Stadt wartet auf Container für die Kaserne

Von: Matthias Hinrichs
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Bezugsfertig: In 52 Wohncontainern in der Löwenstein-Kaserne könnten in Kürze die ersten Flüchtlinge einquartiert werden. Ob und wann die übrigen 164 Wohneinheiten geliefert werden, ist unklar. Die Turnhalle der Kaserne könnte daher als Ausweichquartier dienen.
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Fertigstellung verzögert: An der Adenauerallee haben Kabeldiebe den Zeitplan zur Herrichtung der 104 Spaceboxen auf dem ehemaligen Sportplatz durcheinandergebracht. Auch dort sollen in den nächsten Tagen vor allem Familien einziehen können. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Über manche „provisorische“ Baulücke in Burtscheid dürfte dieser Tage zumindest beim einen oder anderen Anwohner verhaltene Freude statt Verdruss herrschen: Die Bereitstellung von 164 weiteren Containerwohnungen für Flüchtlinge in der Leo-Löwenstein-Kaserne verzögert sich weiter.

„Zurzeit sieht sich der Hersteller nicht in der Lage zu liefern“, erklärte Evelin Wölk vom städtischen Presseamt auf AZ-Anfrage. Ob, wann und in welcher Zahl die Objekte in Aachen ankommen, werde momentan mit dem Unternehmen aus Fulda besprochen. Aber: „In absehbarer Zeit könnte die Turnhalle auf dem Kasernengelände kurzfristig belegt werden, falls es zu Engpässen in anderen Bereichen kommen sollte“, so Wölk.

Im Umfeld hatte der Plan, die Kapazitäten zur Unterbringung von Asylsuchenden im Stadtteil erheblich zu erweitern, bereits vor Monaten auch heftige Kritik ausgelöst. Verzögert hat sich nun aber auch die Herrichtung des ehemaligen Sportplatzes an der Adenauer-allee, wo bereits 104 Spaceboxen aufgestellt wurden. Kabeldiebe haben den Planern dort einen üblen Strich durch die Rechnung gemacht. „Wir gehen aber davon aus, dass die ersten Bewohner – hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern, die momentan noch in weniger geeigneten Unterkünften leben – in den kommenden Tagen dort einziehen können“, erklärte Wölk. 52 fertige Container auf dem Kasernengelände sollen ebenfalls in Kürze bezogen werden.

Fest steht, dass sich die allgemeine Situation in den vergangenen Wochen zumindest entschärft hat. So wurden laut Wölk zum Stichtag 30. April 2641 zugewiesene Flüchtlinge in städtischen Objekten gezählt, etwa 100 Menschen weniger als im März. Zudem lebten 577 unbegleitete minderjährige Ausländer in Aachen. 174 Flüchtlinge sind derzeit direkt über die zuständigen Bezirksregierungen in der Aufnahmeeinrichtung des Landes am Westbahnhof einquartiert. Dort wäre im Prinzip Platz für bis zu 1000 Menschen.

In den städtischen Gemeinschaftsunterkünften stehen derzeit 1228 Plätze zur Verfügung. Weitere 377 Plätze gibt es in Einrichtungen mit abgeschlossenen Wohnungen, hinzu kommen 1295 Einzelwohnungen.

Auch das Neue Kurhaus an der Monheimsallee ist inzwischen für die vorübergehende Aufnahme von bis zu 300 Migranten gerüstet. Der neoklassizistische Prachtbau neben dem Eurogress soll indes „nur im Notfall“ als Herberge dienen, erklärte Wölk. Das gelte auch für die Turnhallen in der Königstraße, der Reumontstraße, der Vetschauer Straße und der Peliserkerstraße, die seit März wieder für den Schulsport zur Verfügung stehen. Sie könnten im Bedarfsfall innerhalb von acht bis 14 Tagen erneut als Notunterkünfte hergerichtet werden, hieß es.

Zurzeit aber ist lediglich die Halle in der Königstraße für Flüchtlinge reserviert, bis genügend neue Duschen in der Unterkunft Beginenstraße eingebaut sind. Blockiert ist aktuell zudem noch die Turnhalle in der Bergstraße – allerdings aufgrund von Problemen mit der Lüftungsanlage. Sie soll noch vor den Ferien wieder für die Pennäler geöffnet werden.

Kurz vor der Fertigstellung steht ein Objekt in der Debyestraße, das die Stadt jüngst gemietet hat. Dort sollen „zeitnah“ bis zu 60 Menschen unterkommen. Die Umgestaltung eines Bürogebäudes an der Tempelhofer Straße, wo bis zu 200 Personen untergebracht werden können, soll Mitte Juli abgeschlossen sein.

Gleichwohl prüft die Stadt nach wie vor, wo und in welchem Umfang weitere Immobilien übernommen werden können. Allerdings stelle sich inzwischen auch die Frage, wie viel Kapazität mittel- bis langfristig überhaupt noch benötigt werde. „Momentan ist es sehr schwierig, da realistische Prognosen zu stellen“, unterstreicht Wölk. Zumal es zuletzt massive Kritik an zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe für Erwerb und Umgestaltung einschlägiger Objekte gegeben hatte.

Wie viele Migranten in den kommenden Wochen und Monaten ins Dreiländereck kommen, ist derweil völlig offen, betont Evelin Wölk. „Vor Mitte Juli rechnen wir jedenfalls nicht mit weiteren Zuweisungen.“

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