Starke Leistung im Ein-Mann-Stück: Premiere des „Phosphor-Theaters“

Von: Julia Kessen
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Liefert eine grandiose Leistung ab: Stefan Peters spielt im neuen Stück des Phosphor-Theaters den „Erreger“. Das Publikum wird bei dem Ein-Mann-Stück einbezogen und zeigte sich begeistert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Publikum sitzt ungeduldig auf den Stühlen. Aufgeregtes Gemurmel geht durch den Raum. Als das Licht ausgeht wird aus dem Gemurmel ein Flüstern. Ein letztes Räuspern im Zuschauerraum, das Schauspiel beginnt.

Mit seiner Präsenz auf der Bühne und seiner starken Stimme zieht Stefan Peters das Publikum bei der Premiere des Phosphor-Theaters erbarmungslos in seinen Bann. „Erreger“ ist ein Stück, das den Zuschauer siebzig Minuten fesselt und nicht mehr los lässt.

Es geht um einen Börsenmakler, einen „Trader“, der in Quarantäne kommt und vollkommen sich selbst überlassen wird. Die Zuschauer können mit ihm zusammen herausfinden, was mit diesem einsamen Mann eigentlich gerade passiert. Es ist eine intime Ein-Mann-Performance, die herausfordert. Zunächst wird man regelrecht hypnotisiert von der Kraft und der Gelassenheit dieses Mannes auf der Bühne. Im nächsten Moment wird man herausgerissen aus seiner Hypnose, weil sich einem ein brüllender, wütender und nervöser Mann präsentiert. In diesem Stück geht es um einen Mann, der sich in einer ausweglosen Lage befindet, was ihm völlig fremd ist. Bisher war er immer ein Gewinner, er war nie krank. Er hat Gewinne gemacht. Er war ein Gewinner!

Doch jetzt? Er weiß nicht, was mit ihm geschieht. Völlig hilflos sucht er nach Antworten, nach Gründen für seine „Einzelhaft“. Zusammen mit dem Publikum geht er zurück in seine Kindheit, wo er die Ursachen für seine missliche Lage zu finden glaubt. Er ist davon überzeugt, dass er weich geworden ist, dass er viel zu emotional geworden ist. Er muss sich konzentrieren und wieder zu gewohnter Rationalität kommen.

In diesem Stück von Albrecht Ostermaier, das nun von Raphael Fachner neu inszeniert und durch die schauspielerische Leistung von Stefan Peters zum Leben erweckt wurde, geht es um einen einsamen Mann, der die fehlende Liebe in seinem Leben durch Erfolg ersetzt hat. Es ist ein Stück, das keinen Zuschauer kalt lassen kann. Ein Stück, das herausfordert. „Verdiene Geld! Verdiene es, wenn nötig, irgendwie!“ ist der Schlüsselsatz in diesem Stück. Und das zeigt, wie aktuell dieses Thema ist. Die Welt wird immer schneller, immer lauter, es geht immer höher, schneller, besser, weiter.

Und dass Fachner mit dieser Inszenierung den Zahn der Zeit getroffen hat, kann man an der Resonanz der Zuschauer sehen. Als das Licht am Ende ausgeht herrscht noch einige Sekunden Stille, doch dann folgt ein Applaus, der nicht mehr abebben will. Es wird geklatscht und gepfiffen vor Begeisterung. Die Premiere war für das Phosphor-Theater ein voller Erfolg. Und so angespannt die Luft während des Stückes ist, umso mehr konnte man spüren, wie die Anspannung aller Beteiligten danach abfiel. Fachner zieht sein Fazit zum Premierenabend: „Es war ein Experiment. Die Interaktion mit dem Publikum war für uns besonders wichtig und das hat geklappt, das hat man gespürt.“

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