Stadtbibliothek: Ein Einblick in die letzten Kriegsjahre

Von: Julia Gröbbels
Letzte Aktualisierung:
11100911.jpg
Ein Zufallsfund führte zur Ausstellung: Ursel Schmidt-Cohnen, Vorsitzende des Fördervereins, und Manfred Sawallich, Leiter der Stadtbibliothek, eröffneten die Schau „Kriegsende in Aachen - die unveröffentlichten Briefe der Gertrud von le Fort“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit einem solchen Fund hat selbst die Leiterin des Fördervereins der Stadtbibliothek nicht rechnen können: In einer Buchschenkung entdeckte Ursel Schmidt-Cohnen bisher noch unveröffentlichte Briefe einer der bedeutendsten katholischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, Gertrud von le Fort (1876-1971), die neue Einblicke in die letzten Kriegsjahre geben.

In der Ausstellung „Kriegsende in Aachen – die unveröffentlichten Briefe der Gertrud von le Fort“ werden diese Originaldokumente sowie weitere Exponate zum Leben der Schriftstellerin bis zum 28. November in der Stadtbibliothek an der Couvenstraße (2. Etage) zu sehen sein.

Hesse würdigte ihr Werk

Das Leben der Gertrud von le Fort umfasste mehrere gegensätzliche Epochen. Sie erlebte die Kaiserzeit, den Ersten Weltkrieg, den Sturz der Monarchie, die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus, gegen dessen politische und gesellschaftliche Folgen sie mit ihrer Dichtung – eingekleidet in historische Stoffe – immer wieder Stellung nahm. So schlug Hermann Hesse sie im Jahr 1949 zusammen mit Martin Buber für den Literatur-Nobelpreis vor und erklärte, sie sei „innerhalb des Hitlerschen Deutschlands wohl die wertvollste, begnadetste Vertreterin der intellektuellen und religiösen Widerstandsbewegung“ gewesen.

1938 erschien die „Magdeburgische Hochzeit“ im Inselverlag, deren Erstausgabe ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Aufgrund dieser Veröffentlichung wurde von le Fort zur „unliebsamen Person“ erklärt; ihr Name wurde aus den Literaturgeschichten genommen, ihre Lyrik aus den Lesebüchern getilgt. 1940 zog sie sich nach Oberstdorf im Allgäu zurück. Die folgenden 31 Jahre bis zu ihrem Tod waren noch einmal geprägt von einem intensiven Schaffen, das in einem beachtlichen Alterswerk seinen Ausdruck fand. Aus Oberstdorf stammen auch die bislang unveröffentlichten drei Briefe und eine Postkarte der Schriftstellerin an Minna Goebgens, einer nach Hindelang im Allgäu verschlagenen Aachenerin.

„Es erscheint mir fast wie ein Wunder, dass die Briefe sich durch die Nachkriegszeit erhalten haben“, so Schmidt-Cohnen. Doch mit dem Fund der Briefe aus den Jahren 1944/1945 begann für sie erst die eigentliche Arbeit. „Die Briefe waren in einer Mischung aus moderner deutscher Schrift, Sütterlin und – von der Autorin scheinbar selbst erfundenen – Abkürzungen verfasst, so dass es sich sehr schwierig gestaltete, ihren Inhalt zu entschlüsseln“, sagt sie. Doch die Mühe hat sich gelohnt. Dank ihrer „Übersetzungen“ sind die Inhalte der Briefe nun für alle Ausstellungsbesucher verständlich und zugänglich geworden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert