Stadtbetrieb wird nicht zur Müllpolizei

Von: Stephan Mohne
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"Wir wollen ein System retten und keine Wegelagerei betreiben", so Dieter Lennartz vom Aachener Stadtbetrieb.

Aachen. Haben Sie schon ausgerechnet, welche Mülltonne Sie ab Januar brauchen? Schließlich wird es dann – so die Politik das im September festzurrt – unter anderem ein Mindestvolumen von 7,5 Litern pro Person und Woche beim Restmüll geben.

Was bedeutet, dass die beliebteste aller Tonnen – die 60-Liter-Tonne mit vierwöchentlicher Leerung (weißer Deckel) – nur noch von Haushalten mit nicht mehr als zwei Personen genommen werden kann. Eigentlich.

Doch nach aktuellstem Stand gibt es nun doch eine „Hintertür“ für alle jene, die diese Tonne haben. Wer nämlich eine solche Tonne heute nutzt, soll sie auch behalten dürfen. Dafür soll es in der neuen Satzung einen Passus geben. Im rechtlichen Fachjargon heißt das dann, dass diese Tonnen als „zuteilt“ gelten.

Mit dem Rechtsamt wurde das auch schon besprochen, wie Dieter Lennartz, zuständiger Abteilungsleiter im Stadtbetrieb, auf Nachfrage sagt. Das bedeutet, dass dann auch Mehrpersonenhaushalte die Tonne weiter nutzen können. „Wir werden nur bei Neuanmeldungen und Tonnenwechseln die Daten abfragen“, so Lennartz. Und: „Wir gehen davon aus, dass die Tonnen für jene, die sie nutzen, dann auch ausreichend sind.“ Jedenfalls meistens. „Wir wissen natürlich auch, dass es schwarze Schafe gibt, die die günstigste Tonne nur wegen der geringen Kosten bestellen.“ Da lande dann der überschüssige Restmüll in der grünen oder blauen Tonne, im gelben Sack oder im Straßenpapierkorb. Das könne man aber eben nicht verallgemeinern, sagt Lennartz. Man werde auch nicht herumlaufen und kontrollieren. Der Stadtbetrieb soll nicht zur Müllpolizei mutieren. Bei Verstößen, die man feststellt, wird natürlich trotzdem entsprechend gehandelt.

Im Stadtbetrieb geht man allerdings davon aus, dass diese Tonne deutlich an Attraktivität verliert. Denn die Zeiten, in denen man wie jetzt die Tonne zum Jahrespreis von 69 Euro inklusive grüner und blauer Tonne und Sperrmüll bekommt, sind ab Januar vorbei. Nach der vorläufigen Gebührenberechnung für die Zeit nach der anvisierten „Revolution“ der Aachener Müllabfuhr muss man für die „weiße“ Tonne dann 108 Euro zahlen, die sich aus einer Grundgebühr von 55 Euro und einer Gebühr für die Leerungen von 53 Euro zusammensetzen.

Dazu kommt aber noch die Biotonne, die man demnächst auch bezahlen muss. Die kleinste (60 Liter) kostet 47 Euro, wird aber statt wie bisher wöchentlich dann zweiwöchentlich geleert. Dann wäre man bei 155 Euro, wahrscheinlich wird es bei der abschließenden Kalkulation noch ein bisschen mehr. Will man das gleiche Biomüllvolumen wie bisher – also dann 120 Liter bei zweiwöchentlicher Leerung – kommen weitere 47 Euro hinzu. Statt 69 würde die Tonne dann 202 Euro kosten, was knapp einer Verdreifachung entspricht. Bei Neuanmeldungen kommt es ab Januar auf die Personenzahl an. Ein Drei-Personen-Haushalt bräuchte mindestens die neue 90-Liter-Tonne mit vierwöchentlicher Leerung (ab 181 Euro), ein Vier-Personen-Haushalt eine 120-Liter-Tonne mit demselben Abfuhrrhythmus (ab 208 Euro, alle vorläufigen Zahlen siehe Tabelle). Auf der anderen Seite werden die Gebühren für Großcontainer sinken. Beispiel: 1100 Liter mit wöchentlicher Leerung sollen rund 4300 Euro statt bisher 5100 kosten. Das soll die deutlich stärkere Subventionierung der kleinen durch die großen Tonnen etwas schmälern. Das bietet zusammengenommen einigen Zündstoff. Zumal auch der Sperrmüll noch mit 15 Euro je Anmeldung zu Buche schlagen soll.

Im Stadtbetrieb wird auf Hochtouren an dieser „Revolution“ gearbeitet. So müssen auch noch rund 40 000 Tonnen ab 2. Januar getauscht werden. Die 60-Liter-Tonnen mit rotem und schwarzem Deckel verschwinden und werden durch 120-Liter-Tonnen ersetzt. Der Abfuhrrhythmus wird automatisch angepasst (wöchentlich auf 14-tägig, 14-tägig auf vierwöchentlich). „Dadurch hat niemand Nachteile“, so Lennartz. Das soll ebenso wie die Änderung bei der Biotonne die Fahrten drastisch verringern. Unter dem Strich gilt es, eine Lücke von 2,5 Millionen Euro zu schließen. Auch ohne die Neuerungen würden die Gebühren 2017 deutlich steigen – nur eben anders verteilt. Dieter Lennartz betont: „Wir wollen ein System retten und keine Wegelagerei betreiben.“ Er weiß aber auch, „dass das am Anfang sicher weh tun wird“.

Ob das neue System kommt, entscheidet der Rat am 14. September (17 Uhr, Ratssaal). Zuvor berät der Betriebsausschuss (6. September, 17 Uhr, Stadtbetrieb, Madrider Ring 20). Zudem kann jeder am 30. August ab 17 Uhr im Ratssaal mitdiskutieren, wenn das heiße Thema im Bürgerforum ansteht.

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