Aachen - Städtische Wohnungen: Sanierung verschlingt über 20 Millionen

Städtische Wohnungen: Sanierung verschlingt über 20 Millionen

Von: Oliver Schmetz
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Die Bäder sind in einem schlechten Zustand, die Heizungsanlage ist veraltet: Der städtische Komplex an der Welkenrather Straße mit 182 Wohnungen muss dringend saniert werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die eigenen vier Wände in Schuss zu halten, kann richtig teuer werden. Was kleine Hausbesitzer aus leidvoller Erfahrung kennen, gilt auch für einen „Großgrundbesitzer“ wie die Stadt Aachen, zu deren Aufgaben es gehört, möglichst preiswerten Wohnraum für tausende Bürger bereitzuhalten.

Der feine Unterschied: Geht es bei Privatleuten in der Regel um tausende oder auch zehntausende Euro, summieren sich die Sanierungskosten für den städtischen Wohnungsbestand schnell zu vielen Millionen. Und permanent tun sich neue Baustellen auf, obwohl das Geld eigentlich vorne und hinten nicht ausreicht.

Bedarf höher als das Budget

In dieser Situation befindet sich aktuell der städtische Fachbereich Immobilienmanagement, wo im Zuge der Fortschreibung der Haushalts- und Finanzpläne bis zum Jahr 2020 neue Bauprojekte für Modernisierungen und Sanierungen festgelegt werden müssen. Und siehe da: Offenbar ist der Bedarf an vielen Ecken der Stadt größer als das Budget, weswegen man sich nun bei der Frage nach den Auswahlkriterien erst einmal auf die größten Härtefälle konzentriert.

„Die Anzahl der Kriterien wurde minimiert, da sonst zu viele Vorschläge ausgegeben würden“, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung für die Sitzung des städtischen Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses am Dienstag, 5. April (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor). Deshalb lege man nun „den Schwerpunkt auf den Substanzerhalt“ und versuche, „die schlechtesten Gebäude mit dem höchsten Investitionsbedarf auszufiltern“.

Konkret bedeutet dies unter anderem, dass die Abwehr von Gefahren und Folgeschäden höchste Priorität hat und dass Objekte ohne Bad und Heizung vordringlich saniert werden. Gleiches gilt auch für Gebäude, deren letzte Sanierung schon viele Jahrzehnte zurückliegt. Kriterien zu minimieren heiße, dass es nur um Wert- und Substanzerhalt gehe und nicht um Werterhöhung, erläutert Rita Klösges vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Anders gesagt: Reine Verschönerungen sind im Moment nicht drin. Man wolle so finanzielle Freiräume schaffen, um die dringendsten Dinge anzupacken.

Einige Mieter warten länger

Dies betrifft – sofern die Politik im Ausschuss zustimmt – nun auch Maßnahmen, die eigentlich schon konkret auf der Agenda standen. Bis 2019 hatte die Stadt bereits knapp 20 Millionen Euro veranschlagt, um ihre Wohnungen an Kalverbenden und der Spaakallee, in Reimannstraße, Sigmundstraße, Wüllnerstraße, Goerdeler-straße, Weberstraße, Körnerstraße, im Projektgebiet „Soziale Stadt Nord“ und am Seffenter Weg auf Vordermann zu bringen. Doch wahrscheinlich müssen zumindest die Mieter am Seffenter Weg noch etwas länger auf die Sanierung warten.

Die Anlage aus dem Jahr 1962 mit 53 Wohneinheiten mache einen gepflegten Eindruck, es gebe „keine offensichtlichen Mängel an der Bausubstanz“, heißt es in der Vorlage. Außerdem seien dort 25 Prozent der Wohnungen mit Flüchtlingen belegt. Die Verwaltung schlägt deshalb eine Verschiebung der Baumaßnahme auf das Jahr 2020 vor, wodurch immerhin satte fünf Millionen Euro, die dort bis 2019 verbaut werden sollten, für andere Objekte verfügbar würden.

Und diese stehen offensichtlich schon Schlange. Im Panneschopp im Ostviertel beispielsweise macht die Verwaltung bei insgesamt 336 Wohnungen in Lützowstraße, Leipziger Straße, Steubenstraße, Elsassstraße und Stolberger Straße akuten Handlungsbedarf aus. Der Bestand mit Baujahr 1930/31 wurde zwar erst von 1989 bis 2002 modernisiert, doch bedürfen laut Verwaltung die Fassaden und Balkone auch aus Sicherheitsgründen einer Überarbeitung. Auch die Holzfenster seien „teilweise in sehr schlechtem Zustand“. Und im Übrigen müsse für den gesamten Bereich ein Fernwärmeanschluss geprüft werden.

Von einer umfangreichen Sanierung geht man auch bei der achtgeschossigen Wohnanlage in der Welkenrather Straße aus, die 182 Wohnungen überwiegend für Einzelpersonen vorhält. Auch dort sind die Bäder in schlechtem Zustand, die Beheizung erfolgt außerdem über eine kostenintensive Nachtspeicherheizung.

Marode Fassaden

Und als ebenfalls vermutlich großer Kostenpunkt stehen 124 Wohneinheiten in der Zeppelinstraße auf der Warteliste. Die 87 Jahre alte Anlage wurde zuletzt von 1989 bis 1992 modernisiert, ist aber erneut ein Fall für die Bautrupps. Treppenhäuser, Fassaden und Holzfenster marode, Elektroanlagen sanierungsbedürftig, Gesamteindruck wenig ansprechend – so lautet das Fazit der Fachverwaltung.

Wie viele Millionen alleine bis 2020 in diese über 600 städtischen Wohnungen fließen müssen, steht in den Sternen. „Zu den Kosten können wir noch keine Aussage machen“, sagt Klösges. Man steige ja gerade erst in die Planungen ein. Nur eines dürfte sicher sein: Wenn diese Baustellen abgearbeitet sind, werden sich anderswo wieder neue auftun. Das ist bei einer großen Stadt genauso wie beim kleinen Hausbesitzer.

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