Statt Döner und etwas Spaß ein Durchschuss

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Zwei Zeugen, die seinerzeit vor Ort dabei waren, haben gestern vor dem Aachener Schwurgericht zu jenen Vorfällen am 26. Juli am Kennedypark ausgesagt, bei denen in den frühen Abendstunden drei Personen durch Schüsse verletzt worden waren.

Niemand habe damals zunächst gewusst, woher das Pistolenfeuer gekommen und wer der Täter gewesen sei. Die Geschehnisse trafen eine Gruppe von gewaltbereiten Mitgliedern oder Sympathisanten der Rockergang „Black Jackets“, die selber mit Gaspistolen, Baseballschlägern und Stangen bewaffnet das Gebiet rund um den Elsassplatz im Aachener Ostviertel unsicher machten.

Einen glatten Durchschuss am Oberarm trug beispielsweise ein 19-Jähriger Mann aus Würselen davon, der zunächst, wie er gestern freimütig vor dem Schwurgericht schilderte, durchaus erwartungsfroh (weil endlich mal was passierte) dem Trupp der teils vermummten Schläger hinterherlief. „Ich war mit meinem Freund bereits nachmittags mit dem Bus nach Aachen gekommen“, berichtete er.

Da muss der Richter schmunzeln

Die kleine Reise sei des Öfteren angesagt gewesen, „weil es da in der Elsassstraße einfach die besten Döner gibt“, brachte er den Vorsitzenden Richter Arno Bormann zum Schmunzeln. Zunächst hatten die Ermittler damals vermutet, der 19-Jährige gehöre auch zu der wilden Horde von Black Jackets, die den Berichten zufolge durchaus damals im Viertel Menschen verfolgten.

Doch das Verfahren gegen ihn wegen Landfriedensbruchs war schnell wieder eingestellt worden – die Ermittlungen ergaben, dass er tatsächlich nur ein Döner und ein wenig Spaß am Kennedypark haben wollte. Er berichtete, dass er an dem Sommerabend plötzlich Schüsse gehört hatte. Daraufhin sei die Spitze der Truppe abrupt umgekehrt, erinnerte er sich. „Und dann merkte ich, dass mein Ellenbogen warm wurde“, beschrieb er dem Gericht die Szenerie. Sekunden später habe er dann die Löcher ins seinem Jackenärmel bemerkt: In der Tat hatte eine Kugel das Kleidungsstück und seinen Arm durchlöchert, der junge Mann ließ sich sofort zur Behandlung ins Luisenhospital fahren.

In blinder Panik geschossen?

Dass der auf der Anklagebank sitzende Feras A. (33) aus Panik vor der Rocker-Horde einfach blind in die Menge geschossen haben soll, davon wusste er damals nichts. Die Sicht des wegen versuchten Totschlags angeklagten Feras A. bestätigte gestern der 26-jährige „beste“ Freund des 33-Jährigen. Der hatte mit dem Angeklagten wenige Monate zuvor die Konkurrenztruppe „United Tribunes“ gegründet.

Feras A. sei gerade „Getränke holen“ gewesen, als die Horde gekommen sei, berichtete der 26-Jährige dem Gericht. Er selber sei dann ins Haus geflohen, aus Angst vor einem Racheakt der Rocker. Genau das hatte auch der Angeklagte angeben und wortreich erklärt, dass er nur seine Familie, die Lebensgefährtin und die zwei Kinder, habe schützen wollen. Und dann seine Pistole geholt und geschossen habe. Der Prozess geht am 28. Januar weiter

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