Ständig nasse Wände und Exzesse im Hof

Von: Matthias Hinrichs
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Marode: Bereits zum sechsten M
Marode: Bereits zum sechsten Mal muss Viktor Jonath die Wand seines Hauses wegen Schäden im benachbarten Übergangsheim sanieren. Das Messgerät zeigt 90 Prozent Feuchtigkeit an. Jonath fordert mehr Kontrollen durch die Stadt - und Maßnahmen gegen offenkundige Prostitution an der Aretzstraße. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Vor ein paar Wochen sind Viktor Jonath und seine Mieter quasi zum sechsten Mal vom Regen in die Traufe geraten. Der Putz an der Wand im ersten Stock seines Mehrfamilienhauses in der Aretzstraße hat sich in eine schmierige Masse verwandelt.

Jonath zückt ein elektronisches Messgerät: Der Wasseranteil im maroden Bimsstein pendelt sich bei 90 Prozent ein. Damit hat der Mann in Sachen Sanierungsbedarf seit 2005 das halbe Dutzend - und die Nase gestrichen voll. Denn abermals hat der 64-Jährige den Verursacher der Misere im Nachbarhaus ausmachen müssen: Seit Jahr und Tag sind in dem städtischen Objekt zahlreiche Obdachlose untergebracht; zurzeit leben dort 45 Menschen.

„Ich habe wirklich keine Lust mehr, ständig der Leidtragende zu sein, wenn der Vandalismus nebenan wieder um sich greift”, sagt Jonath. „Inzwischen sind dort vier Hausmeister im Einsatz - trotzdem wird offenbar nicht vernünftig kontrolliert”, schimpft er. Dabei habe er selbst bei einem Anwohnergespräch mit Vertretern der Verwaltung ausdrücklich darum gebeten, dass die Zimmer auf der anderen Seite der gemeinsamen Hauswand regelmäßig auf Schäden geprüft würden - aus leidvoller Erfahrung. Das war nach Jonaths Angaben am 28. Juni, wenige Tage nach dem fünften nassen Debakel.

Schließlich, am 10. Oktober, habe er selbst mehrere Beschwerden von Mietern erhalten, weil ein Bewohner des Nachbarhauses in seiner Dusche lautstark hantierte, klopfte und hämmerte. Wenig später habe einer der städtischen Hausmeister mitgeteilt, das Werkzeug des rabiaten Heimwerkers sei „konfisziert” worden. „Die Folgeschäden wurden aber leider nicht weiter beobachtet”, klagt Jonath - Konsequenz: Wasserschaden, der Sechste. Bei der fatalen Aktion seien unter anderem Leitungen gründlich verstopft worden.

Auf offene Ohren stoßen die Klagen des leidgeprüften Hausbesitzers bei der Stadt zwar schon. „Bislang hat unsere Versicherung die Reparaturkosten stets übernommen”, betont Evelin Wölk vom Presseamt. Der Verursacher des jüngsten Schadens werde überdies nun umquartiert. „Aber wir können natürlich nicht permanent jeden einzelnen Bewohner im Blick behalten - obwohl unsere Hausmeister nahezu rund um die Uhr in Bereitschaft sind.” In mindestens drei Fällen seien die Schäden zudem keineswegs den Bewohnern anzulasten, sondern auf „bautechnische Probleme” zurückzuführen gewesen, erklärt Heinrich Emonts, Leiter des städtischen Fachbereichs Soziales und Integration.

Der Ärger der Anwohner sei auch im Hinblick auf ganz anders geartete Missstände rund um das Objekt Aretzstraße „durchaus verständlich”, räumt Emonts ein. Immer wieder komme es zu Lärmbelästigung und Vandalismus im Umfeld, kritisiert Jonath. Und: In jüngerer Zeit blühe ganz augenscheinlich illegale Prostitution im Hinterhof der Häuserzeile im Ostviertel.

Zugang zum Hof abriegeln?

„Es gibt allerdings keine Hinweise, dass das im Zusammenhang mit der Obdachlosenunterkunft steht”, betont Emonts. Schließlich könnten deren Bewohner im Zweifel ihre Zimmer nutzen. Dennoch werde zurzeit geprüft, ob man den Zugang zum Hof und die dort befindlichen Garagen durch ein neues Portal abriegeln könne. „Das käme sicherlich auch dem Umfeld zugute”, sagt Emonts. Allerdings sei noch unklar, ob die Maßnahme technisch umsetzbar sei. „Aber ich hoffe sehr, wir können den Anwohnern da bald helfen - und zwar möglichst, ohne sie an den Kosten beteiligen zu müssen.”
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