Aachen - Städtische Zuschüsse: Das Da Theater schlägt Alarm

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Städtische Zuschüsse: Das Da Theater schlägt Alarm

Von: Stephan Mohne und Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Sams erfüllt derzeit Wünsche, Tiger und Bär wandern derweil nach Panama. Und wenn sie die Bühne des Das Da Theaters verlassen haben, dann werden nicht weniger als 30.000 Kinder zwischen zwei und zehn Jahren die beiden Stücke gesehen haben. Dazu gibt es Theaterworkshops und vieles mehr. Bis zu 20.000 Erwachsene zählt das Theater überdies bei den anderen Inszenierungen des Jahres.

Bewältigt wird das alles von mittlerweile 20 fest Angestellten, darunter fünf Mini-Jobber. Weitere 40 Mitarbeiter sind auf Honorarbasis oder auch ehrenamtlich im Haus an der Liebigstraße unterwegs. 750.000 Euro Umsatz macht das 1987 aus der Taufe gehobene Das Da Theater heutzutage. Kann man das Theater angesichts dieser Zahlen noch als „freie Kulturinitiative“ bezeichnen? Nein, meint Theaterleiter Tom Hirtz. Und appelliert deshalb, die städtische Förderung der „freien Kultur“ – hier im Speziellen des Das Da Theaters – dringend zu überdenken.

Das ist mit anderen Worten der Tenor eines Schreibens, dass Hirtz an Politik und Verwaltung gerichtet hat. Man kann die Ausführungen, die unserer Zeitung vorliegen, getrost als Brandbrief bezeichnen. Das Fazit vorweg: Ohne ein Umdenken in Sachen Förderung durch die Stadt steht die Arbeit des Das Da Theaters – darunter eben auch die wertvolle pädagogische Arbeit mit der Hinleitung kleiner Kinder zum Theater – in ihrem heutigen Umfang in Frage. Hirtz argumentiert mit Zahlen: So hat sich die Zuschauerzahl von 20.000 im Jahr 2002 auf rund 50.000 in diesem Jahr erhöht. Die Zahl der Vorstellungen ist auf rund 500 (2002: 145) gestiegen.

Der städtische Zuschuss von rund 50.000 Euro pro Jahr – zusammengesetzt aus einem Sockelbetrag von 40.000 Euro und weiteren Projektmitteln – ist aber seither unverändert geblieben. Umgerechnet bedeutet das: Früher wurde jede verkaufte Karte mit etwa 2,50 Euro bezuschusst, heute nur noch mit etwa einem Euro. Dabei sei die Angebotspalette enorm erweitert worden, so Hirtz. Zum Beispiel reist das Theater jedes Jahr in unzählige Schulen in der Region. Zwei Drittel der Arbeit des Das Da Theaters würden in der Kinder- und Jugendsparte geleistet. Gerade da sei es aber unmöglich, den Aufwand über Eintrittsgelder zu finanzieren.

Der Theaterleiter erklärt, man wolle den Mitarbeitern einen fairen Lohn zahlen. Die Erhöhung des Landeszuschusses auf 30.000 Euro pro Jahr führe dazu, dass man sozialversicherungspflichtigten Angestellten jetzt 1350 Euro zahlen könne. Brutto, versteht sich. Auf den derzeit diskutierten Mindestlohn von 8,50 Euro kommen diese damit aber keineswegs. Diese Konditionen schickt das Theater natürlich auch jenen, die an einem Festengagement interessiert sind. Das habe unter anderem zu „einem Sturm der Entrüstung“ auf der Internetplattform „Art but Fair – die traurigsten & unverschämtesten Künstlergagen und Audition-Erlebnisse“ geführt. Dort werde dann auch die These vertreten, „dass Theater, die nicht aus eigener Kraft ihre Angestellten angemessen bezahlen können, schließen oder bestimmte Aktivitäten einstellen sollten“.

Unter dem Strich kommt Tom Hirtz zu dem Ergebnis, dass ein Förderverhältnis pro Karte wie jenes im Jahr 2002 angemessen ist. Das würde einen jährlich benötigten Zuschuss von rund 120.000 Euro bedeuten. Nur: Die Zuschüsse des Das Da Theaters werden wie alle anderen für die „freie Kultur“ aus dem seit Jahren gedeckelten Topf „Kulturarbeit außerhalb städtischer Einrichtungen“ – kurz „Kaste“ – gezahlt. Dieser Topf ist allerdings insgesamt mit nur 350.000 Euro gefüllt. Größere Einrichtungen wie das Das Da Theater haben Dreijahresvereinbarungen. So kommen für alle Sockelbeträge rund 260.000 Euro zusammen. Der spärliche Rest wird auf Antrag für einzelne Projekte bewilligt – oder auch nicht.

Ein „Sockel“ von 120.000 Euro für eine einzelne Einrichtung würde das Gefüge aber völlig aus dem Lot bringen. Es müssten also andere Wege gefunden werden. Die Politik hat dafür großes Verständnis. Das zeigte sich bereits in einer kurzen Grundsatzdebatte zum Wirtschaftsplan des Kulturbetriebs im Stadtrat. Offenkundig ist zumindest den Kulturpolitikern klar, dass die „Kaste“-Mittel hinten und vorne nicht mehr reichen. Eine Lösung allerdings zeichnet sich ebenso offenkundig (noch) nicht ab.

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