Aachen - Stadt will Schülerdaten - und bekommt großen Ärger

Stadt will Schülerdaten - und bekommt großen Ärger

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
thorstenbu
Gibt Schülerdaten nicht frei: Berthold Winterlich, Leiter des Anne-Frank-Gymnasiums. Foto: Herrmann

Aachen. Anschrift? Geburtsdatum? Klasse? Geschlecht? Migrationshintergrund? Fünf Fragen lösten bei Berthold Winterlich vor allem Eines aus: Bedenken. Der Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums sollte wie seine Kollegen der weiterführenden Schulen diese Daten für alle seine Schüler erfassen und der Schulverwaltung weiterleiten.

Das wurde ihm in einem Brief mitgeteilt. Es gehe um die Schulentwicklungsplanung. Winterlich sah eine Verletzung des Datenschutzes. Deswegen setzte er sich mit der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW in Verbindung, schilderte den Sachverhalt. Und er war nicht der einzige Bedenkenträger.

Die Düsseldorfer Experten teilten nicht nur Winterlichs Einschätzung, sie sehen „erhebliche Bedenken” und fordern die Stadt auf, bis zu einer ausführlichen Prüfung des Sachverhaltes die Datenerhebung zu stoppen. Es ist mit zehntausenden Datensätzen die größte Erhebung dieser Art in der Stadt. „Ich werde keine Daten herausgeben, bis ich nicht grünes Licht von den Landesdatenschützern habe”, sagt Winterlich.

Auch an anderen Aachener Schulen wird die Datenerhebung skeptisch gesehen. An der Hauptschule Aretzstraße hat die stellvertretende Leiterin Anna Wahl zwar keine datenrechtlichen Bedenken, und die Schule hat die Datensätze bereits der Verwaltung zukommen lassen. Wahl sagt aber auch: „Die Abfrage ist sehr umfangreich. Ich weiß nicht, wozu das führen soll.”
Das erklärt Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend, Schule: „Das ist eine Erhebung im Rahmen der Schulentwicklungsplanung, wir wollen damit beispielsweise die Wanderungsbewegungen von Schülern analysieren.” Warum auch der Migrationshintergrund abgefragt werde, kann auch die Fachbereichsleiterin nicht erklären. „Ich selbst schreibe dem keine besondere Bedeutung zu.”

Es sind Angaben wie Geschlecht und Migrationshintergrund, die Winterlich und andere Schulleiter hinterfragen. „Das ist Personenschutz”, sagt er. Und die Landesdatenschützer kritisieren nehmen mangelnder Anonymisierung eben diesen Umfang der Daten. „Das sind mehr als für eine Schulplanung nötig sind”, erklärt Sprecherin Bettina Gayk. Bei der Stadt Aachen teilt Elke Münich die ganzen Bedenken dagegen nicht. „Wir geben keine Daten weiter. Es wird aber nicht verteufelt, wenn bei uns nachgefragt wird, wenn Sorgen da sind”, sagt sie. Die Landesbehörde wird nachfragen - und stoppt gerade die Erhebung.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert