Aachen - Stadt sieht am Bahnhof Rot – probeweise

Stadt sieht am Bahnhof Rot – probeweise

Von: Robert Esser
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Putz bröckelt: Erst vor wenigen Jahren wurde der Tunnel zu den Gleisen saniert – der Verfall hält an.
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Trostloser Anblick: 148 000 Euro sind für die Verkleidung der Bahnhofsfront in Rothe Erde veranschlagt – aber die Stahl-Lamellen lassen seit Jahren auf sich warten. Foto: Robert Esser

Aachen. Mit reichlich Verspätung ist die Stadt Aachen am Bahnhof Rothe Erde unterwegs. Während im erst vor einigen Jahren sanierten Tunnel zu den Gleisen schon wieder der Putz von der Wand bröckelt, gammelt die Fassade zum für 930.000 Euro aufpolierten Vorplatz an der Ecke Adalbertsteinweg/Beverstraße weiter vor sich hin.

Knapp zwei Jahre nach dem ursprünglich anvisierten Fertigstellungstermin sind die historischen Fensterbögen noch immer nicht verkleidet. Seit Monaten ruht die Baustelle. Hinter dem Absperrgitter ragen Stromkabel aus den Wänden, ungezählte Tauben flattern durch die verwahrlosten Hallen unter dem Gleiskörper – ein schäbiger Anblick.

Dabei hatte der Planungsausschuss schon 2010 zur Sanierung der Fassade 123.000 Euro von ursprünglich kalkulierten 180.000 Euro bewilligt. Bis Juli 2012 stiegen die Baukosten um 25.000 auf 148.000 Euro. Bloß: Gebaut wurde nach der Ausbesserung des Mauerwerks noch nichts. Da sich kein Mieter für die Räume hinter der Natursteinfront fand und die Bahn sich weigert, den toten Raum für ein Café oder kleine Läden herzurichten, sollten die großen Fensterbögen mit effektvoll beleuchteten Stahl-Lamellen verkleidet werden. So hatte das die Politik längst beschlossen. Im vergangenen Sommer kündigte das Presseamt an, die Stahl-Lamellen – eine aufwendige Spezialanfertigung zum Preis eines kleines Einfamilienhäuschens – würden spätestens im September montiert. Das Vorhaben wurde allerdings erneut verschoben. Denn plötzlich hatte ein potenzieller Mieter Interesse an den Räumen unter dem Bahnsteig Rothe Erde angemeldet. Für eine wie auch immer geartete „Belebung“ der Hallen wollte die Stadt jede Chance nutzen. Die Deutsche Bahn bestätigt das.

„Diese Anfrage betraf die Anmietung der Räumlichkeiten im Empfangsgebäude des Bahnhofs“, teilt Bahnsprecher Jürgen Kugelmann auf AZ-Anfrage mit. Bei einem Ortstermin am 7. August habe man mit der Stadt vereinbart, dass die Produktion und Montage der geplanten Lamellen bis zur Klärung der Mietanfrage ausgesetzt werde. Will heißen: Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Lamellen noch gar nicht hergestellt worden. Schon zwei Wochen später sei der Interessent abgesprungen. Kugelmann betont: „Dies wurde sowohl mit der Bahn als auch der Stadt Aachen kommuniziert. Mit diesem Datum wäre ein Fortführen der Baumaßnahmen möglich gewesen.“ Doch auch danach passierte nichts. Im Gegenteil: Ende Oktober habe die Stadt der Bahn auf Anfrage mitgeteilt, „dass auf politischer Ebene eine Anmietung der Räume weiter forciert wird und die Produktion und Montage der Lamellen weiterhin ausgesetzt ist“.

Die Stadt widerspricht. Dunkelrote Lamellen würden im Januar 2013 – „also mit einigen Wochen Verspätung“ – am Bahnhof angebracht, teilt das Presseamt jetzt mit. Dann liegt der ursprüngliche Fertigstellungstermin rund zwei Jahre zurück. Zunächst wird aber nur „die Probemontage in einem der Bahnbögen sowie die Probebeleuchtung stattfinden“, heißt es. Wann die Lamellen inklusive LED-Lämpchen komplett sind und die Langzeitbaustelle verschwindet, lässt die Stadt offen. Nur so viel: „Der Kostenrahmen wird eingehalten“, betont man.

Insgesamt ringen Bahn und Stadt seit 17 Jahren um die Verschönerung des Bahnhofs Rothe Erde. Die Weichen wurden zigfach gestellt, der Fahrplan oft geändert. Am Ziel ist man noch nicht.

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