Starkes Klangerlebnis mit echtem Tiefgang

Von: Lilia Felde-Ritz
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Lieferte ein eindrucksvolles Klangerlebnis in der Aula der RWTH: Das Collegium Musicum, das gleichzeitig seinen Dirigenten Hub. Pittie verabschiedete. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Einen sehr beachtenswerten, programmatischen und musikalischen Akzent setzte das Collegium Musicum, Hochschulchor und -orchester der RWTH Aachen, mit den beiden jüngsten Konzertveranstaltungen.

Ungewöhnlich war nicht nur der inhaltliche Leitgedanke, sondern es handelte sich zugleich um das Abschiedskonzert des langjährigen und geschätzten Dirigenten Hub. Pittie. Dies verlieh der gesamten Veranstaltung eine ganz besondere Note und Nachwirkung.

Ausgesprochen groß war der Zuspruch von Studierenden, Lehrenden und Musikfreunden in der Aula der RWTH Aachen, die alle dem Musikgenuss entgegen fieberten. Im Mittelpunkt der Konzertveranstaltung stand zweifelsohne das meisterhafte Werk von Michael Tippett: „A Child of Our Time“, Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester.

Tippett, ein britischer Komponist, dessen Werke nur selten zur Aufführung gelangen – wenn überhaupt, dann erklingt in der Regel genau dieses Oratorium. Zur Erschaffung des Werks bewegten Tippett die tragischen Ereignisse der Pogromnacht vom 9. November 1938. Die textliche Grundlage liefert der gegen die Nazis gerichtete Roman „Ein Kind unserer Zeit“ von Odon von Horwarth.

Thema Krieg und Verfolgung

Weshalb fiel nun programmatisch die Wahl von Pittie auf das komplexe Werk, Tippetts Oratorium? Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Als Hub. Pittie 1995 die Leitung des Collegium Musicum übernommen hatte, so war damals seine erste Aufführung das „50 Jahre-Kriegsgedächtnis-Konzert“. Nun, 20 Jahre später, hat er sich entschlossen, das Thema Krieg und Verfolgung erneut aufzugreifen, da er starken Bezug zu den gegenwärtigen Entwicklungen in der Welt (Syrien und Ukraine) sehe.

Des Weiteren hält Pittie die Auseinandersetzung von jungen Menschen, die noch nie einen Krieg erfahren haben, mit diesem Thema für enorm wichtig. Es hat sehr anregende und wichtige Diskussionen mit den Mitwirkenden während der Vorbereitung gegeben.

Vier Monate dauerte die intensive Einstudierung des Oratoriums. In zahlreichen, akribischen Proben erfolgte die Detailarbeit an tonalen und atonalen Passagen – für ein Laien-Ensemble eine echte Herausforderung. Und es hat sich gelohnt!

Mit Feingespür und stilistischer Sicherheit führte Pittie den 120 Stimmen starken Chor, die 60 Instrumentalisten und das Solistenquartett. Gut einstudierte Arien, Rezitative und Chorstücken folgen im Wechsel aufeinander und lassen zum Teil an die Bachschen Kirchenpassionen erinnern. Besonders reizvoll ist der Einsatz von swingenden, amerikanischen Spirituals, die als Kontrapunkt zu den Chorälen erstrahlen.

Ausgezeichnete Solisten

Eine ausgesprochen gewinnende Unterstützung erhielten der Chor und das Orchester der RWTH Aachen durch die stimmlich ausgezeichnet besetzten Vokalsolisten (Larisa Vasyukhina, Sopran/ Yvonne Schiffelers, Alt/ Pascal Pittie, Tenor/ Eui Hyun Park, Bass).

Große emotionale Dichte, gut geführte musikalische Spannungsbögen und ein differenzierter Einsatz von Dynamik waren deutlich zu hören, damit zogen die Solisten das Publikum in ihren Bann. Bei der fugenartigen, thematischen Verarbeitung und den rhythmisch sehr komplexen Stellen gerieten die tiefen Streicher hin und wieder an ihre technischen Grenzen. Aber es handelt sich ja auch um wahrlich schwere Kost.

Mit diesem eindrucksvollen Konzert verabschiedet sich nun Hub. Pittie von der aktiven Arbeit als musikalischer Leiter vom Collegium Musicum. Und er kann auf eine sehr erfüllte Zeit zurückblicken: „mit jungen Menschen arbeiten zu können, ist ein Geschenk ...“

Was bleibt: ein sehr lohnendes Hörerlebnis mit jungen Instrumentalisten und Sängern, das zum Nachdenken und Innehalten anregt.

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