Stadtentwicklung bleibt eine Streitfrage

Von: Katrin Haas
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Eine Überdachung für den Dahmengraben? An dieser Frage schieden sich auch bei der Veranstaltung des Fördervereins „aachen_fenster“ heftig die Meinungen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Mitgestalten statt lamentieren“, so lautete das Motto der Diskussion des Fördervereins „aachen_fenster – raum für bauen und kultur“. Stand beim letzten Treffen die Perspektive der Stadtverwaltung im Mittelpunkt, so war es jetzt die Meinung der Bürger.

Ein bisschen lamentiert wurde dann aber doch: Die Diskussionen um die Gestaltung der Innenstadt wurde schnell leidenschaftlich geführt. Kritik am Gestaltungswillen von Politik und Verwaltung wurde geäußert – und der ungenügende Einfluss des Architektenbeirats bemängelt. Allerdings: „Die Diskussion soll nach vorne gerichtet sein, versuchen wir in die Zukunft zu denken“, forderte Hans-Dieter Collinet, Vorsitzender des Fördervereins, die Teilnehmer auf. In fünf Vorträgen stellten Stadtplaner ihre Ideen vor, der Schwerpunkt lag bei den Themen Büchel und Bushof.

Collinet erklärte: „In der bisherigen Diskussion sind die richtigen Fragen gestellt worden, nur die Antworten fehlen noch.“ Die Politik sei gefordert, hier die Prioritäten zu sehen. „Klar ist, dass es nicht zu einer Vermischung der Rollen kommen darf“, sagte Collinet in Hinblick auf die Absage der Politik an eine „Aachen AG“.

Fast nur Experten

Bei der Veranstaltung seien Bürger gefragt, „die überwiegend nicht interessengeleitet sind“. Allerdings bestand ein großer Teil der rund 40 Teilnehmer aus Experten aus der Politik, Architekturbüros und Investoren. Gisela Schmitt von der Fakultät Architektur der RWTH Aachen moderierte den Abend: „Schon in den 90er Jahren gab es Diplomarbeiten zum Thema Büchel.“ Gerhard Curdes, ehemaliger Professor für Städtebau an der RTWH Aachen, betonte, dass sich gerade die östlichen Stadtgebiete aus dem Gesamtzusammenhang lösen. Er warb dafür, historische Gebäude oder Straßenzüge zu erhalten oder wiederherzustellen und erklärte zum Thema Büchel: „Dieser gesamte Bereich um Mefferdatisstraße und Antoniusstraße muss in ein Rahmenkonzept eingebracht und öffentlich diskutiert werden.“ Curdes fordert beispielsweise Wegeverbindungen und den Abriss des Parkhauses.

Professor Wolfgang Becker, ehemaliger Direktor des Ludwig Forums, zeigte, wie auch leerstehende Nischen in einer Stadt genutzt und besetzt werden, beispielsweise durch Aktionen von „Guerilla-Gärtnern“, der Wollstrickaktion „Aachen strickt schön“ oder Ausstellungen in verwaisten Ladenlokalen. „Es ist sinnvoll, Schaufenster mit künstlerischen Werken zumindest temporär zu besetzen“, sagte Becker. So werde das Ladenlokal künstlerisch genutzt und vor Graffiti und verschmierten Plakaten geschützt.

„Ich bin entsetzt“

Der ehemalige Baudirektor der Stadt Aachen, Fred Quarten, und Architekt Stefan Brasse stellten wieder ihren „Masterplan“ für die Innenstadt vor. Kernelemente sind das Hervorholen und Sichtbarmachen der Thermalwasserrouten und eine Markthalle im Bushof. Für Protest und Zwischenrufe sorgten die Präsentation von Herbert Diercke von der Landmarken AG, als Investor und Inhaber des Hauses von „Lust for Life“. Diercke plädierte für eine Überdachung des Dahmengrabens und sah – entgegen früherer Bedenken bei dieser Idee – auch keine Probleme beim Brandschutz. Diercke sprach von einem Architektenwettbewerb, der gemeinsam mit der Stadt geplant werde. Michael Rau, Sprecher der Grünen im Planungsausschuss, reagierte prompt: „Ich bin entsetzt, wie das hier dargestellt wird. Ein Wettbewerb ist keinem Beteiligten der Stadt bekannt.“

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