Stadtsportbund diskutiert über Gewalt, Rassismus und Diskriminierung

Von: Peter Schopp
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Informierten und diskutierten über Gewalt, Rassismus und Diskriminierung im sportlichen Alltag: Michael Neumann, Walburga Decker, Angelika Riebler, Heinz Maubach und Robert Peters (v.l.). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Diskriminierung, Gewalt, Rechtspopulismus: Phänomene, die verstärkt nicht nur im Alltag, sondern auch im Sportverein festzustellen sind. Spieler anderer Kulturen, die von Zuschauern, Gegenspielern oder Trainern rassistisch beschimpft oder gar angegriffen werden; Schiedsrichter, die brutal attackiert werden; Sportler, die aufgrund ihrer Hautfarbe verunglimpft werden – Situationen, die mittlerweile leider immer wieder zum sportlichen Alltag gehören.

Vermehrt suchen die Verantwortlichen der Sportvereine in jüngster Vergangenheit nach Hilfsangeboten, diesen Auswüchsen Einhalt zu gebieten oder besser, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Auf Betreiben des Stadtsportbundes (SSB) Aachen baten Vertreter vom Landessportbund (LSB) NRW in der Nadelfabrik am Reichsweg zur Diskussion über Beispiele für Rassismus und die entsprechenden Vorgehensweisen gegen derartige Vorkommnisse.

Hauptreferentin des Abends unter dem Slogan „Entschlossen weltoffen!?“ war Angelika Ribler von der Sportjugend Hessen. Als Sportmediatorin wird sie immer da gebraucht, wo Probleme von den handelnden Personen nicht mehr gelöst werden können. Dabei kann es sich sowohl um rechtsradikale Auswüchse, personelle Probleme als auch um Bedrohungen für das Kindswohl junger Menschen handeln.

Ribler wurde in unserer Region durch die Zusammenarbeit mit Alemannia Aachen bekannt, wo sie zwischen 2014 und 2016 half, das neue Leitbild des Vereins zu erstellen. „Leitbilder können ein Instrument sein, einem Verein ein Gesicht zu geben und so Problemen vorzubeugen. Sie sind aber nicht in jedem Fall des Rätsels Lösung“, erklärt sie ihren Ansatz. Sie plädiert für individuelle Lösungen, immer orientiert an der Situation vor Ort.

Kleine Vereine mit relativ wenigen Mitgliedern brauchen eine andere Unterstützung wie beispielsweise die Alemannia, die immer im Fokus der Öffentlichkeit steht. So sieht das auch Michael Neumann, Referent beim LSB. „Ohne Regeln geht es im Leben und erst Recht im Sport nicht. Sich diese Regeln ins Bewusstsein zu holen, kann schon vorbeugend wirken“. So entstünden im besten Fall erst gar keine Ressentiments gegenüber vermeintlich Fremden.

Beide plädierten für ein Miteinander der Menschen, wo Gespräche stattfänden, würden Vorbehalte abgebaut. Grundlage des Handelns sind immer die Rechte und Werte einer demokratischen Gesellschaft. Grundrechte, Kinderrechte, Flüchtlingsrechte sind Leitplanken, welche die Wege zu einem funktionierenden Miteinander flankieren.

Dabei verschließt Neumann nicht die Augen vor der Realität. „Natürlich gibt es Verantwortliche bei den Vereinen, die Angst haben, derartige Probleme öffentlich zu machen und damit möglicherweise in Verruf zu kommen oder Kritik hervorzurufen“, weiß er um die Befindlichkeiten der Ehrenamtler. Und genau da setzt der LSB mit seinem Programm für die nächsten Jahre an. Mit Seminaren, Projekten und verschiedenen anderen Veranstaltungen werden Vereinsvertreter, Übungsleiter und andere interessierte Menschen an das Thema herangeführt und in Bezug auf Problemlösungen geschult.

Wer Hilfe benötigt, kann sich direkt an den LSB und den SSB Aachen wenden, hier wird jeder Fall, wenn gewünscht auch anonym, besprochen und bearbeitet. Egal, ob es sich hierbei um rechtspopulistische Strömungen, gewaltbereite Vereinsmitglieder oder um den Verdacht des Vergehens gegen das Kindswohl handelt. Handeln ist jedenfalls besser als wegsehen.

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