Stahlfabrik schmiedet jetzt große Pläne

Von: Robert Esser
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120 Meter lang, bis zu 14 Mete
120 Meter lang, bis zu 14 Meter hoch: Die Fabrik Stahlbau Strang an der Philipsstraße ist ein gigantisches Industriedenkmal, das nicht nur zum Schrittmacher-Festival zu neuem Leben erweckt wird. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Halb so groß wie ein Fußballfeld und auf 120 Metern Länge höher als ein Zehn-Meter-Sprungturm - die Fabrik Stahlbau Strang sprengt Dimensionen.

Wo vor 150 Jahren Waggons der benachbarten Stahlhütte in Schuss gehalten wurden, trifft Aachen nun den Nerv eines begeisterten Publikums. Mehr als 6400 Zuschauer werden hier bis Anfang April 16 Tanzshows des 17. Schrittmacher-Festivals erlebt haben.

Mit weiteren sechs Aufführungen schraubt der Kooperationspartner Theater Heerlen die Gesamtbilanz an die fünfstellige Grenze. „Für ein zeitgenössisches Tanzfestival sind 10.000 Zuschauer der Wahnsinn!”, freut sich Aachens Kulturmanager Rick Takvorian. Und schon 2013 könnte das Erfolgsrezept mit neuen Zutaten noch massenhaft mehr Kulturfans schmecken. Die Pläne klingen vielversprechend.

VIP-Lounge, Live-Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen und ähnliche Akzente seien vorstellbar, erklärt der Organisator. So würde die eigens per „temporärer Nutzungsänderung” zum Schrittmacher-Festival geschaffene, kostspielige Infrastruktur mit Bühne, Technik und Tribühne effektiver genutzt.

Denn eigentlich braucht Hallenpächter Artec die Fabrik zur Lagerung seines Veranstaltungsequipments. Hier stapelt Geschäftsführer Georg Schlag mit seinem Team zehn Monate des Jahres tonnenweise Bühnenelemente, Traverseren, Scheinwerfer, Verstärker und Lautsprecherboxen. „Der Aufwand, um die Halle mit all den Hochregalen auszuräumen und stattdessen ein modernes Theater im Mittelschiff einer historischen Fabrikhalle zu bauen, ist gigantisch”, sagt Schlag.

Auch er, der sonst deutschlandweit Konzerte und Shows ausstattet, verzichtet beim städtischen Highlight - quasi im eigenen Heim - auf branchenübliche Preise. „Weil die Künstler ebenso weit unter normalen Gagen auftreten, ist das überhaupt machbar”, stellt Takvorian fest. Schlag will seine Tribüne nächstes Jahr noch steiler bauen, damit die Sicht weiter optimiert wird. Und er glaubt, dass ein Ausbau bis auf 600 Sitzplätze sinnvoll und sicherheitstechnisch unproblematisch wäre.

An all das war anfangs nicht zu denken. Bei der Geburt des Festivals Anfang der 90er Jahre - als das Theater Aachen sein Ballett auflöste und kein Publikum an experimentellem Tanztheater interessiert schien - riskierte Takvorian viel: „Da hatten wir manchmal kaum 40 Zuschauer”, erinnert er sich. Man zog ins Ludwig Forum und logiert nun im zweiten Jahr in der Stahlfabrik.

Ein Glück für das Festival, das in der schroffen industriellen Umgebung mit sagenhaften Lichtinstallationen spektakulärer denn je inszeniert wird - und tatsächlich großstädtisches Flair versprüht. Takvorian gelingt eine bravouröse Balance: Sensationelle internationale Ensembles wie das niederländische Nationalballett und ambitionierte regionale Truppen wie das Do-Theatre prägen das mehrwöchige Programm. Das passt dem Publikum. Es strömt.

Natürlich auch, weil Eintrittspreise ab 13 Euro „geradezu geschenkt sind”, wie Takvorian bemerkt. Was vor Ort wie ein Millionen-Euro-Event in einer Berliner Szene-Location wirkt, kostet Aachen nach Angaben des Kulturmanagers rund 200.000 Euro. Ticketerlöse, Sponsorengelder und Fördermittel stocken das Gesamt-Budget auf rund eine Viertelmillion Euro auf. Dafür erntet man weithin Applaus.

Aachen kassiert blendende Kritiken - etwa aus Köln, Düsseldorf, Brüssel, Maas-tricht und der Partnerstadt Heerlen. So sprengt das Schrittmacher-Festival eine weitere Dimension: „Wir genießen internationale Bedeutung.” Wie die Stahlhütte Mitte des 19. Jahrhunderts. Daran glauben die beiden Macher eisern.
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