Stadthistorie ist auch Migrationsgeschichte

Von: Alexander Barth
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Aachen. Während allerorten die Integrationsdebatte tobt, beschäftigt man sich im Haus der Identität und Integration am Reichsweg verstärkt mit einem bislang wenig beachteten Aspekt des Themas: Die Verantwortlichen stellten jetzt ihren umfassenden Beitrag zur Aufarbeitung der Einwanderungsgeschichte Aachens nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor.

„Stadtgeschichte ist auch Migrationsgeschichte”, erklärte Dr. Carmelita Lindemann von der Volkshochschule Aachen, die als Hauptpartner das Projekt mitträgt. „Wesentliche Bestandteile sind eine Ausstellung hier im Haus, die später als mobile Exposition an die weiterführenden Schulen Aachens ziehen wird”.

Speziell das Ostviertel als Anziehungspunkt für Zuwanderer unterschiedlichster Herkunft biete einen angemessenen Rahmen für die Ausstellung und weitere Aktionen wie Workshops, Lesungen oder Filmvorführungen, mit denen das Thema regionale Zuwanderung von vielfältiger Seite beleuchtet werden soll, wie Lindemann gemeinsam mit Walter Köth vom Fachbereich Wirtschaftsförderung, Projektleiter des Hauses, erläuterte.

Quartier mit Zukunft

Im Rahmen des euregioweit angelegten Programms „SUN - Quartier mit Zukunft” werden auch in Eupen, Heerlen, Hasselt, Verviers und Genk sogenannte Projektviertel porträtiert, die vom Zuwanderungshintergrund ihrer Bewohner geprägt wurden und werden.

Der Aachener Wirtschafts- und Sozialhistoriker Dr. Christoph A. Rass hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Quellen zu den verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten der kommenden Ausstellung gesichtet - von den Zwangsarbeitern im 3. Reich bis zur jüngsten Migranten-Generation im neuen Jahrtausend. Überhaupt ist die Dokumentation dieser Lebenswirklichkeiten ein Hauptanliegen: „Bislang taucht die Geschichte der Migration im Bewusstsein von Stadt und Bevölkerung kaum oder gar nicht auf, das wollen wir ändern”. Rass stieß etwa auf Belege für die Relevanz von Sprache als Integrationsaspekt. So haben sich etwa im Jahre 1990 rund 600 aus dem Ausland stammende Neu-Aachener um die damals 200 verfügbaren Plätze in den Deutsch-Kursen der Volkshochschule beworben.

Gleichzeitig rief Rass die Aachener zur Mitarbeit auf: „Wir sind angewiesen auf Material von den Protagonisten und Zeitzeugen selbst, seien es Fotos, schriftliche Dokumente. Die Biographien selbst sprechen einfach die deutlichste Sprache”.
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