Städteregion: Kandidaten haben unterschiedliche Konzepte im Netz

Von: Marc Heckert
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Von wegen Einheitsbrei: Die Internetseiten der Kandidaten für die Wahl zum Städteregionsrat unterscheiden sich deutlich. Collage: Günter Herfs

Aachen. „Wahlen werden im Internet gewonnen” - diese Behauptung mag zwar in den USA seit Barack Obamas Wahlerfolg allgemein akzeptiert sein. Hierzulande dagegen ist das Verhältnis zwischen Parteien und Internet nur in seltenen Fällen von inniger Zuneigung geprägt.

Zu oft nehmen gerade Volksvertreter älteren Jahrgangs das Netz weniger als Chance und Bereicherung wahr denn als Bedrohung und Tummelplatz unkontrollierbarer Kräfte. Wie verhält es sich in der Städteregion? Zwei Monate vor der Kommunalwahl am 30. August werfen wir einen Blick auf die Webauftritte der Kandidaten für die Wahl zum Städteregionsrat.

CDU: Unter den etablierten Parteien genießt die CDU in großen Teilen der Internetgemeinde den zweifelhaften Ruf, dem Netz am fernsten zu stehen. Als wollte er dieses Vorurteil widerlegen, zieht CDU-Kandidat Helmut Etschenberg auf seiner Webseite http://www.etschenberg2009.de buchstäblich alle Register.

Fotos von Maikäfern . . .

Die von der Monschauer Weiss-Intermedia modern und übersichtlich gestaltete Seite bietet einen Rundum-Service: Vom Pflichtteil wie Lebenslauf, politische Aussagen und Terminkalender bis zur Kür, etwa einem Infobereich zur Städteregion und einer privaten Bildergalerie - inklusive Fotos von Maikäfern.

Bürgernah und prominent platziert: Kontaktformulare mit Antwortgarantie in 24 Stunden per Telefon oder 48 Stunden per E-Mail. Netter Gag: Bei einem interaktiven Kreuzworträtsel kann der Besucher etwas gewinnen. Etschenberg hat auch ein Profil im sozialen Netzwerk Facebook. Allenfalls ein öffentliches „Bürger fragen - der Kandidat antwortet” ließe sich noch hinzufügen.

SPD: Der eigene Anspruch, „die Internetpartei” zu sein, hat in den Augen vieler netzbegeisterter Menschen zuletzt einen Rückschlag erhalten. Das Ja der SPD zu den als unwirksam und kontraproduktiv kritisierten Internetsperren für Kinderpornoseiten enttäuschte Mitglieder und Anhänger. Dennoch ist das Engagement der Sozialdemokraten im Netz - zuletzt zur Europawahl - oft durch mehr Nähe geprägt als das ihres Berliner Koalitionspartners CDU.

Der Webauftritt des SPD-Spitzenkandidaten Uwe Zink, http://www.uwe-zink.net, ist etwas schlichter gehalten als der von Etschenberg. Die Düsseldorfer Agentur Basic Support/Bauer & Zink GbR wählte eine Gestaltung ähnlich einem Blog, einem Onlinejournal. So sitzt die Navigation übersichtlich im Seitenkopf, die einzelnen Artikel reihen sich darunter. Auf einigen Seiten fehlt allerdings ein wenig der optische Schwerpunkt.

. . . und Liebe zu Eishockey

Neben einem ausführlichen programmatischen Teil und einem Terminkalender unter dem Titel „Zink in Fahrt” bietet auch diese Seite ein Gewinnspiel. Positiv: Kommentare von Benutzern werden veröffentlicht. Ein Link auf Zinks Profil im sozialen Netzwerk http://Xing.com ist vorhanden, wo sich unter anderem lesen lässt, dass der SPD-Kandidat sich für Eishockey und Bluesmusik interessiert.

Grüne: Was ihnen größere Parteien an Mitteln vorweg haben, versuchen die Grünen traditionell durch Kreativität wettzumachen. So wurde ihr Werbespot zur Europawahl - der die Weltwirtschaftskrise als Kette kippender Dominosteine darstellt - im Videoportal Youtube zum Überraschungserfolg und öfter angeklickt als die Spots aller anderen Parteien. Auch der grüne Städteregionsratskandidat Dr. Thomas Griese hat eine persönliche Wahlkampfseite: http://www.thomas-griese-aachen. de .

Eine freundliche Sonnenblume neben dem Slogan „Thomas - Unser Mann!” begrüßt den Besucher. Ansonsten ist die ebenfalls in Form eines Blogs gestaltete Seite in ruhigem Weiß gehalten. Biografie, Terminkalender, Programm und Fotogalerie sind vorhanden. Größere Besonderheiten fehlen.

FDP: Im Gegensatz zu diesen drei Webauftritten, die auf die Kandidaten ausgerichtet sind, gehen die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Dr. Werner Pfeil einen anderen Weg. Sie haben unter dem Slogan „Wir machen dem grünen Sofa Beine!” eine Kampagnenseite eingerichtet (http://www.wir-machen-dem-gruenen-sofa-beine.de). So soll dem Sofa als Symbol der Städteregion mehr Dynamik eingehaucht werden, erklärt der FDP-Kreisvorsitzende Aachen-Stadt, Alexander Heyn. „Wir werden unsere Kandidaten für den Städteregionstag aufs Sofa setzen und einzeln vorstellen.” Dabei sollen die liberalen Vertreter Laufschuhe tragen - mit Spikes, für den richtigen Antritt. Die Seite wird offiziell am kommenden Montag freigeschaltet.

UWG: Ohne eigene Kandidaten- oder Kampagnenseite tritt Erich Spies von der Unabhängigen Wählergemeinschaft an. Die Webseite seiner UWG Eschweiler, http://www.uwg-eschweiler.de, scheint allerdings seit April nicht mehr aktualisiert worden zu sein.

Peinliche Folge: Noch immer ruft Ex-Spitzenkandidatin Gabriele Pauli zur Europawahl am 7. Juni auf, obwohl die Freien Wähler Bayerns sie längst aus der Landtagsfraktion ausgeschlossen haben und sie inzwischen eine eigene Partei gegründet hat. Ausführlichere Informationen zur Städteregionsratswahl 2009 bleibt die UWG ebenso schuldig wie eine größere Vorstellung ihres Kandidaten Spies.

Letzte Aktualisierung: 18. April

Die Linke: Auch der Kandidat der Linken, Uwe F. Löhr, hat keine eigene Kampagnenseite. Er wird auf dem Internetangebot des Stolberger Ortsverbandes vorgestellt (http://www.dielinke-stolberg.de). Deren Webangebot ist für eine so junge Partei bereits recht umfangreich und enthält zahlreiche Positionen und Informationen.

Wie aber an prominenter Stelle auf der Startseite zu lesen ist, wurde die Seite ebenfalls zuletzt am 18. April aktualisiert - um 16.49 Uhr.

Die Kandidaten von CDU, SPD und Grünen sprechen ihre Wähler auf persönlichen Seiten an. Die FDP setzt dagegen auf eine Kampagnenseite, UWG und Die Linke auf ihre lokalen Parteiauftritte.
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