Stawag buddelt sich durch Geschichte des Kanalbaus

Von: Oliver Schmetz
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Der Einstieg zur unterirdischen Kanalsanierung im Hof: Schon in einem Meter Tiefe sind die Archäologen auf etliche Funde gestoßen. Die Baumaßnahme dürfte sich nun verzögern. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Auf dem Weg zu ihren eigenen sanierungsbedürftigen Kanälen muss sich die Stawag im Hof erst einmal durch die Geschichte des Kanalbaus graben: Schon knapp unter dem Kopfsteinpflaster haben die Archäologen zwei Natursteinkanäle aus der frühen Neuzeit freigelegt – was schon mal passieren kann, wenn man im Herzen der Aachener Altstadt anfängt zu buddeln.

Und wenn man sich dann auch noch im „Zentrum des römischen Aachens“ befindet, wie Grabungsleiterin Maya Stremke betont, bleibt es nicht bei einzelnen Entdeckungen: Neben den Kanälen aus dem 16. oder 17. Jahrhundert hat man einen spätmittelalterlichen Krug, römische Scherben und Ziegel und nicht zuletzt Teile eines römischen Wandputzes gefunden.

Von einer „sehr komplexen Fundlage“ spricht Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic bereits, obwohl die Archäologen erst seit zweieinhalb Wochen graben und gerade einen Meter in die Tiefe vorgedrungen sind. Der Kanal, zu dem die Stawag das Einstiegsloch buddelt, um ihn dann unterirdisch zu sanieren, liegt in fünf Metern Tiefe. „Es ist zeitlich nicht einzuschätzen, wann wir da ankommen“, sagt Grabungsleiterin Stremke. Womit die Stawag ihre ursprüngliche Zeitplanung für die Kanalsanierung im Hof eigentlich wieder begraben kann. Auf zwölf Monate taxiert Bauleiter Jochen Bonné die Dauer der Maßnahme, falls es nicht zu Behinderungen durch die Archäologie komme – was nach den ersten Funden schon überholt ist.

Dass die Archäologie Vorrang hat und alle Entdeckungen säuberlich dokumentiert werden müssen, ist an dieser Stelle ohnehin klar. Der Bereich gehört zum eingetragenen Bodendenkmal Pfalzbezirk, in dem jeder Eingriff genehmigungspflichtig und einer strengen Abwägung unterworfen ist. In diesem Fall ist der Eingriff notwendig, denn die Kanäle, die die Stawag sanieren will, sind selbst fast schon archäologische Schätzchen. Sie stammen aus den Jahren 1895 und 1900. Und selbst wenn das Ganze länger dauert als geplant, dürfte sich für die Anwohner das Leiden in Grenzen halten. Denn die Größe der überschaubaren Baustelle am Eingang zur Jugendkirche „karfanaum“ soll sich nicht verändern, da in Bergbau-Manier unterirdisch gearbeitet wird. Dieses ungewöhnliche und teure Vorgehen – Kostenpunkt: etwa eine Million Euro für 150 Meter Kanäle – habe man gewählt, um die Geschäftsleute zu schonen, mit denen man sich sehr eng abstimme, sagt Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen.

„Den Boden als Archiv schützen“

Die Bergbau-Variante sagt aber auch den Archäologen zu. „Wir wollen den Boden als Archiv schützen“, freut sich Stadtarchäologe Pavlovic darüber, dass möglichst viele Relikte im Boden bleiben und nur wenig zerstört wird. Auch wenn da zwei Herzen in der Brust des Archäologen schlagen – denn graben tut man in seiner Zunft schließlich auch gerne. Und so erwartet Pavlovic am Einstiegsloch auch noch einiges auf dem Weg zu den Kanälen in fünf Metern Tiefe. Aus früheren Grabungen weiß man von Resten römischer Fachwerkhäuser. „Vielleicht erfahren wir noch Spannendes über die Gründungsphase des römischen Aachen“, hofft der Stadtarchäologe. Und eventuell entdeckt man ja auch noch ein paar – sanierungsbedürftige – römische Kanäle.

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