Aachen - Stadtbibliothek: Neue Medien für sehende und sehbehinderte Menschen

Stadtbibliothek: Neue Medien für sehende und sehbehinderte Menschen

Von: dsp
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Aachen. Das Buch ist zehn Zentimeter dick und hat nur 15 Seiten, Es handelt von den Jahreszeiten und ist ein Ringbuch mit Reliefseiten. Jede Seite ist in Druck- und Blindenschrift lesbar. Die Bilder sind aus mehreren Filzschichten gestaltet.

Der Schnee ist aus weißem Filz dargestellt. Unter dem Filz steckt eine Schicht aus einem Material, dass sich anfühlt wie harscher Schnee. Die vielen Tiere sind farbecht aus Filz geschnitten. Blinde können die Konturen ertasten, die Mähne des Pferdes, den Euter der Kuh, den Schwanz des Esels. Liebevoll gestaltet, spricht das Buch kleinere Kinder an. So ein Reliefbuch kostet leicht bis zu zweihundert Euro. Die Stadtbibliothek hat neuerdings ca. 75 davon.

Möglich gemacht wurde die teure Anschaffung dieser und anderer Medien durch Mittel, die der Blinden- und Sehbehindertenverein der Städteregion Aachen zur Verfügung gestellt hatte. Eine Erbschaft setzt den Verein in die glückliche Lage, etwas verteilen zu können. Geplante Einzelspenden an sehbehinderte Kinder waren aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. Sehbehinderte Kinder sind als solche kaum zu ermitteln. Also wird die sechsstellige Summe nun verschiedenen Organisationen zur Verfügung gestellt. Insbesondere den Bibliotheken der Region. Der 2. Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins, Bernd Neuefeind, ist froh, auch in den nächsten Jahren Geld für aktuelle Medien parat zu haben.

Helma Dittrich ist in der Stadtbibliothek Aachen zuständig für die Kinder- und Jugendabteilung. Sie wirbt für die neuen Materialien und sorgt dafür, dass sie sachgerecht katalogisiert werden. Die textilen Reliefbücher erhalten keine Aufdrucke sondern Aufnäher. Jede Seite wird fotografiert und einzeln verzeichnet, da sie einzeln aus den Ringbüchern herausgenommen werden können. Eine Heidenarbeit, die viel Engagement für eine gute Sache erfordert.

Spielfiguren mit Tastaufkleber

Auch bei den vielen Gesellschaftsspielen, die angeschafft werden konnten, und die für Sehbehinderte umgestaltet wurden, ist das eine knifflige Sache. Noch kniffliger ist die Umgestaltung selbst. Jede Spielfigur erhält einen je eigenen Tastaufkleber. Spielfelder werden magnetisch unterlegt, damit die Figuren nicht umfallen können.

Andere Spielfelder werden reliefiert, damit für das Spiel nötige Unterschiede ertastbar sind. Der neueste Clou ist die Anschaffung von sieben Tonieboxen. Auf einen 15 mal 15 Zentimeter großen Würfel mit Lautsprecher wird die für eine Geschichte typische Figur gesetzt. Per WLAN verbunden ertönt dann die passende Story. Bibi Blocksberg, Jim Knopf und ein Olchi stehen für inzwischen über 50 Figuren, die zu den Toniboxen ausgeliehen werden können.

Am meisten freut sich Helma Dittrich, wenn sehende und sehbehinderte Kinder in der Bibliothek zusammenfinden, um gemeinsam die neuen Medien auszuprobieren. Dazu bietet die Stadtbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung von Integrationsspielen für Blinde und Sehende am Donnerstag, 7. Dezember, einen Spielenachmittag an, bei dem sehende Kinder sich mit verbundenen Augen in die Welt blinder Kinder tasten können. Außerdem können fertige Medienpakete für Sehbehinderte unter bibliothek@mail.aachen.de abgerufen werden.

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