zurückziehen will. Ganz im Gegenteil. Für etliche Projekte laufen die Vorbereitungen. Investitionen im zweistelligen Millionenbereich will man zusammen mit Partnern stemmen. Zigtausend Haushalte sollen ihren Strom aus Wind und Sonne beziehen. Erklärter politischer Wille ist das in der Stadt ohnehin. Zum Beispiel im schwarz-grünen Koalitionspapier ist der Ausbau der regenerativen Energie in Aachen fest verankert.

Formelle Vorbereitungen sind jüngst auf den Weg gebracht worden. Dazu gehört die Änderung des Flächennutzungsplans, der demnächst mehrere „Konzentrationsflächen” für Windenergie ausweisen könnte. Anvisiert hat man dabei Flächen im Bereich Münsterwald nahe der Himmelsleiter, im Bereich Nonnenhof und Schlangenweg sowie bei Horbach, speziell auf Avantis. Ob überall dort tatsächlich Windräder gebaut werden können, steht noch in den Sternen. Die Verfahren werden Jahre dauern. Für den Münsterwald soll in den kommenden Tagen ein „faunistisches Gutachten” auf den Weg gebracht werden, um mögliche Auswirkungen auf die dortige Tierwelt zu untersuchen.

Die Stawag hat für den „Tag X” Pläne in der Schublade. Im Münsterwald könnten acht Anlagen gebaut werden. Am Schneeberg wären sieben und in Horbach vier Anlagen möglich. Zusammengenommen könnten diese Anlagen Strom für rund 30.000 Haushalte - und damit für ungefähr jeden fünften Abnehmer - erzeugen. Im Bereich der Sonnenenergie plant die Stawag noch für dieses Jahr eine größere Dachanlage in Hameln, die etwa so groß ist wie die neue Anlage auf dem Dach der Aseag-Bushalle. Außerdem soll noch eine große Freiflächen-Anlage gebaut werden. Möglicherweise könnte diese in Camp Hitfeld gebaut werden und wäre die größte je in Aachen errichtete Photovoltaik-Anlage. Das ist auch noch Zukunftsmusik und wäre laut Christian Becker von Bedingungen - etwa der Frage nach der Beseitigung der Altlasten - abhängig. Weitere zig Millionen wird die Stawag in Sachen Campus Melaten und Westbahnhof investieren. Die Stadtwerke werden das Megaprojekt mit Fernwärme versorgen.

Alle diese Projekte sollen die Einnahmen stabilisieren, um so gute Preise im harten Wettbewerb machen zu können. Es soll ein anderer Wind wehen, und über der Lombardenstraße soll die Sonne scheinen. Wörtlich.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert