Statistikfehler: Mehr Geld für Spitzenbeamte

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Euro / Geld / Scheine / Münzen
Spitzenbeamte bekommen mehr Geld, weil Aachen über 250.000 Bürger hat - aber dem widerspricht das Einwohnermeldeamt. Foto: dpa

Aachen. Dank dauerhaft fehlerträchtiger Einwohnerstatistiken verdienen Aachens Spitzenbeamte weiterhin Höchstgehälter. Zum Beispiel der Oberbürgermeister.

In Städten, die zwischen 250.000 und 500.000 Bürger zählen, wird der OB nach Besoldungsstufe 10 entlohnt - das ergibt einen Grundgehaltssatz von 9768,74 Euro pro Monat.

So ist das nach Auskunft der Stadtverwaltung auch in Aachen seit 2004 geregelt, weil das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) seitdem für die Kaiserstadt über eine Viertelmillion Einwohner berechnet hat.

Für 2008 weist die LDS-Statistik sogar 259.030 mit Hauptwohnsitz gemeldete Menschen auf. Doch jetzt wird´s dubios: Das Aachener Einwohnermeldeamt schwört nämlich, dass hier lediglich 242.910 Hauptwohnsitze (plus 3032 Nebenwohnsitze) registriert sind.

Dies sind nicht nur 16.120 Einwohner (so viel wie ganz Eilendorf) weniger als in der Düsseldorfer LDS-Statistik, sondern deutlich unter 250.000. Und damit müssten alle sechs Wahlbeamte der Stadt - also Oberbürgermeister, Stadtdirektor und Beigeordnete - eigentlich eine Besoldungsstufe zurück rutschen.

Da gibt´s für den OB nach B9 noch 8291 Euro - monat- lich ca. 1477 Euro weniger als nach B 10. Stadtdirektor und Beigeordnete - gut besoldet mit 6686,55 Euro (B5) bis 7064 Euro (B 6) - müssten auf rund 400 Euro verzichten.

Dennoch: Trotz dieser widersprüchlichen Einwohnerzahlen bleibt nun besoldungsmäßig in Aachen alles beim Alten - auch wenn hier die Bevölkerung Jahr für Jahr weiter schrumpft.

„Nach unseren Berechnungen, die wohl auf schon auf falschen Datensätzen nach der Volkszählung 1987 fußen, geben wir Aachens Einwohnerzahl deutlich über 250.000 an”, sagt LDS-Sprecher Leo Krüll. „Wir haben schon mehrfach versucht, die Fehlerquelle zu finden, die zu der Differenz von mehr als 15.000 Einwohnern führte - bislang ist das gescheitert”, gibt der Düsseldorfer Statistiker zu.

Ein präziser Registervergleich zwischen Landeshauptstadt und Westzipfel sei erst mit der nächsten Volkszählung angedacht, sagt Krüll.

So darf sich Aachen weiter über höhere Landeszuschüsse jenseits der Viertelmillion-Einwohner-Marke freuen. Und Spitzenbeamte erhalten auch nach den Kommunalwahlen höhere Gehälter - obwohl das hiesige Einwohnermelderegister über 7000 Hauptwohnsitze weniger aufweist, als für höhere Gehaltsstufen nötig wären.

„Wir sind verpflichtet, uns nach den Düsseldorfer Zahlen zu richten”, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Ein Ende der statistischen Fehlerkette ist nicht in Sicht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert